Hauptprogramm Samstag, 7. November

Samstag, 07.11.2015
Zahnunterzahl/Zahnverlust - interdisziplinäre Therapieansätze (Session I) (Saal Harmonie) , Prof. Dr. Bernd Klaiber
Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie e.V. (DGKFO), Deutsche Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien e.V. (DGPro), Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung e.V. (DGZ), Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie e.V. (DGMKG)
09:00-09:23
Mehr als jeder 20. Patient ist von Nichtanlagen bleibender Zähne betroffen. Insbesondere die häufig anzutreffende Nichtanlage der oberen seitlichen Schneidezähne stellt bei Kindern und Jugendlichen eine Herausforderung dar, die auch eine interdisziplinäre Abklärung erforderlich machen kann. Im Vortrag sollen zunächst die Entscheidungskriterien, wann bei Nichtanlagen der oberen seitlichen Schneidezähne ein kieferorthopädischer Lückenschluss indiziert ist bzw. wann eher eine interdisziplinäre Behandlung mit kieferorthopädischer Lückenöffnung sinnvoll sein kann, dargelegt werden. Zudem wird darauf eingegangen, wie bei Patienten mit Nichtanlagen ein kieferorthopädischer Lückenschluss in eine Gesamtbehandlung integriert werden und wie bei symmetrischem bzw. asymmetrischem kieferorthopädischen Lückenschluss unter Einbeziehung restaurativer/prothetischer Maßnahmen ein ästhetisch optimales Ergebnis erreicht werden kann. Der Vortrag soll einen kurzen Überblick über dieses zum Teil komplexe Feld geben und es dem Zahnarzt erleichtern, bei Kindern und Jugendlichen die verschiedenen Therapieoptionen auch aus kieferorthopädischer Sicht besser einordnen zu können.
09:23-09:46
Neukam FW, Hirschfelder U, Weber M

Das kongenitale Fehlen von Zähnen ist mit einer Prävalenz von 6% bis 10% eine häufige Störung der Zahnentwicklung. Die individuelle Variabilität dieser Störung reicht vom Fehlen weniger Zähne (Hypodontie) einer Dentition bis zum vollständigen Fehlen aller Zähne beider Dentitionen (Anodontie). Aus diesem Grund ist die Bildung homogener Patientenkollektive für systematische Untersuchungen sehr schwierig und es existieren zu diesem Thema keine großen randomisiert, kontrollierten Studien, sondern lediglich Fallserien und Fallberichte mit niedrigem Evidenzlevel.

Bei der Therapie von kongenital fehlenden Zähnen stellt das knöcherne Defizit ein Problem dar. Folglich muss das Ziel der Behandlung eine regelhafte Entwicklung des Gesichtsschädels sein. Dabei sind ästhetische und kaufunktionelle Rehabilitation sowie eine regelhafte Sprachentwicklung anzustreben. Die therapeutischen Möglichkeiten bewegen sich im Spannungsfeld der abwartenden Haltung auf der einen Seite und der frühzeitigen Intervention auf der anderen. Grundsätzlich gilt, dass eine Implantatversorgung zur Rehabilitation von kongenital fehlenden Zähnen erst nach Wachstumsabschluss erfolgen sollte. In Fällen mit schwerer Oligodontie oder Anodontie kann jedoch von dieser Regel abgewichen werden. Die Folge von frühzeitiger Implantation können ein gering gesteigerter Implantatverlust und eine Implantatposition in Infraokklussion nach Wachstumsabschluss sein.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es sich bei den Therapiekonzepten bei kongenitalem Fehlen von Zähnen immer um Einzelfallentscheidungen handelt, die interdisziplinär getroffen werden sollten.
09:46-10:09
Die moderne Adhäsiv- und Implantatprothetik ermöglicht uns, zahnsubstanzschonende Restaurationen herzustellen. Mit der Adhäsivtechnik können Präparationen rein schmelzbegrenzt durchgeführt und durch Implantate sogar ganz vermieden werden. Dabei besitzen beide Versorgungskonzepte spezifische Vorteile, die sie in bestimmten Situationen jeweils zur Therapieoption der Wahl machen. So sind Adhäsivbrücken sowohl bei engstehenden Nachbarzähnen, in die Lücke gekippten Wurzeln der Nachbarzähne als auch bei noch im Wachstum befindlichen Patienten anwendbar. Außerdem sind sie unabhängig vom Knochenangebot im Lückenbereich einsetzbar und weisen neben der geringeren Invasivität auch eine kürzere Behandlungsdauer auf. Voraussetzungen sind allerdings karies- und füllungsfreie Nachbarzähne, die über eine ausreichende Klebefläche im Schmelz für den Adhäsivflügel verfügen. Fragen bezüglich ein- oder zweiflügeliger Gestaltung, der zu verwendenden Gerüstmaterialien und des Erreichens eines dauerhaften Klebeverbundes werden diskutiert. Der Vorteil der Implantate liegt sicherlich in der sehr guten Langzeitbewährung, der besseren biomechanischen Abstützung des Ersatzzahnes und des größeren Indikationsbereiches. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass Komplikationen an Implantaten unter Umständen zu starken ästhetischen Beeinträchtigungen führen können.
10:10-10:30
Prof. Dr. Bernd Klaiber
Moderierte Diskussion
10:30-11:00
Pause
Filmpremiere (Saal Harmonie)
11:00-11:20
"Kommunikation der Zellen - Orale und systemische Gesundheit"
Parodontitis und Diabetes (Saal Harmonie) , Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf
Deutsche Gesellschaft für Parodontologie (DG Paro), Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
11:20-11:43
Nicht nur die Prävalenz der Parodontitis und des Diabetes mellitus steigt weiter an, beides sind auch systemische Erkrankungsbilder mit chronischem Verlauf, die in bidirektionaler Beziehung stehen, sich also gegenseitig beeinflussen. So wird die Entstehung, Progression und der Schweregrad einer Parodontitis durch die Glukosestoffwechselstörung begünstigt (3-fach höheres Risiko für Parodontitis bei Diabetes; 15-fach häufiger Zahnverlust bei Diabetikern im Vgl. zu Stoffwechselgesunden). Die SHIP (Study of Health in Pomerania)-Studie hat gezeigt, dass der Zahnverlust mit unzureichender metabolischer Kontrolle bei Patienten mit Typ-2-Diabetes zunimmt.
Übergewicht ist für den Diabetes mellitus Typ 2 als Krankheitsursache mitverantwortlich und ebenso mit Parodontitis assoziiert. Nachgewiesen ist auch, dass Parodontitis die Blutzuckereinstellung erschwert und Folgen am Gefäßsystem gefördert werden. Gegenüber parodontal gesunden oder parodontal leicht erkrankten Diabetikern liegt die Sterblichkeit aufgrund einer diabetischen Nephropathie bei Parodontitis um das 8,5-fache höher. Die Mortalität aufgrund einer ischämischen Herzkrankheit bei schwer parodontal erkrankten Diabetikern ist 2,3-fach erhöht.
Ob eine nicht-chirurgische Parodontaltherapie günstige Effekte auf die metabolische Einstellung des Diabetikers hat, ist noch nicht abschließend geklärt. Allerdings gibt es Hinweise in kleineren Studien, dass der HbA1c-Wert mit einer erfolgreichen Parodontalbehandlung gesenkt werden kann. Unstrittig ist, dass mit frühzeitiger Prävention und Therapie der Parodontitis systemische Entzündungsprozesse und Insulinresistenz gebessert werden können. Dies ist ein Grund, weshalb internistisch tätige Ärzte mit Zahnmedizinern von Anfang an eng miteinander kooperieren sollten. Wünschenswert ist, dass die Kontrolle des Zahnstatus in der ärztlichen Anamnese des Internisten routinemäßig erfolgt. Bei auffälligem Befund sollte der Patient rechtzeitig beim Zahnarzt vorgestellt werden. Umgekehrt kann eine schlecht abheilende Parodontalerkrankung Indiz dafür sein, dass ein gestörter Glukosestoffwechsel vorliegt. Bei Verdacht darauf und bei Diabetes in der Familienanmanese sollte der Patient zur Abklärung den Internisten oder Hausarzt konsultieren. Dies könnte einen Beitrag zur verbesserten Früherkennung der Erkrankung leisten, immerhin bleiben viele Patienten mit Diabetes jahrelang unentdeckt. Die Zusammenarbeit zwischen Internisten und Zahnärzten hat das Potential, den Krankheitsverlauf bei Parodontitis und Diabetes positiv zu beeinflussen.
11:43-12:06
Ca. 20 % der deutschen Bevölkerung sind parodontal stark erkrankt und 8 % der deutschen Bevölkerung leiden unter einem Diabetes. Parodontalerkrankungen, wie auch Typ 2 Diabetes, sind multifaktoriell bedingt und haben gemeinsame Risikofaktoren. Beide Erkrankungen können sich gegenseitig beeinflussen und ihren Verlauf verstärken.
Ich werde kurz auf gemeinsame Risikofaktoren zwischen Parodontalerkrankungen und Diabetes eingehen (Rauchen, Übergewicht, Ernährung, Bewegung, SES). Dann werde ich Diabetes als Risikofaktor für Parodontalerkrankungen diskutieren und im Anschluss daran die Auswirkung von Parodontalerkrankungen auf Diabetes und die Folgeerkrankungen des Diabetes darlegen. Schließlich werde ich die derzeitige Datenlage zu den Auswirkungen von Parodontalbehandlungen auf die metabolische Kontrollen vorstellen. Insbesondere werde ich die große, mulitzentrische Interventionsstudie von Engebretson (JAMA, 2013) besprechen, deren unerwarteten Ergebnisse im Widerspruch zu den bisherigen Resultaten stehen. Darauf basierend werde ich Überlegungen darstellen, welche Konsequenzen sich für uns Zahnärzte aus diesen Zusammenhängen ergeben.
12:10-12:30
Prof. Dr. Ulrich Schlagenhauf
Moderierte Diskussion
12:30-13:30
Lunch
MIH-Molaren: Extraktion ja oder nein? (Saal Harmonie) , Prof. Ralf J. Radlanski
Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGKiZ), Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie e.V. (DGKFO)
14:00-14:23
Die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) und ihre Behandlung sind im klinischen Alltag inzwischen sehr prominente Probleme. Einerseits kann den betroffenen Patienten und ihren Familien bisher keine zufriedenstellende Antwort auf die Fragen nach Ätiologie und Pathogenese gegeben werden, und auf der anderen Seite bedingt genau dieses fehlende Wissen, dass auch in der Therapie bisher keine Einigkeit über die bestmöglichen Behandlungsoptionen erzielt werden konnte.
Während in den ersten Jahren seit Beachtung der MIH zunächst primär nach schädlichen Umwelteinflüssen der ersten drei Lebensjahre (Mineralisationszeitraum der Index-Zähne) gesucht wurde, werden heute z.B. auch mögliche genetische Komponenten mit untersucht.
Das Ziel des Vortrages ist eine aktuelle Übersicht über mögliche bzw. wahrscheinliche Ursachen der Hypomineralisation sowie Erklärungsansätze zur Pathogenese, die wiederum den Therapieentscheid maßgeblich beeinflussen können.
14:23-14:46
Die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) ist eine qualitative Schmelzstörung, die vor allem an ersten permanenten Molaren und fakultativ auch an permanenten Inzisiven auftritt. Die Ausprägung der MIH kann sich sowohl zwischen verschiedenen Patienten als auch an den Zähnen desselben Patienten deutlich unterscheiden. Das klinische Erscheinungsbild ist gekennzeichnet durch umschriebene weiß-gelbe bis gelb-braune Schmelzopazitäten unterschiedlicher Größe. Die Oberflächen der MIH-Defekte variieren von glänzend über matt bis hin zu rau-porös mit Schmelzeinbrüchen.
Internationale Studien registrierten eine enorme Spannweite für die MIH-Prävalenz von 2 % bis 44 %, wobei sich die Mehrheit der Studien auf europäische Länder bezieht. Deutsche Daten berichten von MIH-Prävalenzen zwischen 4 % und 15 %. Ein Teil der Unterschiede scheint in der Uneinheitlichkeit der verwendeten Kriterien bzw. MIH-Indizes begründet zu sein. Festzustellen ist allerdings, dass die meisten Studien auf eine Stadt oder eine Region begrenzt wurden und der Stichprobenumfang niedrig war. Darüber hinaus schlägt die Europäische Akademie der Kinderzahnheilkunde (EAPD) aktuell überarbeitete Empfehlungen für zukünftige MIH-epidemiologische-Studien vor. Insgesamt dominieren die ersten permanenten Molaren das klinische Bild, wobei die umschriebenen Opazitäten am häufigsten vorkommen.
Unter Berücksichtigung epidemiologischer sowie klinischer Parameter lässt sich festhalten, dass die MIH ein epidemiologisch und klinisch relevantes Thema der Zahnmedizin darstellt. Es sollte daher sowohl in der allgemeinen zahnärztlichen Ausbildung als auch bei der Spezialisierung von Kinderzahnärzten Berücksichtigung finden.
14:46-15:09
Zahnextraktionen können aufgrund von fehlender Erhaltungswürdigkeit und aus kieferorthopädischen Gründen indiziert sein. Bei der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH) gehen die primären therapeutischen Bestrebungen in der Regel dahin, die betroffenen Zähne möglichst zu erhalten, um auch eine regelrechte Entwicklung der Alveolarfortsätze in der Wachstumsperiode sicherzustellen. Ist eine Erhaltung der MIH-Molaren nicht möglich, stellt sich die Frage, inwieweit eine kieferorthopädische Behandlung mit Lückenschluss die bestmögliche Therapieoption darstellt. Entscheidend dafür sind jedoch viele weitere klinische Befunde wie z. B. die Gesichtsmorphologie, die Okklusion, die Funktion, das Wachstum, die Platzverhältnisse, der Durchbruchstand der Nachbarzähne und auch die Anlage der Weisheitszähne. Eine entscheidende Rolle wird dem Extraktionszeitpunkt beigemessen, der von den vorliegenden Befunden sowie dem Behandlungsziel abhängig ist. Wenn der kieferorthopädische Lückenschluss erfolgreich durchgeführt werden kann, resultiert eine geschlossene Zahnreihe ohne Notwendigkeit einer prothetischen Versorgung. Basierend auf Literaturdaten und ausgewählten Kasuistiken werden die Entscheidungskriterien für einen Lückenschluss in der Präsentation dargelegt.
15:10-15:30
Prof. Ralf J. Radlanski
Moderierte Diskussion
15:30-16:00
Pause
Lückenhalter: wann und wie? (Saal Harmonie) , Prof. Dr. Jörg Alexander Lisson
Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGKiZ), Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie e.V. (DGKFO)
16:00-16:23
Der Engstand ist die häufigste Gebissanomalie im Wechselgebiss. Eine Form des Platzmangels ist der sekundäre Engstand, der überwiegend durch vorzeitige Milchzahnverluste und die Reduktion der Zahnhartsubstanz im Kontaktpunktbereich durch kariöse Milchzähne und insuffiziente Milchzahnfüllungen entsteht. Daraus resultiert häufig die Mesialdrift der 6-Jahrmolaren mit der Platzeinengung in mesio-distaler Richtung für die Prämolaren und Eckzähne. Der sekundäre Engstand konzentriert sich demnach überwiegend auf das Seitenzahngebiet und wird zur Beurteilung der Platzverhältnisse in der sagittalen Ebene benutzt.
Anhand der Ergebnisse einer repräsentativen Querschnittstudie an 3041 Kindern mit Milch- und frühen Wechselgebissen wird das Vorkommen des sekundären Engstandes in diesen Phasen der Gebissentwicklung dargestellt. Verschiedene zahnärztliche und kieferorthopädische Befunde, die ursächlich für die Engstandsentwicklung in der Sagittalen in Frage kommen, werden anhand der Studienergebnisse erläutert.
Zusammenfassend werden Schlussfolgerungen für die Prävention und Frühbehandlung des Platzmangels im Milch- und frühen Wechselgebiss abgeleitet werden.
16:23-16:46
In der Kieferorthopädie findet sich ein breites Feld von Gebissanomalien deren Genese sich im Wechselspiel vorwiegend umweltbedingter oder vorwiegend erbbedingter Faktoren abspielt.
Es wird davon ausgegangen, dass sich ein hoher Anteil von Zahnstellungsabweichungen von ca. 40% vorwiegend durch exogene Faktoren manifestiert. Einer dieser Faktoren ist der vorzeigte Milchzahnverlust.
Spätestens seit Baume (1950) sind die Charakteristika der Zahnwanderung bei Zahnverlust bekannt. In der dynamischen Phase des Wachstums und Zahnwechsels beim Kind und Jugendlichen wirken sich diese Zahnwanderungen nicht nur sagittaler, sondern auch vertikaler und transversaler Richtung besonders deutlich aus. Insbesondere die Sechsjahrmolaren im Oberkiefer zeigen neben der Mesialwanderung und Kippung auch eine Rotationskomponente. Der folgende Platzverlust im Zahnbogen führt in Abhängigkeit von der Durchbruchreihenfolge im Oberkiefer zu Eckzahnaußenstand oder Platzeinengung bis hin zu Durchbruchsstörungen der zweiten Prämolaren. Im Unterkiefer ist je nach Lokalisation neben sekundärem Engstand auch Gefahr der Retention zweiter Prämolaren auch durch Distalkippung der ersten Prämolaren möglich.
Im sensiblen Zusammenspiel des Zahnwechsels, Platzausgleich durch Zahnbreitendifferenzen (Lee-way Space) und Wachstum erfolgt auch die Einstellung der okklusalen Beziehungen. Da eine Vorwanderung im Oberkiefer schneller erfolgt, können Molaren aus Höcker -Höcker Verzahnung bei gerader Postlactalebene eher in eine Distalokklusion gleiten und diese so verschlüsseln.
Es wird ergänzend anhand von Patientenbeispielen auf die klinischen Konsequenzen eingegangen und Behandlungsoptionen aufgezeigt. So sind die auftretenden sekundären Engstände im Prinzip gut behandelbar, aber in ausgeprägten Fällen mit hoher Wahrscheinlichkeit durch eine Reduktion der Zahnzahl zu therapieren.
In diesem Sinne ist die Verhinderung von Zahnwanderungen durch Lückenhalter sekundäre kieferorthopädische Prophylaxe. Anzustreben ist allerdings die Prävention der Milchzahnkaries und in zweiter Linie der konservierende Zahnerhalt in den anatomischen Dimensionen.
16:46-17:09
Ein vorzeitiger Milchzahnverlust im Kindesalter liegt vor, wenn ein Zahn bereits mehr als ein Jahr vor dem Durchbruch seines Nachfolgers verloren geht. Als eine der häufigsten Ursachen ist hier nach wie vor die Karies anzuführen, obwohl in den letzten Jahren und Jahrzehnten ein deutlicher Kariesrückgang verzeichnet werden konnte. Zu den prothetischen Versorgungsoptionen in der Kinderzahnheilkunde nach Zahnverlust gehören Lückenhalter, die sowohl festsitzend als auch herausnehmbar in Form einer Kinderprothese gestaltet werden können. Durch ihren Einsatz sollen primär ein Platzverlust und eine eventuell später notwendige aufwändige kieferorthopädische Therapie verhindert werden. Die Wahl der entsprechenden Therapielösung hängt nicht nur vom individuellen Kariesrisiko oder der Fähigkeit zur Mundhygiene, sondern auch stark von der Compliance der kleinen Patienten ab.
Der Vortrag gibt einen Überblick über die möglichen Folgen eines vorzeitigen Milchzahnverlustes und beleuchtet rezente Therapiekonzepte in der Kinderzahnheilkunde.
17:10-17:30
Prof. Dr. Jörg Alexander Lisson
Moderierte Diskussion
Intraligamentäre Anästhesie - modern oder ein alter Hut? (Illusion) , Dr. Michael Frank
Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGKiZ), Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie e.V. (DGMKG), Deutsche Gesellschaft für Endodontologie und zahnärztliche Traumatologie (DGET), Arbeitsgemeinschaft für Kieferchirurgie (AGKI)
09:00-09:23
Jede der drei Techniken hat ihre speziellen Indikationen, Kontraindikationen und jeweils eine klare Berechtigung. Diese sollten im Rahmen einer differenzierten Lokalanästhesie überdacht und in der klinischen Praxis umgesetzt werden. Selbstverständlich ist nicht jedes Verfahren für jede Behandlungssituation und Lokalisation einsetzbar, auch erfordern ggf. die vorhandenen Risikofaktoren des Patienten ein individuelles Vorgehen.
Der Paragraph 630 (a bis h) des Bürgerlichen Gesetzbuches wurde durch das Patientenrechtegesetz vom 26.2.2013 modifiziert und regelt insbesondere den Behandlungsvertrag sowie das Behandlungsverhältnis zwischen Arzt und Patient, die Informations- und Aufklärungspflichten und die Einwilligung sowie Dokumentation. Bei der Aufklärung ist dementsprechend nicht nur die geplante Behandlung mit eingriffstypischen Risiken zu erläutern, sondern auch auf Alternativen hierzu, wenn diese bei gleicher Indikation zu wesentlich unterschiedlichen Belastungen und Risiken führen können. Die aktuelle Rechtsprechung hält daher auch bei der zahnärztlichen Lokalanästhesie bei gegebener Indikation die Infiltrationsanästhesie oder intraligamentäre Anästhesie als Alternative gegenüber der Leitungsanästhesie für aufklärungsbedürftig, da das Risiko einer Nervschädigung nicht vorhanden ist.
Dringend anzuraten ist auch jedem Zahnarzt die sorgfältige Dokumentation dieser Aufklärung.
Die Stufenaufklärung nach Weissauer bietet einen guten Algorithmus für das konkrete Vorgehen.
09:23-09:46
Gemäß aktueller Rechtsprechung besteht vor zahnärztlicher Leitungsanästhesie eine Aufklärungspflicht über die spezifischen Risiken und Alternativen der Methode, auch wenn diese Nebenwirkungen nur sehr selten zu beobachten sind.
Insbesondere die nach Leitungsanästhesie extrem selten vorkommenden neurosensorischen Störungen im Bereich des n. alveolaris inferior oder des n. lingualis wurden in Gerichtsurteilen als Begründung für eine besondere Aufklärungspflicht über die intraligamentäre Anästhesie, als mögliche Alternative zur Leitungsanästhesie angeführt. Diese Aufklärungspflicht besteht allerdings nur, wenn die intraligamentäre Anästhesie für die geplante Therapie als gleichwertige Technik der Schmerzausschaltung zu bewerten ist.
Klinische Studien zeigten in Relation zwischen Infiltrations oder Leitungsanästhesie und intraligamentärer Anästhesie vergleichbare Anästhesietiefe bei restaurativer oder endodontischer Therapie einzelner Zähne sowie bei Anwendung im Milchgebiss.
Die Vorteile der intraligamentären Anästhesie liegen im geringen Injektionsvolumen der lokalanästhetischen Lösung und im schnelleren Wirkungseintritt im Vergleich zur
Infiltrations- oder Leitungsanästhesie.
Für umfangreiche dentoalveoläre Eingriffe oder bei Patienten mit erhöhtem Endocarditis - Risiko ist wegen des erhöhten Bakterieämie Risikos, die Intraligamentäre Anästhesie nicht indiziert.
09:46-10:09
In der Kinderzahnheilkunde ist neben einer altersgerechten Patientenführung die Schmerzausschaltung von großer Bedeutung. Hier kommen in der Regel die gängigen Techniken wie Infiltrations- und Leitungsanästhesie zum Einsatz. In diesem Beitrag wird der Stellenwert der intraligamentären Anästhesie in der Kinderzahnheilkunde diskutiert und ein Literaturüberblick über die Anwendung dieser Technik gegeben.
10:10-10:30
Dr. Michael Frank
Moderierte Diskussion
10:30-11:00
Pause
Zahnunterzahl/Zahnverlust - interdisziplinäre Therapieansätze (Session II) (Illusion) , PD Dr. Dietmar Weng
Deutsche Gesellschaft für Kieferorthopädie e.V. (DGKFO), Deutsche Gesellschaft für Prothetische Zahnmedizin und Biomaterialien e.V. (DGPro), Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung e.V. (DGZ), Deutsche Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie e.V. (DGMKG)
11:00-11:46
Traumabedingter Zahnverlust stellt Patient und Behandler vor große Herausforderungen. Meist werden Frontzähne des Oberkiefers verletzt, die Region ist für die Gesichtsästhetik höchst relevant. Die Verletzten sind überwiegend noch im Wachstum - üblicher Zahnersatz ist wegen der noch zu erwartenden Gesichtsentwicklung erst viele Jahre später möglich. Trauma, Zahnverlust und verzögerte Behandlung resultieren in ausgeprägten Gewebsverlusten.
Im Wachstumsalter bestehen mit kieferorthopädischem Lückenschluss und autologer Transplantation von Prämolaren und Milcheckzähnen Behandlungsoptionen. Unter Beachtung biologischer und anatomischer Vorgaben sind die Aussichten auf Langzeiterhalt und ästhetisch anspruchsvolle Ergebnisse sehr gut.
Die erforderliche patientenindividuelle Einschätzung von Prognose, Risiken und Aufwand der verschiedenen Therapiemöglichkeiten erfordert eine enge interdisziplinäre Kooperation, insbesondere von Kieferorthopädie und Chirurgie, aber auch Endodontie und Prothetik.
Die wichtigsten abzuklärenden zahnmedizinischen Parameter umfassen u.a. Entwicklungsstand eventueller Transplantate, Nichtanlagen von Zähnen, Bisslage und Lückenbreite.
Fällt die Entscheidung zugunsten einer Transplantation, müssen die Behandlungen exakt abgestimmt werden. Eine etwaige Lückenöffnung muss zum Transplantationszeitpunkt abgeschlossen sein, Tief- und Deckbiss erfordern gegebenenfalls eine temporäre Bisssperrung beziehungsweise vorherige orthodontische Korrektur. Eine eventuelle kieferorthopädische Extrusion zur erleichterten, die Parodontalgewebe möglichst wenig traumatisierenden Extraktion sowie Verfahren mit Nutzung vertikaler Extraktionskräfte können hilfreich sein. Die Positionierung der Transplantate orientiert sich an den lokalen Gewebsdefiziten und den Platzverhältnissen in der Empfängerregion. Eine unmittelbar optimale Platzierung ist nicht immer möglich, eine Korrektur erfolgt durch kieferorthopädische Behandlung. Diese muss unter Berücksichtigung der möglichen Biomechanik sorgfältig geplant werden.

Bei korrekter Indikation zeigen parodontale und endodontale Heilung sehr hohe Erfolgsraten. Bei komplikationsloser Einheilung bestehen offenbar keine spezifischen Verlustrisiken, die Langzeitprognose übertrifft diejenige anderer Zahnersatztherapien deutlich. Die Transplantate induzieren Knochenwachstum, selbst umfangreiche, auch vertikale Defizite werden so regeneriert, auf Augmentationen kann vollständig verzichtet werden. Ein natürlicher und ästhetischer Verlauf der Gingiva mit meist vollständiger Ausbildung der Papillen wird regelmäßig erreicht. Die Transplantation erspart viele Jahre des Wartens auf Abschluss des Gesichtswachstums und meist unbefriedigende Temporär-"Lösungen". Als elektiver Eingriff erfordert die Transplantation besondere Anstrengungen bei der Aufklärung. Das junge Alter der Patienten stellt hohe Ansprüche an die Patientenführung, Behandlungen in Narkose können sinnvoll sein. Engmaschige Nachkontrollen zielen vor allem auf das Erkennen ausbleibender Revaskularisation, ggf. mit der Erfordernis endodontischer Therapie, sowie der Erkennung von okklusaler Interferenz. In der Regel wird angestrebt, die entstandenen Extraktionslücken durch eine kombinierte kieferorthopädische Behandlung unter Einsatz von modernen skelettalen Verankerungstechniken zu schließen.
11:46-12:09
Ein Zahnverlust nach Trauma kann direkt durch die Verletzung oder sekundär durch suboptimale Erstversorgung hervor gerufen werden.
In der Primärversorgung ist es wichtig das Ausmaß der Schädigung durch geeignete klinische Untersuchung und bildgebende Dokumentation festzustellen.
Weitergehende Verletzungen, z.B. Frakturen des Alveolarfortsatzes oder der Kieferknochen sollten im Rahmen der Erstversorgung erkannt werden, weil dadurch die Therapie angepasst werden muss.
Gelockerte oder avulsierte Zähne sollten reponiert oder replantiert sowie durch geeignete Schienungen fixiert werden, nachdem eine initiale Fotodokumentation und Röntgendiagnostik erfolgt ist.
Bei verloren gegangenen Zähnen ist klinisch zu entscheiden, ob eine primäre Rehabilitation mit einem Sofortimplantat möglich ist, weil hierbei die Chance besteht ein optimales Ergebnis im Hinblick auf die Positionierung des Implantates und Erhalt des angrenzenden Weichgewebes für eine gute rote Ästhetik zu erreichen. Kontraindikationen, beispielweise ein Verlust der vestibulären Knochenlamelle oder allgemeiner Art wie Alter, Compliance etc sind zu beachten.
Die besondere Verantwortung in der Erstversorgung von Zahnverletzungen oder -verlusten erfordert größte Aufmerksamkeit und interdisziplinäre Kooperation damit zahnärztliche Aspekte und chirurgische Expertise zusammen geführt werden, um optimale Ergebnisse für die oft jungen Patienten zu erreichen. Dazu gehört auch eine ausreichende Nachsorge, insbesondere in den ersten Monaten nach dem Trauma.
Anhand klinischer Beispiele werden gute und weniger gute Ergebnisse dargestellt.
12:09-12:32
Bei Einzelzahnlücken stehe heute Brücken oder Implantate an erster Stelle der Behandlungsmittel. Allerdings gibt es auch andere Interventionsmöglichkeiten, die bei der Behandlungsplanung berücksichtigt werden sollten. So kann eine stabile Lücke ohne relevante funktionelle oder ästhetische Beeinträchtigungen unter bestimmten Umständen auch belassen und beobachtet werden (Monitoring). Auch eine Zahnverbreiterung zum Lückenschluss mittels direkt eingebrachten Kompositen kann eine Behandlungsoption sein. Inzwischen liegen zu Zahnformkorrekturen nicht nur für den Frontzahnbereich, sondern auch den Seitenzahnbereich Langzeitresultate vor, die in dem Vortrag präsentiert werden. Auf der Grundlage der verfügbaren Literatur und eigener Erfahrungen wird ein Konzept zum Lückenmanagement, das auch die Expertise der Zahnerhaltung miteinbezieht, vorgestellt.
12:35-13:00
PD Dr. Dietmar Weng
Moderierte Diskussion
13:00-13:30
Lunch
Lachgas in der Zahnmedizin (Illusion) , Prof. Dr. Dr. Monika Daubländer
Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGKiZ), Interdisziplinärer Arbeitskreis für Zahnärztliche Anästhesie (IAZA), Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI)
13:30-13:53
Seit der Zahnarzt Horace Wells 1844 die medizinische Bedeutung von Lachgas als Analgetikum erkannte, hat Lachgas eine wechselhafte Geschichte durchlebt. Im Rahmen des Siegeszuges der Einführung der Äthernarkose in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fand es weltweite Verbreitung, an der sich bis heute nichts geändert hat.
Das Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil von Lachgas (auch: N2O, Distickstoffmonoxid, Stickoxydul) ist daher seit langem gut bekannt und erforscht: das farb-, geschmack- und geruchlose Gas wird über die Lungen rasch aufgenommen und auch unverändert wieder abgeatmet. Die maximale Wirkung wird innerhalb weniger Minuten erreicht.
In niedrigeren Dosierungen hat Lachgas vor allem eine angstlösende und beruhigende Wirkung, erst in höheren Dosen bis 50% (gemischt mit Sauerstoff) bzw. während Narkosen bis 70% kommen auch analgetische Effekte zum Tragen.
Die klinische Anwendung in der Zahnmedizin folgt dem Konzept der "titrierbaren inhalativen Sedierung": Lachgas wird nach den Bedürfnissen der Patienten individuell titriert (maximal 50%) über eine Nasenmaske eingeatmet, wobei die Anxiolyse im Vordergrund steht - Ziel ist eine für Patient (und Behandler) entspannte Behandlung; zur Schmerzausschaltung wird mit Lokal- oder Leitungsanästhesieverfahren kombiniert. Für den Einsatz in anderen Bereichen, wie in der Pädiatrie, Geburtshilfe oder Notfallmedizin steht ein fixes 50/50 Lachgas-Sauerstoff-Gemisch zur Verfügung. In der Anästhesie wird Lachgas immer mit anderen Anästhetika/Analgetika kombiniert, da die Wirkstärke von Lachgas allein für eine Narkose nicht ausreicht [1].
Große Studien haben die Sicherheit von Lachgas sowohl zur Analgosedierung [2,3] wie auch während Narkosen [4] bewiesen. An Nebenwirkungen können Übelkeit und Erbrechen sowie Benommenheit und Kribbelparästhesien auftreten. Tiefere Sedierungsstadien, die mit Bewusstseinsverlust und Atemdepression einhergehen können, werden meist nur dann beobachtet, wenn Lachgas mit anderen zentral dämpfenden Medikamenten kombiniert wird (z.B. Bezodiazepine oder Opiate)[2]. Dies verbietet sich bei Anwendung durch Nicht-Anästhesisten [5].
Lachgas gehört neben CO2 und Methan zu den sogenannten Treibhausgasen. Medizi¬nisches Lachgas hat jedoch nur einen Anteil von weniger als 0,03% an den jährlichen weltweiten anthropogenen Treibhausgas-Emissionen [6]. Es besteht kein direkter Zusammenhang zwischen Lachgas und der Problematik des "Ozon-Lochs" [7].
In den 70iger Jahren ergaben Umfragestudien den Verdacht auf einen Zusammenhang zwischen Lachgasexposition am Arbeitsplatz (Anästhesistinnen, Hebammen, Zahnarzthelferinnen) und einem erhöhten Abort-Risiko. Untersuchungen in den Folgejahren, insbesondere seit der Einführung von Narkosegasabsaugungen und unter Beachtung sauberer wissenschaftlicher Methoden, konnten diese Befunde jedoch nicht verifizieren [1]. Ein erhöhtes Abort-Risiko muss unter Beachtung der geltenden Arbeitsplatzgrenzwerte nicht befürchtet zu werden.
Die Interaktion von Lachgas mit Vitamin B12 (Kobalamin) ist seit den 1950iger Jahren bekannt. Bei Inhalation von Lachgas über Tage bzw. repetetiv über längere Zeit kommt es zu einer (reversiblen) Hemmung der Methioninsynthetase mit den typischen Symptomen eines Vitamin B12-Mangels: diffuse neurologische Ausfälle und eine Anämie. Daher gilt heute, dass eine Lachgasanwendung auf 6 Stunden begrenzt werden soll, ein nicht-behandelter Vitamin B12-Mangel gilt als Kontraindikation [6].
Auch heute erscheinen jedes Jahr einige Fallberichte von meist jungen Menschen, die (teils irreversible) neurologische Defizite nach Abusus von Lachgas als Partydroge erleiden. Auch Todesfälle werden beschrieben, wobei diese am ehesten durch die Kombination mit anderen Drogen zustande kommen, sowie durch einen Sauerstoffmangel, da hier meist Lachgas aus Luftballons pur ohne Sauerstoffbeimengung inhaliert wird.
Weitere zu beachtende Kontraindikationen ergeben sich aus den physikalischen Eigenschaften von Lachgas. N2O diffundiert in abgeschlossenen gasgefüllte Räume: daher sind Pneumothorax, Mittelohrentzündungen und kürzlich durchgeführte Augen-, Herz- oder Hirnoperationen. Eine sog. Diffusionshypoxie (Verdünnung des Sauerstoffanteils in den Lungenbläschen beim schnellen Abfluten von Lachgas) tritt bei sachgerechter Anwendung und bei Verwendung von maximal 50% Lachgas in 50% Sauerstoff nicht auf.
Insgesamt kann heute die Anwendung von Lachgas in der Kinder- wie auch Erwachsenenzahnmedizin als sicher und hilfreich angesehen werden. Dies wurde so auch u.a. auf europäischer Ebene vom Council of European Dentists (CED)[8] und der European Society of Anaesthesiology (ESA)[9] beschrieben. Zu beachten ist, dass die Anwendung durch Zahnärzte gebunden ist an eine strukturierte Ausbildung der Zahnmedizinier und deren Assistenzpersonal, und zwar sowohl spezifisch für die Applikation von Lachgas wie auch generell für die Basis der Notfallversorgung [10,11].


[1] Sanders RD, Weimann J, Maze M. Biologic effects of nitrous oxide: a mechanistic and toxicologic review. Anesthesiology 2008; 109: 707-22
[2] Gall O, Annequin D, Benoit G, Glabeke E, Vrancea F, Murat I. Adverse events of premixed nitrous oxide and oxygen for procedural sedation in children. Lancet 2001; 358: 1514-5
[3] Onody P, Gil P, Hennequin M. Safety of inhalation of a 50% nitrous oxide/oxygen premix: a prospective survey of 35.828 administrations. Drug Saf 2006; 29: 633-40
[4] Myles PS, Leslie K, Peyton P, Paech M, Forbes A, Chan MT, Sessler D, Devereaux PJ, Silbert BS, Jamrozik K, Beattie S, Badner N, Tomlinson J, Wallace S; ANZCA Trials Group. Nitrous oxide and perioperative cardiac morbidity (ENIGMA-II) Trial: rationale and design. Am Heart J. 2009; 157: 488-94
[5] Philippi-Höhne C, Daubländer M, Becke M, Reinhold P, Splieth C, Beck G: Einsatz von Lachgas zur minimalen Sedierung von Kindern in der Zahnheilkunde. Anästh Intensivmed 2013; 54 : 323-6
[6] Weimann J. Toxicity of nitrous oxide. Best Pract Res Clin Anaesthesiol 2003; 17: 47-61
[7] Stenqvist O, Husum B, Dale O. Nitrous oxide: an ageing gentleman. Acta Anaesthesiol Scand. 2001; 45: 135-7.
[8] Council of European dentists: Anwendung der inhalativen Lachgassedierung in der Zahnmedizin. PDF-Dokument unter
http://www.eudental.eu/component/attachments/attachments.html?id=373.
[9] European Society of Anaesthesiology task force on the use of nitrous oxide in clinical anaesthetic practice. The current place of nitrous oxide in clinical practice: An expert opinion-based task force consensus statement of the European Society of Anaesthesiology. Eur J Anaesthesiol. 2015; 32: 517-20
[10] Philippi-Höhne C, Daubländer M, Becke M, Reinhold P, Splieth C, Beck G: Einsatz von Lachgas zur minimalen Sedierung von Kindern in der Zahnheilkunde.
Anästh Intensivmed 2013; 54 : 323-6
[11] Deutsche Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGKiZ): Zertifizierung der Lachgasanwendung durch DGKiZ ("Lachgasqualifizierung"). PDF-Dokument unter
http://www.dgkiz.de/files/dgkiz/pdf/LG_Richtlinien_1-2015.pdf
13:53-14:16
Verfahren zahnärztlicher Anästhesie sollen adäquate Schmerzausschaltung für zahnärztliche und zahnärztlich chirurgische Eingriffe gewährleisten, aber auch Angst und Stress des Patienten minimieren und seine Kooperationsfähigkeit insbesondere für belastende und komplexe zahnärztliche Therapie verbessern .
Neben der Schmerzausschaltung durch die Lokalanästhesie kommt daher insbesondere in der Oralchirurgie den Sedierungsverfahren zunehmende Bedeutung zu.
Angesichts älter werdender, oftmals multimorbider Patienten ist die Reduktion von Angst und Stress (und der damit in Zusammenhang stehenden kardiovaskulären Belastung) wesentliches Behandlungsziel.
Sedierung wird definiert als eine kontrollierte und gesteuerte Reduktion des Wachheitszustands des Patienten durch z.B. orale oder intravenöse Gabe geeigneter Pharmaka oder bei der Lachgas Sedierung durch Inhalation eines Lachgas- Sauerstoff Gemischs.
Während die Anwendung von Lachgas in der Kinderzahnheilkunde auch international weit verbreitet ist, werden in der operativen Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde überwiegend intravenöse Sedierungen mit z.B. kurzwirkenden Benzodiazepinen (Midazolam) alleine oder in Kombination mit Analgetika durchgeführt (Analgosedierung).
Anders als zur Lachgassedierung bei Kindern finden sich in der wissenschaftlichen Literatur relativ wenige Untersuchungen und Anwendungsstudien zur Sedierung mit Lachgas (nitrous oxide sedation) für oralchirurgische Eingriffe.

Die Auswertung der neueren Literatur belegt, dass aufgrund der mit der Lachgasinhalation zu erzielenden Anxiolyse, der guten analgetischen Wirkung und wegen des hohen Sicherheitsstandards der Methode, in bestimmten Indikationen die Sedierung mit Lachgas (allein oder in Kombination mit der Gabe von Benzodiazepinen) auch in der Oralchirurgie erfolgversprechend eingesetzt werden kann.
14:16-14:39
Viele Kinder und haben zwar einen zahnärztlichen Therapiebedarf, weisen aber nicht die nötige Kooperation aus. Daher bieten sich neben der Verhaltensführung Sedierungsverfahren wie z. B. mit Lachgas an, wodurch viele unnötige Narkosen vermieden werden können.
In diesem Vortrag werden die Möglichkeiten und Grenzen der Verhaltensführung und Indikationen sowie Chancen der Sedierung mit Lachgas aus Sicht der Kinderzahnheilkunde herausgearbeitet. Dies erfolgt in Abgrenzung zur Behandlung in Narkose, die nur indiziert ist, wenn die risikoärmere Sedierung nicht erfolgreich ist.
Außerdem werden die zahnärztlichen, logistischen und sicherheitstechnischen Voraussetzungen für die Lachgassedierung diskutiert.
14:40-15:00
Prof. Dr. Dr. Monika Daubländer
Moderierte Diskussion
15:00-15:30
Pause
Des Patienten Behandlungswille und -wunsch (Illusion) , Prof. Dr. Reiner Biffar
Arbeitskreis Psychologie und Psychosomatik in der DGZMK (AK PP), Arbeitskreis Ethik in der DGZMK (AK Ethik)
15:30-15:55
Patienten, deren Beschwerden in starkem Maße verursacht sind durch psychosoziale Einflussfaktoren halten vielfach an einem rein somatischen Krankheitsmodell fest. Demzufolge sind sie darauf fixiert, dass eine ausschließlich somatische Therapie zur Beschwerdefreiheit führen muss. Getrieben von diesem enormen Leidensdruck durch die ohne Zweifel erlebte Symptomatik fordern sie vielfach nahezu aggressiv teils invasive Maßnahmen ein, deren Indikation bzw. Kontraindikation nicht immer eindeutig festgestellt werden kann. Unter diesem Druck bestehende Behandler fürchten einerseits bei Verweigerung eine echte somatische Ursache unbehandelt zu belassen, andererseits einen Behandlungsfehler zu begehen, wenn sich heraus¬stellt, dass eine solche "Wunschbehandlung" fehlindiziert war. An einem Beispiel soll diese Problematik eingehend aufgezeigt werden.
15:55-16:20
Die Vorstellungen und Ansprüche mancher, insbesondere schwieriger, psychosomatisch kranker Patienten können das Arzt-Patienten-Verhältnis extrem belasten. Der korrekte Umgang auch mit solchen, komplizierten Patienten darf sich nicht darauf reduzieren, zu vermuten, dass der Patient psychosomatisch krank sei, um ihm dann zu eröffnen, dass deswegen seine Behandlung die Möglichkeiten der allgemeinzahnärztlichen Praxis übersteigt und er sich daher anderswohin wenden möge. Selbstverständlich hat auch der psychosomatisch kranke Patient einen Anspruch darauf, zahnmedizinisch korrekt behandelt bzw. versorgt zu werden. Für den Zahnarzt ergibt sich die Notwendigkeit, die Behandlung so zu konzipieren, dass den bekannten Besonderheiten bei der Betreuung dieser Patienten so weit wie möglich Rechnung getragen werden kann. Dazu gehört allerdings auch, dass den Forderungen des Patienten, soweit sie nicht mit der ärztlichen Überzeugung und Verantwortung in Einklang zu bringen sind, eindeutig entgegengetreten werden muss.
16:20-16:45
Zahnärzte haben in ihrem Berufsleben in vielen Fällen höchst unterschiedlichen Rollen zu genügen. Vor diesem Hintergrund befasst sich der Vortrag in grundsätzlicher Weise mit den Spannungsfeldern und Rollenkonflikten, denen Zahnärzte (potentiell) ausgesetzt sind, sowie mit der Frage, welche ethische Implikationen diese mit sich bringen und wie sie sich lösen oder zumindest in ihren Auswirkungen reduzieren lassen.
Dabei werden drei musterhafte Rollenkonflikte näher beleuchtet: (1) der Konflikt zwischen dem ärztlichen Heilauftrag (Rolle als Heiler) und dem Angebot außermedizinischer Dienstleistungen (Rolle als Unternehmer), (2) dem Spannungsfeld zwischen individueller Verantwortung gegenüber dem Patienten (Rolle als Wahrer individueller Patientenbedürfnisse) und gesellschaftlichen Forderungen nach wissenschaftlicher Evidenz (Rolle als klinischer Forscher bzw. Leiter patientenbezogener Studien) und - mit Blick auf zu begutachtende Behandlungsfehler - (3) der Konflikt zwischen dem Kollegialitätsgebot (Rolle als Kollege) und der Verantwortung gegenüber dem geschädigten Patienten (Rolle als Vertreter berechtigter Patientenrechte).
16:45-17:10
Unter dem Begriff Indikation wird die medizinische, auf das vorliegende Krankheits- oder Verletzungsbild gerichtete Begründung für die Anwendung diagnostischer oder therapeutischer Maßnahmen verstanden. Nicht selten weichen allerdings die Erwartungen und subjektiven Vorstellungen der Patienten von diesen medizinischen Vorgaben ab. Dies ist nicht nur in der sogenannten "wunscherfüllenden (Zahn-)Medizin" der Fall, sondern wird auch bedingt durch individuelle Präferenzen oder soziokulturelle Festlegungen des Patienten, seine wirtschaftlichen Möglichkeiten, die Einsicht in die medizinische Notwendigkeit und andere Faktoren.
Der Patientenwunsch bzw. dessen Umsetzbarkeit kann also das Verhältnis sowohl von Patient - Zahnarzt als auch von Patient - Kostenträger betreffen, wie auch die Beziehung Zahnarzt - Kostenträger berührt wird, da von Patientenseite oftmals erwartet oder gar vorausgesetzt wird, dass der Zahnarzt den Patientenwunsch mit den Vorgaben der Kostenträger in Einklang bringt. Im Vortrag wird dieses komplexe Beziehungsgeflecht beleuchtet und versucht, Ansätze zur Auflösung der Widersprüche aufzuzeigen.
17:10-18:00
Prof. Dr. Reiner Biffar
Moderierte Diskussion
Zahnmedizin und Nationalsozialismus (Conclusio 1+2) , Dr. Giesbert Schulz-Freywald
Arbeitskreis Ethik in der DGZMK (AK Ethik), Arbeitskreis Geschichte der Zahnheilkunde (AKGZ)
09:00-09:17
Bis heute existiert weder eine zusammenhängende Überblicksdarstellung über die Geschichte der Zahnmedizin im Nationalsozialismus noch eine biographische oder lexikale Erfassung der zahnmedizinischen Funktionseliten dieser Zeit. Auch die Opfer von Ausgrenzung und Vertreibung sind nur stichprobenartig erfasst. Ziel dieses Beitrags ist es, ein Bild der bisherigen Arbeiten zu diesen Themen zu zeichnen und diese kritisch in den Forschungsstand zur Medizin im Nationalsozialismus einzuordnen. Abschließend werden die Potentiale des gemeinsam von der Bundeszahnärztekammer, der Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und der Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung ausgeschriebenen Forschungsprojekts zur Zahnheilkunde im Nationalsozialismus ausgelotet.
09:17-09:34
Der Vortrag befasst sich mit dem Leben und Werk des langjährigen DGZMK-Präsidenten Hermann Euler (1878-1961).
Im Mittelpunkt der Analyse steht dessen Wirken im "Dritten Reich" und hier insbesondere die Frage, wie die Rolle Eulers im Nachkriegsdeutschland und in der jüngeren Vergangenheit rezipiert worden ist und wodurch diese Wahrnehmung beeinflusst wurde. Es wird zu zeigen sein, dass sich die Rezeptiongeschichte Eulers in drei Zeitabschnitte einteilen lässt, namentlich (1) in die Phase der "Legendenbildung" und persönlichen "Aufwertung" Eulers (1949-1995), (2) in die Phase der "Dekonstruktion" des tradiierten Euler-Bildes (1996-2005) und (3) in die Phase der (berufs)politischen Reaktion (2007ff.).
09:34-09:53
Walter Artelt und die Rolle von Geschichte und Ethik in der NS-Medizin - Vortrag und anschl. Diskussion
Der Zahnarzt und Medizinhistoriker Walter Artelt (1906-1976) zählte in der Mitte des 20. Jahrhunderts zu den wichtigsten Vertretern der Medizingeschichtsschreibung in Deutschland. Nach kurzer zahnärztlicher Assistenzzeit an der Universität Freiburg wurde Artelt von dem 1929 nach Berlin berufenen Medizinhistoriker Paul Diepgen (1878-1966) für die medizinhistorische Arbeit gewonnen, ausgebildet und gefördert. Artelt übernahm 1938 die Leitung des Senckenbergischen Institut für Geschichte der Medizin in Frankfurt am Main. Nach Kriegseinsatz und "Entnazifizierung" kehrte er 1948 in diese Position zurück und bestimmte die Entwicklung und Ausrichtung des Faches im Nachkriegsdeutschland entscheidend mit. Einer seiner Forschungsschwerpunkte war die Geschichte der Zahnheilkunde. In den 1960er Jahren auftretende Konflikte um die nationalsozialistische Vergangenheit einzelner Medizinhistoriker warfen erstmals auch ein Licht auf die Rolle der Medizingeschichte zwischen 1933 und 1945. Nicht wenige Fachvertreter hatten in dieser Zeit versucht, Ideologie und Moral der nationalsozialistischen Medizin historisch zu begründen und zu rechtfertigen. Artelt hatte hierbei nur partiell mitgewirkt, blockierte aber nach dem Krieg wie viele seiner Fachkollegen eine kritische Aufarbeitung der eigenen Fachgeschichte. Stattdessen bemühte er sich, alte Verbindungen und Traditionen möglichst bruchlos fortzuführen. Doch diese Strategie der Verdrängung scheiterte. Die vergangenheitspolitischen Konflikte führten 1964 zur Spaltung der Fachgesellschaft und Artelts Lebenswerk stand zur Disposition. Im Vortrag wird auf Basis unveröffentlichter Dokumente aus dem Nachlass Walter Artelts und anderen Archiven nicht nur dessen Biographie nachgezeichnet, sondern auch die Legitimationsfunktion der Medizingeschichtsschreibung während der NS-Zeit und die spät einsetzende Aufarbeitung der Fachgeschichte nach 1945 thematisiert.
09:53-10:10
Die Gründung des Saarländischen Zahnärztesyndikats am 08.05.1948 als freie und unabhängige Berufsvertretung ist sehr eng mit der Gründung des Saarländischen Ärztesyndikats am 09.05.1948 verknüpft und kann nur im Zusammenhang mit der Entwicklung des Gesundheitswesens vor, während und nach der NS-Diktatur gesehen werden. Die Analyse dieser Entwicklungen zeigt nicht nur die nach 1933 beginnende nationalsozialistische Ausrichtung der ärztlichen und zahnärztlichen Berufsausübung, sondern auch das nach 1933 durch "Gleichschaltung" und Zentralisation neu entstandene Machtgefüge und die darin eingebundenen neuen Machtstrukturen innerhalb des Gesundheits- und Sozialwesens und innerhalb der ärztlichen und zahnärztlichen Standesorganisationen.
Der Fokus liegt dabei auch auf den machtpolitischen und verwaltungstechnischen Voraussetzungen für staatliche Eingriffe in das Arzt- Patientenverhältnis und auf die ärztliche und zahnärztlichen Berufsausübung im Spannungsfeld zwischen sozialstaatlichen, gesundheitspolitischen und standespolitischen Interessen, wobei die Stellung der Ärzte und Zahnärzte zu den gesetzlichen Krankenkassen innerhalb des jeweiligen Sozialstaates eine wichtige Rolle spielt. So stehen die leistungsinhaltlichen Kontinuitäten des Sozialstaates nach 1945 in einer engen Verbindung zu den strukturellen, personellen und ideologischen Kontinuitäten innerhalb der ärztlichen- und zahnärztlichen Standesorganisationen.
Die Notwendigkeit zur Gründung dieser freien Verbände ergab sich daraus, dass nach 1945 vor allem aus sozialpolitischen und machtpolitischen Erwägungen des Staates heraus ehemalige Strukturen innerhalb der ärztlichen und zahnärztlichen Standesorganisationen teilweise erhalten wurden und Funktions- und Funktionärseliten des NS-Staates auch nach 1945 nach einer kurzen Entnazifizierungsphase wieder wichtige Funktionen in diesen Strukturen erhielten - vor allem um die ärztlichen und zahnärztlichen Körperschaften des öffentlichen Rechts wegen ihres Machtpotentials als Machtinstrument des Staates zu erhalten um somit die ärztliche Berufsausübung zu beeinflussen.
10:10-10:30
Dr. Giesbert Schulz-Freywald
Moderierte Diskussion
Unklare Beschwerden bei Senioren (Conclusio 1+2) , Dr. Elmar Ludwig
Arbeitskreis Psychologie und Psychosomatik in der DGZMK (AK PP), Deutsche Gesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ)
13:30-13:53
In der Zahnmedizin ist die somatoforme Prothesenunverträglichkeit ein bekanntes Phänomen. Dabei handelt es sich um Beschwerden, die in Form von schmerzhaftem Mundschleimhautbrennen auftreten können. Aus Untersuchungen weiß man, dass die Mehrzahl der Betroffenen älter als 55 Jahre ist. Solche Beschwerden treten vielfach plötzlich und ohne Vorankündigung auf. In der Folge fühlen Betroffene wie Behandler sich missverstanden. Gegenseitige Kränkungen und Abwertungen können die Folge sein und sind Ausdruck einer oft herrschenden Hilflosigkeit auf allen Seiten. Die Ursachensuche wird belastet durch die Frage, ob Einflüsse des höheren Lebensalters und eine damit einhergehende Multimorbidität eine Rolle spielen. Die Fähigkeit, psychosomatische Erkrankungen zu identifizieren, sind ebenso gefordert wie das Wissen um Ursachen des Mundschleimhautbrennens.
13:53-14:16
Die heterogene Patientengruppe der Senioren rückt - nicht zuletzt aufgrund des demographischen Wandels - in den Fokus der Zahnmedizin. In Anbetracht von Multimorbidität, Polypharmazie und damit einhergehender notwendiger interdisziplinärer Zusammenarbeit erscheint eine fachliche Differenzierung und Spezifizierung des Zahnarztes für diese besondere Klientel wichtig. Kommen neben körperlichen Einschränkungen kognitive Defizite ins Spiel - z. B. in Form einer Demenz - intensiviert sich die zahnmedizinische Betreuung und Behandlung dieser Patienten. Die unterschiedlichen Ausprägungsgrade einer Demenz erschweren dem Zahnarzt die Auswahl des geeigneten Therapiemittels, ja oft sogar das sichere Erkennen von Beschwerden, Schmerzen und Bedürfnissen der Patienten. Weniger ist hier häufig mehr. Dennoch ist auch dies eine Gratwanderung. Zwischen notwendigen und möglichen Therapieoptionen kann ohne Kenntnisse zum Krankheitsbild, dessen Entwicklungstendenzen und Wissen zu Behandlungsmethoden bei an Demenz Erkrankten nur schwer abgewogen werden. Sicher gibt es da ein "Bauchgefühl", dem der Zahnarzt in solchen Situationen geneigt ist zu folgen. Die Seniorenzahnmedizin bietet gerade hierfür Hilfsmittel an, um auch Patienten mit starken kognitiven Defiziten begegnen zu können und auch mit unklaren Beschwerden umgehen zu können. Zum einen kann primär mit Hilfe der Zahnmedizinischen funktionellen Kapazität die Belastbarkeit des jeweiligen Patienten eingeschätzt und kritische Faktoren, welche aktuell und zukünftig die zahnärztliche Therapie beeinflussen werden, herausgestellt werden. Des Weiteren kann durch verschiedene Konzepte - angefangen bei speziellen Kommunikationstechniken bis hin zu Versorgungskonzepten für Menschen mit Demenz - auf die speziellen Bedürfnisse dieser Patientenklientel eingegangen werden. Ziel ist die Mundhöhle so lange wie möglich gesund zu erhalten - nicht zuletzt durch eine Absicherung der Nachsorgekompetenz. Zudem sollte die Lebensqualität durch suffizienten, kaustabilen Zahnersatz, eine gute Mund- und Prothesenpflege und die Abwesenheit von Schmerzen primäres Ziel zahnärztlichen Handelns sein. Einschneidende Narkosesanierungen sollten möglichst verhindert werden.
14:16-14:39
Mundtrockenheit ist eine Erscheinung, die gerade bei Senioren eine enorme Prävalenz besitzt und erhebliche klinische Probleme verursacht; dazu zählen unter anderem Karies, Geschmacksveränderungen und Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme. Darüber hinaus leidet die Lebensqualität der betroffenen Senioren in vielen Fällen ganz erheblich. Ziel des Vortrages ist es, einen Überblick über verschiedene ätiologische Faktoren der Mundtrockenheit bei älteren Patienten zu geben und deren klinische und soziale Auswirkungen darzustellen. Ferner werden therapeutische Strategien zur Behandlung von Mundtrockenheit bei Senioren vorgestellt und kritisch diskutiert.
14:40-15:00
Dr. Elmar Ludwig
Moderierte Diskussion

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