Kurz- und Postervorträge

Freitag, 06.11.2015
Kurzvorträge Parodontologie (Analog 1+2) , Prof. Dr. Peter Eickholz
11:00-11:30
Bei der Behandlung von Parodontalerkrankungen gilt die Mitarbeit des Patienten als wesentliche Grundlage für den Erfolg, entspringen doch auch wesentliche Risikofaktoren parodontaler Erkrankungen dem Patientenverhalten, allen voran mangelhafte Mundhygiene und das Rauchen. Entsprechend fordern die Behandlungsrichtlinien, diese Mitarbeit zu stärken resp. die Behandlung dann zu beenden, wenn keine entsprechende Mitarbeit vorliegt. In welchem Zusammenhang stehen aber Patientenmitarbeit und Behandlungserfolg aus wissenschaftlicher Perspektive und welcher Forschungsbedarf besteht hier noch? Dieser Frage hat sich eine systematische Übersichtarbeit gewidmet, in deren Zuge insgesamt über 2283 Publikationen gesichtet wurden. Der Vortrag fasst die Ergebnisse dieser Literaturanalyse zusammen und fokussiert dabei die folgenden Themenbereiche: Bedeutung des Mundhygieneverhaltens, Bedeutung der Termintreue während der aktiven Therapie und während der Erhaltungstherapie, Bedeutung des Rauchens für den parodontalen Behandlungserfolg, psychologische, klinische und demographische Prädiktoren der Patientenmitarbeit. Die Ergebnisse sind zum Teil überraschend. So liegen wenige Studien auf hohem Evidenzniveau vor, die die Bedeutung der Mundhygiene langfristig analysieren. Selbiges gilt für das Rauchen. Hier bildet sich zwar ab, dass auch Raucher signifikant von einer Parodontalbehandlung profitieren, inwieweit aber das Aufgeben des Rauchens den Behandlungserfolg noch steigern kann, bleibt unklar. Auch hinsichtlich der Termintreue sind die Ergebnisse wenig aussagekräftig, was größenteils der methodischen Qualität der Studien geschuldet ist. Dabei zeichnet sich ab, dass bereits einfache Maßnahmen die Termincompliance verbessern können und dass der Übergang in die Erhaltungstherapie und die ersten Jahre der Erhaltungstherapie kritische Zeitfenster zu sein scheinen, in denen es am ehesten besonderer Interventionen bedarf. Erste Studien weisen darauf hin, dass Selbstwirksamkeitserwartungen auch für die Patientenmitarbeit in der Parodontaltherapie bedeutsam sind, während die Analyse keine eindeutigen klinischen und demographischen Prädiktoren identifizieren konnte.
11:30-11:45
Patienten mit parodontalen Erkrankungen leiden häufig unter schlechtem Atem (Halitosis). Verantwortlich für Mundgeruch sind anaerobe Bakterien in der Mundhöhle, die bei der Zersetzung von Aminosäuren flüchtige Schwefelverbindungen (VSC= volatile sulfur compounds) freisetzen. Auch parodontal-pathogene Bakterien wie Prevotella intermedia und Porphymonas gingivalis sind in der Lage, VSCs zu produzieren. Bei Patienten mit Sondierungstiefen größer als 4mm wurden vermehrt VSCs, vor allem Methylmercaptan nachgewiesen.
Die Effektivität der Zungenreinigung und von antiseptischen Mundspülungen wurde bereits in Reviews nachgewiesen. Das Ziel dieses Reviews war, die Wirksamkeit der antiinfektiösen Therapie (AT) auf flüchtige Schwefelverbindungen zu evaluieren. Als AT wurden die mechanische Taschenreinigung bei nicht-chirurgischer Parodontaltherapie (SRP) und die professionelle Zahnreinigung (PZR) definiert. Weiter wurde untersucht, ob es post-therapeutisch wieder zu einem Anstieg der VSC-Werte kommt.
Nach systematischer Literatursuche (Pubmed, Google Scholar und Cochrane) konnten insgesamt sieben Studien eingeschlossen werden, die folgende Einschlusskriterien erfüllten:
- Probanden über 18 Jahre ohne systemisch Erkrankungen
- Intervention: SRP oder PZR (ggf. mit Mundhygieneinstruktionen)
- VSC-Messung mittels Halimeter® oder OralChroma®.
Um eine möglichst vergleichbare homogene Struktur zwischen den einzelnen Studien zu erhalten, wurden zum Teil auch nur einzelne Studienarme in den Review eingeschlossen.
In allen Studien zeigten die angewendeten Interventionen eine Reduktion der gemessenen Schwefelverbindungen. Bei Patienten mit Parodontitis oder Gingivitis, die meist einen höheren Ausgangswert zu Beginn der jeweiligen Studie hatten, zeigte sich ein größerer Effekt als bei parodontal gesunden Patienten.
Zudem konnte gezeigt werden, dass die Reduktion der VSC-Konzentrationen einer zeitlichen Limitation unterliegt. Der erneute Anstieg erreichte in keiner Untersuchung den Ursprungswert vor Therapie.
Auch wenn kein placebo-kontrollierter RCT gefunden werden konnten, zeigt die hier dargestellte "best available evidence", dass PZR und SRP wirksam gegen Mundgeruch sind.
11:45-12:00
Einleitung und Ziele:
Der Begriff "Parodontitis" (PAR) bezeichnet inflammatorische Prozesse des Zahnhalteapparates mit einer multifaktoriellen Ätiologie und einer komplexen Pathogenese. Untersuchungen an Zwillingen lassen vermuten, dass 50% der Varianz des klinischen Phänotyps einen genetischen Ursprung haben. Bei der Immunantwort auf den parodontopathogenen Biofilm spielen Schlüsselproteine wie Interleukine (IL) und Cyclooxygenasen (COX) eine wichtige Rolle. 1997 wurden von Kornman et al. erste Assoziationen zwischen der chronischen Parodontitis und Einzelnukleotidpolymorphismen (SNP) auf dem IL-1-Gen festgestellt. Anschließend folgten viele Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen.
Ziel der vorliegenden Studie war es, SNPs auf dem IL-1-, IL-4- und COX-2-Gen zu analysieren und die Aussagekraft dieser Marker für die PAR-Progression nach einer nicht-chirurgischen PAR-Therapie zu evaluieren.
Material und Methoden:
209 PAR-Patienten, die Teil der prospektiven longitudinalen ABPARO Studie waren, wurden nach einer nicht-chirurgischen PAR-Therapie, mit und ohne adjuvanter Antibiotikagabe (Amoxicillin und Metronidazol), 24 Monate nachuntersucht. Die DNA wurde mittels quantitativer Real-time PCR an folgenden Positionen genetisch analysiert: IL-1A -889C>T, IL-1B +3954C>T, IL-4 -34C>T, IL-4 -590C>T und COX-2 -1195A>G. Der Hauptzielparameter war der prozentuale Anteil an Stellen pro Patient mit neuem klinischem Attachmentverlust ≥1.3mm (CALV) zur Reevaluation (=Baseline) und nach 24 Monaten.
Ergebnisse:
Im Gesamtkollektiv zeigte der Vergleich zwischen den Patienten mit homozygotem Wildtyp und homozygotem SNP beim CALV nach 24 Monaten keine Unterschiede: IL-1A (p=0,92851), IL-1B (p=0,42206), Il-4 -34 (p=0,98578), IL-4 -590 (p=0,83932) und COX-2 (p=0,57765). In der Subgruppenanalyse (mit und ohne Antibiotikatherapie) wurden ebenfalls keine Unterschiede festgestellt.
Schlussfolgerungen:
Die untersuchten genetischen Marker auf dem IL-1-, IL-4- und COX-2-Gen haben keinen klinischen Einfluss auf die PAR-Progression nach einer Lokaltherapie. Genetische Varianten sind nur ein Faktor in der komplexen multifaktoriellen PAR-Pathogenese.
12:00-12:15
Prävalenzen des Diabetes mellitus Typ 2 (DM2) sowie der chronischen Parodontitis (CP) nahmen in den letzten Jahren zu. Stoffwechsellage, Interaktion von Immunzellen mit dem Fettgewebe u.a. haben bei DM2 unmittelbaren Einfluss auf die Entzündungsreaktion was wiederum die CP pathologisch beeinflusst. Ziele dieser verblindeten prospektiven longitudinalen Studie: hämatologische, systemische & parodontologische Parameter bei DM2, CP sowie Gesunden (C) vor/nach full-mouth Dekontaminierung (FMDC) zu vergleichen. Nach Zustimmung der Ethikkommission, erfolgte die Registrierung via clinicaltrials.gov (NCT01848379). Die Teilnehmer wurden nach Aufklärung & schriftl. Einverständnis an Tag 0 (BL), 2 Wochen nach FMDC (+2W; Ausnahme: +2W ohne PAR-Befund), nach 24 Wochen sowie nach 1 Jahr (Studienende, SE) untersucht (6x/Zahn; Florida-Sonde®). FMDC: Mund-, Zahn- & Wurzeloberflächenreinigung/-glättung mit Antibiose gefolgt von 14 Sitzungen Reinfektionsprävention. Diabetologische sowie hämatologische Parameter wurden konsekutiv gemessen. Bei 15 Patienten/Gruppe mit DM2 sowie CP wurde das mediane (m) Attachmentniveau (AL) verbessert, die m Sondierungstiefen (ST) zwischen BL & +24W (je p<0,01;ANOVA) reduziert. Zwischen +24W & SE bestanden für beide Parameter AL / ST Trends weiterer Verbesserung (p<0,06 bzw. p=0,05). Die Sondierungsblutung zur BL in beiden Gruppen >90%, wurde durch FMDC & Reinfektionsprävention <5% reduziert (p<0,001). Das hochsensitive C-reaktive Protein (CRP) wurde in den Gruppen um Faktor 2,8 auf 2,5 (DM2) bzw. auf 0,7 (CP) reduziert. Das glykierte Hämoglobin lag bei allen Sitzungen der Kohorten CP & C <5,8%; in der DM2-Gruppe wurde der BL-Wert von 11,2% auf 7,5% (SE) gesenkt (p<0,01). Der Body-Mass-Index (BMI), 25,5kg/m2 bei C, zwischen 24,5 & 24,1 bei CP; wurde zwischen BL & SE bei DM2 um 2 Einheiten auf 30kg/m2 gesenkt (p<0,01). Die vorliegenden Daten lassen schließen, dass synergistische internistische & parodontologische Therapien die metabolische Einstellung bei Diabetikern verbessern. Systemische Entzündungswerte aller Patienten werden durch FMDC & Reinfektionsprävention unabhängig vom Vorhandensein eines Diabetes mellitus positiv beeinflusst.
12:15-12:30
Einleitung:
Ziel der Untersuchung war die Kontrolle der adjuvanten antimikrobiellen photodynamischen Therapie (aPDT) im Rahmen der Unterstützenden Parodontitistherapie (UPT) in Bezug auf die Reduzierung der Sondierungstiefe und des Attachmentgewinns.
Material und Methode:
Die Meta-Analyse wurde entsprechend der Empfehlungen der Cochrane Collaboration und des PRISMA-Statements durchgeführt.
Literaturecherche und Handsuche wurden in insgesamt acht Datenbanken durchgeführt. Durchschnittswerte (MD) und 95%ige Konfidenzintervalle (CI) wurden berechnet.
Ergebnisse:
Für das Outcome der Reduzierung der Sondierungstiefe konnten drei RCT's mit unterschiedlichem Follow-Up, für das Outcome des Attachmentgewinns zwei RCT's mit einem Follow-Up von drei Monaten kontrolliert werden.
Für beide Outcomes zeigt sich eine statistisch signifikante Überlegenheit der Testgruppe (aPDT + SRP) gegenüber der Kontrollgruppe (SRP):
Reduzierung der Sondierungstiefe (mm) MD 0.65, CI 0.18, 1.12, p=0,007
Attachmentgewinn (mm) MD 0.94, CI 0.12, 1.76, p=0,02
Schlussfolgerung:
Die adjuvante aPDT zeigt gegenüber alleinigem Scaling/ Root Planning nach bis zu drei Monaten eine statistisch signifikante Überlegenheit bei den betrachteten klinischen Parametern. Allerdings konnten nur wenige RCT's berücksichtigt werden. Weitere Untersuchungen bezüglich der Langzeitstabilität sind notwendig.
Kurzvorträge Implantologie (Analog 1+2) , Prof. Dr. German Gomez-Roman
13:30-13:45
Die dentale Implantologie ist heute ein voraussagbares Therapieverfahren in der oralen Rehabilitation von teilbezahnten und zahnlosen Patienten. In der wissenschaftlichen Literatur werden verschiedene Patientengruppen aufgrund lokaler oder systemischer Risikofaktoren als mögliche Risikopatienten in der implantologisch-chirurgischen Therapie diskutiert. Anhand einer aktuellen Literaturanalyse in Pubmed für den Zeitraum von 01.01.2000 bis 01.04.2015 wurden 140 Publikationen über Risikopatienten gefunden.
Früher wurden zum Einen Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Osteoporose, AIDS/HIV, Bruxismus und Parodontitis als mögliches Risiko angesehen. Zum Anderen wurden Patienten aufgrund der aktuellen und/oder vorangegangenen Medikation wie Immunsuppressiva und Bisphosphonate oder Raucher als Risikopatienten eingestuft.
Das Ziel dieses Vortrages ist einen aktuellen und praxisrelevanten Literaturüberblick bezüglich Risikopatienten in der Implantologie zu geben. Im Folgenden werden verschiedene mögliche Risikofaktoren diskutiert. Des Weiteren werden die klinischen Konsequenzen für die Implantattherapie dieser Patienten gezeigt. Infolge der demographischen Bevölkerungsentwicklung ist in der Zukunft mit einem erhöhten Anteil multimorbider Patienten mit Risikofaktoren zu rechnen. Daher ist die Kenntnis möglicher Risikopatienten eine wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Implantatbehandlung und Komplikationsvermeidung in der Implantologie.
13:45-14:00
Eine retrospekive Studie untersucht an über 10000 Implantaten die erfolgbeeinflussenden Faktoren. Es wurden personengebundene, operative und implantatbestimmte Daten erhoben und statistisch ausgewertet. An 3500 Implantaten wurden Röntgenbildern über die Zeit vermessen und festgestellt, dass die Schnittstellengeometrie einen entscheidenen Einfluß auf die Knochenabbaurate hat.Die wenigsten Abbauerscheinungen zeigte Astra- und Conelog-Implantate, gefolgt von Frialit/Xive-Implantaten und Camlog-Varianten. Der Einfluß von operativer Ausgangslage, Belastungsstärke und Implantatmaßen wurde detailliert untersucht.
Nach 20 Jahren war eine Überlebensrate von 95 % für Astra-, Camlog- und Frialit/Xive -Implantate zu beobachten. Statistisch signifikant bevorteilt waren Frauen, der Oberkiefer,augmentierte Implantate, Einzelzahnversorgungen und Implantate mittlerer Größe ( D um 4mm, L um 11 mm).
Einen bemerkenswerten Einfluß auf die Überlebensrate hatte die persönliche Erfahrung der Operateure/Prothetiker. Nach jeweils 500 gesetzten Implantaten halbierte sich die Verlustquote um sich nach etwa 1500 Implantaten auf 2,5 % einzupegeln. Alle danach verwendeten Implantattypen erreichten das Niveau über 95% Überlebensrate, die bei der Kaplan-Meier-Kurve immer etwas niedriger ausfällt, als bei der Input-Output Aussage.
In Summation der positiven Einflüsse ist der Patient mit der besten Prognose eine Frau mit Einzelzahnlücke in der oberen Front bei üppigem Knochenangebot oder nach Augmentation, versorgt mit einem modernen Implantat durch einen Operateur, der schon 1000 Implantate gesetzt hat.
14:00-14:15
Mit der CAD/CAM-Technologie haben sich die verfügbaren Möglichkeiten in der Implantologie enorm erweitert. Durch den Einsatz computergestützter Planung und Präzisionsschablonen werden individuelle manuell geführte Arbeitsabschnitte bei der Implantatbettpräparation auf ein Minimum reduziert. Dennoch liegen hier noch immer die größten Einschränkungen in der Präzision
Die vorliegende Studie zeigt vergleichende Bohrexperimente, die den generellen Einsatz hülsengeführter Präparationstechniken mit rein manueller Führung vergleicht. Insbesondere wurde eine Aufbereitung der Implantatkavität unter Einhaltung des Bohrprotokolls mit einer Finalpräparation verglichen. Sämtliche Techniken wurden sowohl von erfahrenen Implantologen als auch von fachfremden Personen durchgeführt. Als Probenmaterial kamen Schweinekiefer von adulten Zuchtsauen zum Einsatz. Die Analyse der Bohrlochkavitäten erfolgte mit einem Präzisionsmessgerät für Innendurchmesser. Eine zusätzliche Bewertung der Präparation fand anhand einer Drehmomentaufzeichnung während der Implantationen und einer Resonanzfrequenzanalyse statt.
Es konnte gezeigt werden, dass erfahrene Behandler Bohrkavitäten von höherer Genauigkeit erzeugten. Unerfahrene zeigten eine generelle Tendenz zur Überpräparation. In Gegenüberstellung verschiedener Präparationstechniken, konnte der unterstützende Einfluss von Bohrschablonen auf die Genauigkeit gezeigt werden. Der Benefit der Schablone als präzisionssteigerndes Hilfsmittel wurde besonders bei Operateuren mit weniger praktischer Erfahrung deutlich. Eine weitere Steigerung der Genauigkeit konnte unter bestimmten Bedingungen durch die Technik der alleinigen finalen Bohrung erreicht werden. Diese Beobachtung konnte sowohl für die manuelle, als auch bei schablonengeführten Technik bestätigt werden.
Die Ergebnisse belegen, dass die manuelle Routine des Implantologen durch den Einsatz von Bohrschablonen gesteigert werden kann. Eine Anpassung/Optimierung des Bohrprotokolls birgt das Potential zur Präzisionssteigerung und Erhöhung der zeitlichen Effizienz. In der klinischen Praxis wäre zu evaluieren, ob die erwähnten alternativen Techniken unter zahnmedizinischen Aspekten umzusetzen ist.
14:15-14:30
ZIEL: Bewertung einer minimal traumatischen Verfahrensweise zur Implantatfreilegung für später durch Klebung befestigte Suprakonstruktionen (Einzelzahnversorgungen)
MATERIAL UND METHODE: 57 schraubenförmige, osseointegrierte enossale Zahnimplantate (32 Pat.) wurden im Verlauf des Jahres 2013 nach der beschriebenen Methode freigelegt. Die subgingivale Einheilzeit betrug zuvor mindestens 10 Wochen. Die Freilegung wurde mit einem dafür zusammengestellten Instrumentensatz (6 chirurgische Handinstrumente, Fa STOMA, DE) vorgenommen. Wesentlich an der Methode ist, dass keine Lappenbildung um das osseointegrierte Implantat erfolgt und aufgrund des minimalinvasiven Vorgehens kein Wundverschluss durch Naht erforderlich ist. Zu Ende der chir. Intervention wurden die Implantate mit Healing-Abutments aus dem Sortiment des Implantat-Herstellers temporär versorgt.
Nach mindestens 20-tägiger Wundheilungszeit wurde eine Open-Tray-Abformung über die Implantate genommen und die prothetische Versorgung geschah mittels individuell gestaltetem Abutment und individueller Vollkeramik- oder Metallkeramikkrone, welche mittels Klebung auf der Primärkonstruktion befestigt wurde.
Im Rahmen der UPT wurden die in Funktion befindlichen Implantate in 3-monatigem Recall-Intervall beobachtet und prophylaktisch nachversorgt. Je nach individuellem Bedarf wurde bei den UPT-Sitzungen eine professionelle Reinigung durchgeführt. Zum Zeitpunkt 1 Jahr nach prothetischer Versorgung wurden die parodontalen Parameter registriert, um den Erfolg der implantatprothetischen Versorgung zu bewerten.
RESULTAT: 1 Jahr nach Versorgung mit Suprakonstruktion waren alle Implantate in Funktion; die signifikante Mehrzahl der implantatprothetischen Konstruktionen konnte der Kategorie "optimaler Zustand" zugeordnet werden. Die Menge der implantatumgebenden keratinisierten Gingiva war in der Folge der angewendeten Freilegungsmethode nach 1 Jahr statistisch unverändert zum Baseline-Befund.
SCHLUSSFOLGERUNG: Die angewendete minimal traumatische Freilegungsmethode vereinfacht das chirurgische Procedere, ohne dass in der Folge Nachteile für Ästhetik und Funktion der jeweiligen Implantatversorgung zu erwarten sind.
14:30-14:45
Zahnarztpraxis, Deutschland; g.drueke@t-online.de
Es wurden im Zeitraum von 5 Jahren 70 Sofortimplantationen mit "immediate loading" durchgeführt. Hierbei wurden keine Knochenersatzmaterialien benutzt.
Die Heilung der knöchernen Defekte=jumping distance erfolgte ausschließlich durch körpereige Wundheilung ohne Additive.
Evaluiert wurde: 1. die Überlebensrate der Implantate
2. die Größe der "jumping distance" horizontal
3. die Größe der "jumping distance" vertikal
4. die knöcherne Veränderung der ehemaligen Extraktionsalveole durch röntgenologische Maßnahmen
5. die Veränderungen des periimplantären Weichgewebes
6. der Einfluß von festsitzender versus herausnehmbarer protetischer Rekonstruktion
14:45-15:00
Ziel: Das Ziel dieser Studie war es, ein einfaches, sicheres und wirksames chirurgisches und prothetisches Protokoll für die Sofortbelastung mit "All-on-Four TM" Konzept in die Praxis zu integrieren. Zielsetzung dieser Studie war es, durch Evaluation klinischer Parameter die Hart- und Weichgewebssituation, die Rehabilitation mittels Beißkraftmessung, Patientenzufriedenheit mittels OHIP und die Prothetikkomplikationsrate bei zahnlosen Patienten nach achtjähriger funktioneller Belastung zu beurteilen.

Materialien und Methoden: In dieser Untersuchung wurden 31 Patienten, mit 124 Implantaten zwischen Januar und April 2008 behandelt. Die Implantatzahl wurde auf vier Implantate reduziert, von denen die zwei hinteren Implantate angewinkelt eingebracht wurden. Die Patienten wurden mit einer okklusal verschraubten provisorischen Kunstoffbrücke innerhalb von 24 Stunden nach der Chirurgie versorgt. Die endgültige festsitzende Versorgung, die durch eine Metallkonstruktion unterstützt wurde, wurden nach einer Wartezeit von 12 Wochen ausgeführt. Neben den mesialen und distalen Taschentiefen der Implantate, wurde die modifizierte Sulkus-Blutungs-Index sowie die Sulkusfliesrate jährlich erfasst. Eine Beißkraftmessung wurde vor Behandlung, nach der Sofortbelastung und in jährlichen Abständen durchgeführt.
Mit jährlichen intraoralen Röntgenaufnahmen wurde der periimplantärer Knochenaufbau erfasst.

ERGEBNISSE: Zwei Implantate wurde bei einem Raucher verloren, die acht-jährige klinische Überlebensrate betrug 96 %. Das Randknochen-Niveau war nach acht Jahren unter der Implantat-Knochen-Schnittstelle von < 3mm. Ein höherer Knochenabbau war an den geneigten distalen Implantaten auszumachen, was aber statistisch nicht signifikant war.
Die Taschentiefen zeigten im Beobachtungszeitraum einen Anstieg von durchschnittlich 2mm.
Der Blutungsindex und die Sulkusfliesrate verzeichneten einen ungleichmässigen Verlauf und zeigten keine statistische Korrelation.Die Beißkraftmessungen zeigten einen stat. signifikanten Anstieg und eine Verbesserung der Beißkraft.
Die prothetische Komplikationsrate betrug bei den Acrylversorgungen 20% und bei den Keramikversorgungen 4%.
Kurzvorträge Pharmaka & Versorgung (Substanz 1+2) , Prof. Dr. Werner Geurtsen
11:00-11:15
In der zahnärztlichen Praxis ist die Verschreibung von Antibiotika und Analgetika als die beiden häufigsten Medikamentengruppen gegeben. Dabei haben Analgetika als vorrangige Aufgabe die Behandlung von Schmerzen. Daneben haben Analgetika je nach Wirkstoffgruppe in unterschiedlicher Ausprägung weitere Eigenschaften wie antipyretische und antiphlogistische Wirkungen. Antibiotika werden zum Einen prophylaktisch wie bei der Endokarditis-Prophylaxe, augmentativen Eingriffen oder Prophylaxe von bisphosphonat-assoziierten Kiefernekrosen verschrieben. Zum Anderen werden Antibiotika therapeutisch wie bei odontogenen Infektionen rezeptiert. Aufgrund der demographischen Verschiebung in der Bevölkerung mit einem größeren Anteil von älteren Patienten, ist in der Zukunft mit einem erhöhten Anteil multimorbider Patienten mit einer Multimedikation zu rechnen. Antibiotika und Analgetika haben wie viele Medikamente auch ein Nebenwirkungs- und Wechselwirkungsprofil. Dieses muss bei der Verordnung beachtet werden.
Ziel des Vortrages ist einen Überblick über die verschiedenen Analgetika und Antibiotika mit einer Relevanz für die zahnärztliche Praxis zu geben, um mögliche Risiken und Komplikationen aufgrund einer Grunderkrankung oder bestehenden Medikation zu vermeiden. Dabei sollen Indikationen und Kontraindikationen diskutiert werden.
11:15-11:30
für Medizinische Diagnostik, Greifswald; sanzt@uni-greifswald.de
Hintergrund
Antibiotika stellen einen unverzichtbaren Teil bei der Therapie von Infektionskrankheiten in der Zahnmedizin dar. Um einen Therapieverzug zu vermeiden, erfolgt die Verschreibung zumeist in Form einer kalkulierten Antibiotikatherapie [1]. Laut GERMAP (2008) nehmen Zahnärzte die vierte Stelle aller medizinischen Fachgruppen in der Antibiotikaverschreibung ein. Der Anteil aller zahnärztlichen Verordnungen am Gesamtvolumen der Antibiotikatherapie beträgt in Deutschland 7,8% [2], wobei vor allem Clindamycin (57%), Amoxicillin (23,5%) und Penicillin V (12,2%) als Antibiotika erster Wahl verschrieben werden [3]. Detaillierte Daten zum Verschreibungsverhalten, Kenntnissen und Motivationen existieren bisher nicht. Das HICARE-Projekt (Gesundheitsregion Ostseeküste) hat sich zur Aufgabe gemacht, Lücken in der Evidenzgrundlage zum Umgang mit MRE zu schließen.
Studienziel
Evaluierung der aktuellen Verordnungsdichte von Antibiotika, Wissen und Motivationen bei Zahnärzten in Mecklenburg-Vorpommern als Pilotstudie für eine deutschlandweite Erhebung.
Methodik
Es handelt sich um eine deskriptive Querschnittsstudie, bei der ca. 1500 Zahnärzte aus Mecklenburg-Vorpommern befragt werden. Mit Hilfe des Fragebogens wird das Verordnungsvolumen nach DDD (Defined Daily Dose) evaluiert, um so regionale und internationale Vergleiche vornehmen zu können.
Ausblick
Die Ergebnisse dieser regionalen Abfrage sollen Muster erkennen lassen, die bei der Entwicklung von Interventionsmaßnahmen zur Reduzierung der Antibiotikaverordnungen sowie für die individuelle Anpassung bei der Indikationsstellung für die jeweilige Substanzklasse, Dosis und Verschreibungsdauer bezugnehmend auf die Diagnose herangezogen werden können.
Literatur
[1] Czarnecki C, Untersuchungen zur Antibiotikaresistenz anaerober Bakterien als Erreger dentogener Infektionen (Dissertation). Friedrich-Schiller-Universität Jena 2013.
[2] Halling F, Zahnärztliche Antibiotikaverordnungen - Zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Zahnärztl Mitt 2010. 100:50-55.
[3] von Lübcke J, Evaluation der Rezeptierung von Antibiotika bei niedergelassenen Zahnärzten in Norddeutschland (Dissertation). University of Hamburg 2009.
11:45-12:00
Ziel der Studie:
Ziel der Studie war es, die Auswirkung einer Information (positiv/neutral) auf den pharmakologischen Effekt von Lidocain bzw. einer Placebolösung auf der Mundschleimhaut im Kontext deroffenen bzw. verdeckten Applikation in der Zahnmedizin unter dem Einfluss der Arzt-Patientenbeziehung darzustellen.
Material und Methoden:
In einem experimentellen, die klassische Konditionierung beinhaltenden, doppelblinden, randomisierten Studiendesign (8 Gruppen) testeten wir 88 gesunde Teilnehmer. Das Angst- und Schmerzverhalten der Probanden wurde mit einem Studienfragebogen erhoben. Dieser beinhaltete neben anamnestischen Fragen standardisierte Fragebögen (MDAS,STAI,VAS). Wir untersuchten die Änderung der durchPinPricks ausgelösten Empfindungsstärke zwischen einer Null- und einer Testreihe hinsichtlich der Parameter: Substanz (Lidocain/ Placebo), verbale Instruktion (positiv/ neutral) und dem Open-Hidden-Paradigma (Augenmaske). Wir nutzten ANCOVA für die statistischen Analysen der Hauptfragestellung ebenso wie für die Analyse der Daten unter dem Focus der "Zahnarzt- Patienten-Beziehung" (ZPB).
Ergebnisse:
Das Angst- und Schmerzverhalten unserer Probanden war mit den Literaturstandards und zwischen den Testgruppen vergleichbar. Die 8 Testgruppen unterschieden sich hinsichtlich der Hauptfragestellung. Der pharmakologische, oberflächenanästhesierende Effekt von Lidocain stellte sich als der stärkste der untersuchten Hauptfaktoren mit einem Regressionskoeffizienten(RK) von 1,59 (p>0,00) heraus. Der Regressionskoeffizient des Faktors "Verbale Instruktion" war 0,56 (p=0,03). Die offene Medikamentenvergabe hatte nur einen sehr geringen Effekt (RK-0,28; p=0,27). Lidocain und eine positive verbale Instruktion kombiniert mit klassischer Konditionierung und offene Medikamentenvergabe erzielten den größten oberflächenanästhesierenden Effekt. Der Informationseffekt konnte mit einer positiven ZPB gesteigert werden
Fazit:
Eine positive verbal kommunizierte Instruktion hat einen additiven Effekt auf die starke pharmakologische, oberflächenanästhesierende Wirkung von Lidocain auf der Mundschleimhaut, die wiederum von einer guten ZBP optimiert werden kann.
12:00-12:15
Ziel: In der BRD sind rund 4 Millionen Menschen von einer seltenen Erkrankung (SE) betroffen. Etwa 15% aller SE können sich im Zahn-, Mund- und Kieferbereich manifestieren. Zahnmedizinische Fragestellungen können dabei meist nur durch interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb der Fachdisziplin gelöst werden. Der Aufbau von Registern als Grundlage zur Vernetzung von relevanten Informationen und Kompetenzzentren wird politisch durch die Verabschiedung eines "Nationalen Aktionsbündnisses für seltene Erkrankungen" gefordert. Ziel dieser Arbeitsgruppe ist der interdisziplinäre Ausbau des "Registers zur Erfassung orofazialer Manifestationen bei Menschen mit seltenen Erkrankungen-ROMSE".
Material und Methode: Seit 2011 werden gezielt Datenbanken, die Medline, medizinische Fachliteratur und "graue Literatur" zu den SE gesichtet und mit Fokus auf deren Manifestationen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich ausgewertet. Die erfassten Erkrankungen sind seither in ein elektronisches, webbasiertes Register eingearbeitet worden. Auf der Grundlage eines Literaturreviews zu jeder einzelnen seltenen Entität wird sukzessive die fachgebietsbezogene Literatur im Register hinterlegt.
Ergebnisse: Bisher wurden 406 SE mit orofazialen Manifestationen erfasst. Jede dieser registrierten Erkrankungen wurde mit einer medizinischen Krankheitsbeschreibung, einer Auflistung der orofazialen Manifestation(en) und dazugehörigen fachgebietsbezogenen Publikationen dargestellt. Eine Zuordnung in Kategorien ermöglicht eine Suche im Register allein anhand der klinischen Symptomatik. Zudem wurde ein "Expertenbereich" angelegt, über welchen Betroffene, Angehörige und Zahnärzte künftig die für das jeweilige Krankheitsbild passenden zahnmedizinischen Kompetenzzentren auffinden könnten.
Schlussfolgerungen: SE sind bisher noch ein wenig beachtetes Thema in der Zahnmedizin. Bei insgesamt 4 Millionen Betroffenen innerhalb der BRD scheint der Behandlungsbedarf jedoch gegeben. Mit dem Aufbau dieses Registers soll eine fachliche Plattform bereitgestellt werden, auf deren Grundlage innerhalb der Zahnmedizin interdisziplinäre Therapiestrategien beraten und weiterentwickelt werden können.
12:15-12:30
Hintergrund: Vor dem Hintergrund evidenzbasierter Belege zum Zusammenhang von Mund- und Allgemeingesundheit stellt sich die Frage der Kooperation von Allgemein- und Zahnmedizinern bei der Versorgung von Patienten. Diese Kooperation kann anlassbezogen zum (zahn-)ärztlichen Tun aber auch präventiv inbesondere bei Patienten mit Diabetes, chronisch degenerativen Erkrankungen oder unter Medikation mit oralen Wechselwirkungen ausgerichtet sein. Eine Überweisung zwischen beiden Arztgruppen ist durch die Trennung beider Versorgungsbereiche nicht möglich. Dies schafft ein Hindernis in der interdisziplinären Versorgung und erlaubt nicht Zuweisungen zentral und quantitativ auszuwerten.
Methode: Es wurden Hausärzte (HÄ) und Zahnärzte (ZÄ) in drei Strukturregionen zufällig ausgewählt und telefonisch für ein ca. 15 minütiges Interview angefragt. 28 von 30 geplanten Leitfadeninterviews wurden mit Haus- und Zahnärzten durchgeführt und inhaltsanalytisch nach Mayring ausgewertet von 2 Zahnärzten und 2 Soziologen.

Ergebnisse: Zusammenhänge zwischen Mund- und Allgemeingesundheit sind teilweise bekannt führen aber nicht zu vielfältigen Kontakten. Ein Kontakt beider Arztgruppen beruht auf Zuweisung: HÄ schicken Patienten ohne direkten Kontakt zu ZÄ. ZÄ kontaktieren häufiger HÄ konsiliarisch oder bevor sie Patienten schicken. Anlässe sind für ZÄ hauptsächlich Medikation und hierbei inbesondere der Gerinnungsstatus vor invasiven Eingriffen - Für HÄ ist es ein desolater Zahnstatus und manchmal auch ein therapieresistenter Kopf- und Gesichtsschmerz. Präventive Aspekte sowie Verknüpfungen zu Allgemeinerkrankungen insb. Diabetes spielen nur für wenige Kollegen eine Rolle in der täglichen Praxis. Kollegiale Rücksprachen zu Krankheitsbildern hängen maßgeblich von einem "persönlichen Kennen" ab. Ein zusätzliches Kontaktfeld bietet die Versorgung in Altenheimen.

Conclusio: Als maßgeblicher Einflußfaktor konnte eine Abgrenzung der Mundhöhle bzw. des Zahnärztlichen Berufsbildes identifiziert werden. Wesentlich sind jedoch die Einstellung des/r jeweiligen Arztes/in, die häufig - von Selbst- und Fremdbildern bestimmt - Einfluss auf die Patientenversorgung nehmen kann.
Kurzvorträge Freie Themen I (Substanz 1+2) , Dr. Karl-Rudolf Stratmann
13:30-13:45
Morbus Parkinson stellt als fünfthäufigste Erkrankung des älteren Menschen eine für die Zahnmedizin zunehmend relevante Erkrankung dar: neben manuellen Einschränkungen entwickeln die Patienten progressive Defizite hinsichtlich einer adäquaten Mundhygiene. Das Nebenwirkungsspektrum der dopaminergen Medikation beinhaltet Mundtrockenheit und veränderten Geschmackssinn.
Ziel der Arbeit ist es, den Einfluss von manuellen Einschränkungen bei der Mundhygiene, von Krankheitsdauer, -schweregrad und Medikation auf die klinische Mundgesundheit (Gingivitis, Parodontitis, Wurzelkaries, Halitosis, Speichelmenge) und das Auftreten von Mundtrockenheit bei Parkinson-Patienten zu ermitteln und notwendigen speziellen Präventions- und Therapiebedarf aufzuzeigen. Zudem soll das (in vorherigen Studien gezeigte) subjektive Empfinden von Mundtrockenheit und Halitosis objektiviert werden.
Hierzu wurden im Rahmen einer Pilotstudie 15 Parkinson-Patienten aus der Poliklinik für Zahnerhaltung der Uniklinik Köln eingeschlossen und nach Ausfüllen eines Fragebogens zur subjektiven Einschätzung von Mundtrockenheit und Halitosis klinisch untersucht (CPITN, Wurzelkaries nach ICDAS, passive Sialometrie, objektive Halitosis - Messung mittels OralChroma®).
Neben der deskriptiven Statistik erfolgten logistische Regressions- sowie Subgruppenanalysen.
Die Patienten waren im Mittel 71 Jahre alt und seit 9 Jahren an Parkinson erkrankt. Es wurden 9 weibliche und 6 männliche Patienten untersucht. Die Mehrzahl der Patienten zeigte Einschränkungen der parodontalen Gesundheit (Gingivitis und Parodontitis) sowie beim Auftreten von Wurzelkaries. Die objektiv gemessene Speichelmenge und objektivierte per OralChroma® gemessene Halitosis stimmte wenig mit dem subjektiven Empfinden der Patienten überein.
Die dargestellten Ergebnisse zeigen, dass ein hoher Präventions- und Therapiebedarf bei Parkinson-Patienten besteht und sollen helfen, ein Bewusstsein für dieses spezielle Patientenkollektiv zu entwickeln. Die Pilotstudie konnte zudem geeignete Validierungsinstrumente für umfangreichere Studien ermitteln.
13:45-14:00
Einleitung: Die terminale Herzinsuffizienz ist derzeit die häufigste Todesursache in den hoch entwickelten Industrieländern. Der Goldstandard zur Behandlung dieses Leidens ist die Herztransplantation. Als Therapie zur Überbrückung der Wartephase besteht die Möglichkeit, mechanische Kreislaufunterstützungssysteme (MCS) zu implantieren. Auf Grund der mittlerweile über viele Jahre andauernden Liegezeiten von MCS werden zunehmend mehr solcher Patienten mit Zahnproblemen in Praxis und Klinik vorstellig. Für das perioperative Gerinnungsmanagement bei MCS-Patienten gibt es bisher wenig Erfahrungen
Aufgabe dieser Studie war es nun herauszufinden, inwieweit überhaupt eine Unterbrechung der oralen Antikoagulation zur Zahnbehandlung erforderlich ist. Es ist zu empfehlen, den therapeutischen Bereich zwischen INR 2,0 bis 2,5 bei MCS-Patienten nicht zu verlassen. Es sollte nun geprüft werden, inwieweit oralchirurgische Eingriffe problemlos unter diesen Bedingungen durchgeführt werden können.
Material und Methode: Es handelt sich um eine prospektive, klinisch-wissenschaftliche Studie an 60 Patienten des Universitätsklinikums Leipzig / des Herzzentrums am Uni Leipzig mit dem Ziel des Vergleiches zwischen MCS-Patienten und sonstigen kardiovaskulär erkrankten Patienten unter oraler Antikoagulation und/oder Thrombozytenaggregationshemmern
Ergebnisse: Bei den unterschiedlichen oralchirurgischen Eingriffen unter oraler Antikoagulation mit oder ohne TAH gab es weder Blutungen noch Nachblutungen. Lediglich bei einem Patienten der Gruppe I war ein Bridging vorgenommen worden.
Nach neuen Erkenntnissen leiden MCS-Patienten auch durch die Scherkräfte im Kunstherzen unter einem sogenannten erworbenen von Willebrand Syndrom. Trotz dieses qualitativen Defektes des von-Willebrand-Faktors wurde die chirurgische Zahnsanierung ohne Gabe von Minirin vorgenommen. Es kam weder zu Blutungen während des Eingriffes noch zu Nachblutungen.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass bei einem INR im therapeutischen Bereich von 2,0 bis 3,0 die Unterbrechung der oralen Antikoagulation nicht erforderlich ist. Die Gabe von Minirin bei MCS-Patienten ist für oralchirurgische Eingriffe nicht erforderlich.
14:00-14:15
Fragestellung
Wie valide sind Untersuchungsergebnisse der Somnoskopie (Schlafendoskopie) in der erweiterten Diagnostik bei intraoralen Protrusionsschienen?
Material und Methode
In einer prospektiven Studie werden 51 Patienten, die an obstruktiver Schlafapnoe OSA) leiden, schlafendoskopisch überprüft. Bewerteten Parameter sind Narkosetiefe, Schlaflage, Protrusionseinstellung, Epiglottisphänomen und HNO-Befunde. Die Validierung der erhobenen Befunde erfolgt durch die ambulante Polygrafie. Alle Daten werden mit dem Statistikprogramm "bias" ausgewertet.
Ergebnisse
(1) Erreicht die Protrusion eine gute bis sehr gute PAS-Öffnung (n = 18) lag auch ein vollständiger Erfolg in der Schlafapnoe mittels Schienenbehandlung vor (n = 17). Die Sensitivität der Schlafendoskopie und die positiven Ergebnisse der Schienentherapie korrelieren miteinander (95%). Ist klinisch keine sichere PAS-Öffnung erkennbar (n = 12) sinkt die Zahl der Erfolge auf 25%, die Spezifität beträgt in diesen Fällen noch 67%. (2) Anterior-posteriore Obstruktionen finden sich - allein oder in Kombination- am häufigsten (n = 41,78%). (3) Die Treffsicherheit beim Schnarcheffekt kleiner. Bei 37% der Patienten war kein therapeutischer Schnarcheffekt nachweisbar. (4) Die Seitenlage optimiert bei 66% der Patienten die PAS-Öffnung. (5) Die Verstärkung der Protrusion (forcierte Titration) hat bei zwei Drittel der Apnoefälle keinen endoskopisch nachweisbaren Effekt. (6) Bei 34 von 51 Fällen traten OSA-begünstigende HNO-Faktoren auf, die Rate der Erfolge/Teilerfolge auf 49% reduzierte (n = 19). (7) Ein Epiglottisphänomen (epiglottische Obstruktion mit/ohne Geräusche) trat bei 20 von 51 Fällen auf (39%).
Schlussfolgerungen
Die Treffsicherheit der Schlafendoskopie in Bezug auf die OSA ist sehr gut, in Bezug auf die Schnarchsymptomatik akzeptabel, aber reduziert. Insgesamt zeigen diese ersten Studienergebnisse, daß die Schlafendoskopie eine sehr valides Diagnostikum in der Schienentherapie von OSA und Schnarchen ist.
14:15-14:30
Kontext: Die Therapie von Bruxismus und seinen Ursachen sind komplex. Oft wird zur Behandlung eine Aufbissschiene empfohlen. Die Fachliteratur zeigt, jedoch nicht eindeutig, dass diese die bruxistische Aktivität reduzieren kann. In der Praxis ist ein eindeutiger Nachweis des Behandlungserfolges schwierig. Der Patient kann weiterhin knirschen und unter Folgeerscheinungen leiden, z.B. Gesichtsmuskelschmerzen, Knacken im Kiefergelenk, Probleme beim Essen etc. - aber auch unter Symptomen leiden die anderen Fachdisziplinen zugeordnet sind: Kopf- und Nackenschmerzen, Tinnitus etc.. Die aktuellen Forschungsmethoden sind Einschränkungen unterlegen. Bessere Methoden werden benötigt um relevantere, konsistentere und vergleichbarere Daten für die Analyse zu erzeugen.

Interdisziplinär: Im Vortrag wird eine neuartige "intelligente" Aufbissschiene präsentiert. Sie kombiniert die Vorteile einer klassischen Schiene mit modernen Biofeedbackerkenntnissen. Durch eine integrierte Elektronik werden Knirschereignisse während des Tragens aufgezeichnet und auf einem Computer ausgewertet.

Klinisch relevant: Durch ein integriertes Vibrationsmodul wird der Patient unterbewusst auf sein Knirschen aufmerksam gemacht und konditioniert, dieses zu reduzieren. Das Biofeedback spricht zwei Sinne an: Durch Vibration im Gaumenbereich und ein über Knochenleitung entstehendes Geräusch. Untersuchungsdaten zeigen, dass hiermit eine Konditionierung des Patienten zur Reduktion der bruxistischen Aktivität im Unterbewusstsein möglich ist. Vorher-Nachher-Fragebögen ermöglichen die Beobachtung der Veränderung o.g. Folgesymptome. Eine Reduktion der bruxistischen Aktivität vermindert signifikant das Risiko einer Schädigung von Restaurationen und Implantaten sowie das Auftreten von Parodontitis.

Kritisch betrachtet: Es wird gezeigt, wie die Biofeedbackschiene funktioniert und anhand von anonymisierten Patientendaten die Ergebnisse vor und nach der Biofeedbackbehandlung beschrieben und verglichen. Es wird diskutiert, bei welchen Diagnosen besonders gute Therapieerfolge zu erzielen sind sowie mögliche Ausschlusskriterien. Ideen für weitere Forschung, die durch diese Schiene erleichtert wird, werden präsentiert.
14:30-14:45
Hypoplasien und Aplasien insbesondere der laterale Schneidezáhne im Oberkiefer sind sehr häufig. Allerdings stellen sie ein großes ästhetisches Problem dar und beeinträchtigen das Aussehen des Patienten. Der anteriore Mundbereich ist von großer Bedeutung für die Ästhetik. Viele Therapien an solchen Patienten verlangen die Kooperation von Prothetiker und Kieferorthopäde um ein langfristiges und schönes Ergebnis zu erzielen. Sehr gute Zusammenarbeit der beiden bedeutet besseres Ergebnis mit Hilfe des Zahntechnikers. Eine Analyse zum Beispiel der Zahngröße kann bestimmen wann der richtige Zeitpunkt ist um die Kieferorthopädische Therapie zu beenden. Dazu kann die Zahntechnische Hilfe mittels eines Wax up von großer Bedeutung sein. Die Entscheidung des Therapievorschlages hängt von verschiedenen Parametern ab. Ein anderer Plan wird für einen Erwachsenen bevorzugt und ein anderer für einen sehr jungem Patienten. Implantate, Kieferorthopädie und Veneers sind sorglich zu verwenden.
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit sorgt für die langfristige Zufriedenheit des Patienten.
14:45-15:00
Die Piezocision stellt eine moderne interdisziplinäre Schnittstelle zwischen der Parodontologie und Kieferorthopädie dar. Hierbei werden nach Bracketapplikation mikrochirurgische Inzisionen bukkal zwischen den Wurzeln angelegt und nachfolgend mit einer Piezosäge die äußere Kortikalis bis in die Spongiosa penetriert. Die durch diese chirurgische Maßnahme ausgelöste reversible Osteopenie und erhöhte Knochenumsatzrate resultiert in einer Beschleunigung der kieferorthopädischen Zahnbewegung.
Samstag, 07.11.2015
Posterpräsentation (Conclusio 1+2) , Prof. Dr. Thomas Hoffmann
11:00-11:05
Einleitung:Die häusliche Plaque-Biofilmkontrolle wird als wichtige präventive Maßnahme angesehen-insbesondere im Approximalraum (AR). Studien belegen, dass durch die regelmäßige und professionelle Anwendung von Zahnseide (ZS) approximale Gingivitis reduziert werden kann. Trotz zahnärztlicher Empfehlung benutzen wenige Patienten den Goldstandard Zahnseide. Als Gründe nennen Patienten v.a. die komplizierte Anwendung. Um Patienten die Approximalraumreinigung zu erleichtern, wurde 2011 das AirFloss Gerät (Philips) entwickelt. In-vitro-Studien belegen, dass diese Microburst-Technologie Plaque-Biofilm effektiv entfernen kann. Es gibt aber nur wenige klinische Daten zur Effektivität des Philips Sonicare Airfloss® Ultra (AF) gegenüber der Anwendung von ZS. Ziel der klinischen Studie war zu ermitteln, ob mit dem neuen AF Plaque-Biofilm äquivalent zur ZS entfernt und die approximale Entzündung kontrolliert wird. Zudem sollte die Adhärenz der Anwendung analysiert werden.
Material und Methode:Es wurden 60 erwachsene Patienten mit einer moderaten plaqueinduzierten Gingivitis eingeschlossen und zufällig in eine Testgruppe (AF) und eine Kontrollgruppe (ZS) eingeteilt. Beim ersten Termin wurden PBI, mAPI, Größe der AR bestimmt und die Anwendung instruiert. Nach 4 Wochen tgl. Benutzung wurden die Patienten nachuntersucht und fotografisch dokumentiert. Die Adhärenz wurde anhand eines Fragebogens bestimmt. Die klin. Datenerhebung wurde von unabhängigen Experten und Medienbeobachtern kontrolliert.
Ergebnisse:Weder hinsichtlich Plaque-Biofilm-Entfernung noch Gingivitis konnten zwischen ZS- und AF-Anwendung nach 4 Wochen Unterschiede ermittelt werden (p>0,05). In den klinischen Fotos des angefärbten Plaque-Biofilms konnte die Reinigungswirkung sichtbar nachvollzogen werden. Fast alle Patienten gaben an, AF täglich angewendet und die Wirkung gespürt zu haben.
Schlussfolgerung:Die Studie belegt, dass AirFloss® Ultra eine zur Zahnseide gleichwertige Alternative hinsichtlich der Plaque-Biofilmkontrolle und Gingivitisprophylaxe im AR ist. Die Akzeptanz des AirFloss® Ultra ist durch die einfache Handhabung hoch. Damit ist das Gerät für Patienten empfehlenswert, die keine Zahnseide benutzen.
11:05-11:10
Ziel: In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Produkte für die Zahn- und Mundpflege neu entwickelt, die eine Verbesserung der häuslichen Plaquekontrolle sowie der Patientencompliance zum Ziel hatten. Ziel dieser Pilotstudie war die klinische Untersuchung der Sicherheit und Wirksamkeit eines innovativen Mundhygieneprodukts*, das aus einem ergonomisch geformten Griff und einem aufsteckbaren Behandlungselement besteht. Material und Methoden: Zwanzig Patienten mit leichter bis moderater chronischer Parodontitis nahmen an diesem kontrollierten Parallelgruppen-Vergleich teil. Die Patienten wurden randomisiert einer der beiden Gruppen zugeordnet: Häusliche mechanische Plaquekontrolle mit Hilfe des neuen Produkts unter Zuhilfenahme von 1%igem Chlorhexidin-Gel plus Zähneputzen versus Spülung mit 0,12%iger Chlorhexidin-Mundspüllösung plus Zähneputzen. Zu Therapiebeginn erhielten alle Patienten eine professionelle supragingivale Zahnreinigung und wurden hinsichtlich eines korrekten Zahnputzverhaltens und im Gebrauch des neuen Produkts unterwiesen. Die klinischen Parameter Plaque Control Record (PCR), gingivaler Blutungsindex (GBI), Blutung nach Sondierung (BOP), gingivale Rezession (GR) und Sondierungstiefen (ST) wurden zu Beginn und nach 4 Wochen erhoben. Ergebnisse: In beiden Therapiegruppen wurden nach 4wöchiger Behandlung Verbesserungen hinsichtlich der Plaquereduktion und der Blutungsscores im Vergleich zum Ausgangswert festgestellt. Bei Therapieende waren die Veränderungen beim GBI in der Mundspülgruppe signifikant grösser als in der Gruppe mit mechanischer Reinigung (p=0.039). Alle anderen Parameter waren statistisch nicht signifikant verschieden (p>0,05). Das neue Produkt zeigte hingegen bei PCR und BOP im Trend bessere Ergebnisse. Das neue Produkt war sicher in der Anwendung, es gab keinerlei Hinweise auf Gewebetraumatisierungen. Diskussion: Die Ergebnisse dieser Pilotstudie zeigen, dass das untersuchte innovative Produkt in der kombinierten Anwendung mit Zähneputzen die Plaquewerte und die gingivale Entzündung reduzieren kann. Weitere klinische Studien sind zur Beurteilung der Wirksamkeit dieses neuen Produkts angezeigt. *Patent eingereicht
11:10-11:15
Background: [JW1] Volatile sulphur compounds (VSCs) are the major component of bad breath. OralChroma gas chromatography and halimetry are objective measures of halitosis that correlate well with organoleptic assessment (odour scoring by a trained judge). Methods: The efficacy of rinsing with CB12 (Zinc Acetate Dihydate 0.3%, Chlorhexidine Diacetate 0.025%) mouthwash versus water for the treatment of intra-oral halitosis was evaluated in a double-blind, randomised, controlled, three-fold replicate cross-over study. Thirty-four subjects with confirmed intra-oral halitosis were randomised to receive three treatment periods in the sequence of CB12-water-water, or water-CB12-CB12. Periods contained two treatments 12 hours apart starting in the evening of the first study day, and there was a 5-day washout between periods. Primary endpoints were concentrations of hydrogen sulphide and methyl mercaptan in breath 12h after rinsing the mouth (overnight assessment), measured by OralChroma. Secondary endpoints were measurement of the primary endpoints at 24h (i.e. 12h after the 2nd mouthwash); day assessment; organoleptic score (OLS) at 12 and 24h; dimethyl sulphide concentrations; VSC concentrations by halimetry; and adverse events. All hypotheses were one-sided and the alpha level for statistical significance was 0.025. Results: CB12 significantly reduced mean hydrogen sulphide and methyl mercaptan concentrations (p<0.0001) 12h after mouthwash compared with water (overnight assessment). Dimethyl sulphide and VSC concentrations were significantly lower at 12h after CB12 mouthwash (p=0.0003 and p<0.0001 respectively). There was a statistically significant difference at 12h (p=0.0043; overnight assessment) and and still a numerical difference at 24h in organoleptic assessment between the treatments (p=0.0458). Conclusion: CB12 had a clear and durable effect on intra-oral halitosis, which lasted for at least 12h and was consistently shown by all objective and subjective parameters. The protecting effect of CB12 was most pronounced against accumulation of VSC due to bacterial re-growth over the night. CB12 was well tolerated.
11:15-11:20
Einleitung:
 Die chronische Parodontitis ist eine multifaktorielle und systemisch wirkende Erkrankung in der Mundhöhle. Das derzeitige Therapiekonzept ist antiinfektiös ausgerichtet, jedoch aufgrund der Komplexität der Erkrankung nicht immer erfolgreich. Das Ziel der Literaturanalyse war, den Einfluss von Mikronährstoffen auf die klinisch messbaren Gewebeparameter Blutung auf Sondierung (BOP), Sondierungstiefe (ST) und klinisches Attachmentlevel (CAL) zu untersuchen.

Material und Methode:
 Die systematische Literaturrecherche erfolgte unter Verwendung der elektronischen Datenbank PubMed. Ergänzend wurden die Literaturangaben der bei der elektronischen Suche identifizierten Reviews auf mögliche zusätzliche Publikationen durchgesehen.
Ergebnisse:
 Mit der Suchstrategie und Anwendung der Einschluss- und Ausschlusskriterien wurden 12 Originalartikel identifiziert und ausgewertet. Für die folgenden Ergebnisse besteht statistische Signifikanz: Vitamin-C-Mangel korreliert mit klinischem Attachmentverlust, eine Supplementierung kann die Sulkusblutung reduzieren. Ein adäquater Vitamin-D3-Plasma-Spiegel reduziert die BOP-Werte. Supplementierung von Vitamin E verringert BOP und ST und führt zu klinischem Attachmentgewinn. Omega-3-Fettsäuren in Kombination mit Aspirin reduzieren die ST und korrelieren mit klinischem Attachmentgewinn. Eine ähnliche Wirkung scheint die Supplementierung mit dem Mineralstoff Magnesium zu haben. Bei Patientinnen mit metabolischem Syndrom und nicht therapierter Parodontitis bewirkt die alleinige Umstellung auf Vollwertkost eine Reduktion der ST und verringert den Gingiva-Index.
Schlussfolgerung:
 Die Ergebnisse der Literaturanalyse deuten darauf hin, dass Mikronährstoffe Einfluss auf die klinischen parodontalen Parameter haben. Es ist davon auszugehen, dass die Versorgung mit Mikronährstoffen die Wirtsreaktion und damit den Entzündungsstatus bei einer chronischen Parodontitis beeinflusst. Für die Zukunft sind weitere Interventionsstudien mit größeren Studienpopulationen notwendig, um einen nachhaltigen Effekt etwa der Supplementierung von Mikronährstoffen als Ergänzung zur derzeit antiinfektiös ausgerichteten Standardtherapie nachzuweisen.
11:20-11:25
Einführung: Gingivahyperplasie (GH) bezeichnet die fibröse Vergrößerung des Zahnfleischs in lokalisierter oder generalisierter Form. Histologisch liegt eine starke Vermehrung von Fibroblasten mit gesteigerter Kollagensynthese vor. Es wird die idiopathische von der Plaque induzierten, medikamentös modifizierten GH unterschieden. Modifikatoren sind Phenytoinpräparate, Ciclosporin A sowie die Kalziumkanalblocker Nifedipin und Amlodipin.
Material und Methoden: Fallbericht zur Therapie einer medikamentös modifizierten GH bei Vorliegen einer generalisierten chronischen Parodontitis. Die 53jährige Patientin wurde vom Hauszahnarzt mit der Bitte um Diagnostik und Therapie der vorliegenden GH überwiesen.
Befunde: generalisierte GH mit weißlichen, nicht abwischbaren Zeichnungen bestehend seit 1 Jahr, Medikation mit Amlodipin 10mg/d aufgrund kardialer Hypertonie seit 1,5 Jahren, Sondierungstiefen 4-6mm, BOP 100%, PCR 73%. Die Patientin unterstützt auf Anraten der Hauszahnärztin die häusliche Mundhygiene mit CHX-Gel 1%.
Diagnosen: Verdacht einer medikamentös modifizierten GH und chronischen Parodontitis
Primäre Therapie: Professionelle Zahnreinigung (PZR), Putztraining, Umstellung der kardialen Medikation durch den Hausarzt, weiter CHX-Gel 1%
Folgetherapie: PZR in kurzen Intervallen, Kontrolle der GH 6 Wochen nach erfolgter Umstellung der kardialen Medikation, Absetzten CHX-Gel 1% nach der akuten Phase, Probeexzision der Schleimhautveränderungen, systematische Parodontitistherapie
Ergebnisse: Nach erfolgter Substitution des Amlodipin, PZR in kurzen Intervallen sowie einer darauf folgenden systematischen Parodontitistherapie konnte eine vollständige Remission der GH erreicht werden.
Schlussfolgerung: Die Therapie der Plaque induzierten, medikamentös modifizierten GH sollte nach Möglichkeit in einer Substitution des Medikaments (Absprache mit behandelndem Arzt) und flankierender parodontaler Therapie bestehen. Positive Therapieergebnisse sind ohne chirurgische Intervention zu erwarten und durch UPT langfristig zu sichern.
11:25-11:30
Einführung: Parodont und Endodont bilden entwicklungsgeschichtlich, anatomisch und funktionell eine Einheit, was Implikationen für Diagnostik und Therapie hat. Kombinierte, sowohl Parodont als auch Endodont betreffende Läsionen bereiten in der Feststellung der primären Ursache häufig Schwierigkeiten. Dies wird durch die Situationen im zahnärztlichen Notdienst verstärkt. Trotz dieser problembehafteten Situation sollte auch hier eine gründliche Prüfung der Erhaltungsfähigkeit mit Einleitung zahnerhaltenden Schritte erfolgen.
Material und Methoden: Fallbericht zur Therapie einer Paro-Endo-Läsion an Zahn 14 bei generalisierter chronischer Parodontitis. Die 39jährige Patientin, Raucherin, suchte mit akuten Beschwerden den zahnärztlichen Notdienst auf.
Befunde: Zahn 14 mit Sondierungstiefen bis 8mm, Perkussionsempfindlichkeit, Lockerungsgrad 2, röntgenografischem Attachmentverlust von 70% sowie einem parodontalen Abszess. Übrige Zähne mit Sondierungstiefen von 4 bis 5mm mit tastbarem subgingivalen Zahnstein. Pulpennahe Restauration an Zahn 14.
Diagnose: Verdacht einer primär endodontischen Ursache
Primäre Therapie: Trepanation des Zahnes, Darstellung und Extirpation der Pulpa, Entlastung des parodontalen Abszesses durch die Tasche und Reduktion der okklusalen Belastung.
Folgetherapie: Definitive Obturation der Wurzelkanäle und Durchführung einer systematischen Parodontitistherapie.
Ergebnisse: Nach erfolgreicher endodontischer und parodontaler Therapie konnte der Zahn 14 trotz seiner Vorschädigung bei Erstvorstellung erhalten werden. Die klinische und röntgenografische Kontrolle nach 12 Monaten zeigt einen komplikationslosen Verlauf. Die periapikale Region ist röntgenografisch unauffällig, die Sondierungstiefen liegen bei bis zu 3mm.
Schlussfolgerung: Die Therapie einer Paro-Endo-Läsion stellt häufig besondere Anforderungen an den Behandler. Dies gilt insbesondere im Notdienst. Der vorliegende Fallbericht zeigt, dass auch in dieser Situation durch eine sorgfältige Diagnostik und adäquate primäre Versorgung Zahnerhalt realisiert werden kann. Dieser wird durch zielgerichtete interdisziplinärer Therapie und Nachsorge klinisch und röntgenografisch stabil aufrecht erhalten.
11:30-11:35
Einleitung: Neben den Erkrankungen der Zähne und des Zahnhalteapparates sollten die pathologischen Veränderungen der Mundschleimhaut ebenfalls im Blickfeld einer präventiv ausgerichteten Zahnheilkunde stehen. Die orale Leukoplakie stellt die häufigste Vorläuferläsion für Plattenepithelkarzinome in der Mundhöhle dar. Ziel der Untersuchung ist es, mittels einer Datensammlung mit einem Fragebogen geeignete Instrumente für die Kommunikation im Präventionsmanagement oraler Leukoplakien zu finden.
Material und Methode: Es konnten insgesamt 56 Fragebögen ausgewertet werden (n = 56), weibliche (n = 28) und männliche (n = 28). Untersucht wurde das Gesundheitsbewusstsein, Mundhygiene- und Ernährungsverhalten, Risikofaktoren wie Tabak- und Alkoholkonsum und die Frage, woher relevante Informationen bezüglich (Mund)-Gesundheit bezogen werden. Die Auswertung wurde für die gesamteUntersuchungsgruppe und getrennt nach Altersgruppen(jünger als 40, 40-50 Jahre alt, älter als 50) durchgeführt.
Ergebnisse: Die Studie ergab, dass den Frauen in der Untersuchungsgruppe das Thema "Mundgesundheit" dreimal wichtiger ist als den befragten Männern. Raucherinnen achten bis zu 30 % mehr auf eine gesundheitsfördernde Ernährung als Raucher. Frauen weisen in allen untersuchten Altersgruppen einen erkennbar geringeren Nikotin- und Alkoholkonsum auf als die männlichen Vergleichsgruppen. Informationen zu gesundheitlichen Themen sind bei Frauen dreimal bedeutender als bei Männern.Medizinische Experten sind für alle befragten Personen der wichtigste Ansprechpartner für Informationen zur Mundgesundheit. Das Internet gewinnt als Informationsquelle zunehmend an Bedeutung. Im Kommunikationsverhalten sind Unterschiede zwischen den Altersgruppen erkennbar.
Schlussfolgerung: Um die Inzidenz prämaligner Läsionen für alle Patienten zu reduzieren, ist das informierende Gespräch im Präventionsmanagement nach wie vor das primäre Instrument. In naher Zukunft werden verstärkt digitale Instrumente wie ein App-basiertes Infosystem oder die Praxis-Website für die präventionsorientierte Zahnarztpraxis in unser Blickfeld rücken.
11:35-11:40
Ziel der Untersuchung: Ziel der Literaturrecherche war es, eine treffende Aussage bezüglich der Qualität von Adhäsivbrücken machen zu können, sowie Einflussfaktoren für die klinische Bewährung zu bewerten und daraus mögliche Konsequenzen für die Praxis zu formulieren.
Material und Methode: Es erfolgte eine Recherche der Internetdatenbank Pubmed und die in Frage kommenden Studien wurden auf klinische Bewährung der Adhäsivbrücken und deren technische Komplikationen untersucht. Folgende Bewertungskriterien dienten dabei als Orientierung: Präparationsdesign, ein- oder zweiflügelige Gestaltung, Lokalisation anterior oder posterior, Materialauswahl, Oberflächenbehandlung und adhäsive Befestigung.
Ergebnisse: Insbesondere für vollkeramische Versorgungen im posterioren Bereich galt das von Wolfart, S. et Kern, M. in 2006 vorgestellte modifizierte Präparationsdesign deutlich ausschlaggebend für die klinische langfristige Bewährung. Der einflügeligen Adhäsivbrücke konnte bisher kein signifikant besserer Erfolg gegenüber der zweiflügeligen nachgewiesen werden. Im Frontzahnbereich konnten sich Adhäsivbrücken deutlich besser bewähren als gleichartige Versorgungen im Molarenbereich. Als geeigneter vollkeramischer Werkstoff eignet sich Zirkoniumdioxidkeramik, während Co-Cr-Legierungen für metallkeramische Adhäsivbrücken empfehlenswert sind. Eine Korundstrahlung ist unabdingbar, bevor die Adhäsivbrücke idealerweise mit einem monomerhaltigen Befestigungskomposit befestigt wird.
Zusammenfassung: Die Adhäsivbrücke kann aufgrund ihrer Minimalinvasivität und hochästhetischer Qualität als definitive Versorgungsmöglichkeit überzeugen. Ihre klinische Bewährung bedarf noch breiter angelegter Untersuchungen auf ihre Langzeitbewährung, bevor Evidenz-basierte Aussagen über ihre Qualität und langfristige Effizienz möglich werden
11:40-11:45
Einleitung: Bei dieser invitro Untersuchung wurde die Temperaturentwicklung im endodontischen Bereich bei der Anfertigung einer provisorischen Brückenversorgung von einem Prämolaren zu einem Molaren untersucht.
Material und Methode: Nach Anfertigung einer Überabformung aus Silikon und einer Tiefziehschiene wurde ein extrahierter Zahn 35 mit einer Hohlkehlpräparation versehen. m Anschluss wurde ein Temperatursensor in den Bereich der Pulpa eingebracht. Im Anschluss wurden mit diversen Materialien (1:Luxatemp-Plus 2:Structur 2 SC 3:Trim 4:Telio CS C&B 5:PreVISION CB) provisorische Brückenversorgungen unter Verwendung einer Tiefziehfolie bzw. einer Überabformung aus Silikon hergestellt und die Temperaturentwicklung im endodontischen Bereich ermittelt.
Ergebnis: Die Temperaturveränderungen unter Verwendung der Tiefziehfolie waren signifikant höher im Vergleich zur Verwendung der Silikonüberabformung (p<0,05). Weiterhin wurden signifikante Unterschiede zwischen den Materialien innerhalb einer Herstellungsart (Überabformung/Tiefziehschiene) hinsichtlich der Temperaturentwicklung ermittelt.
Schlussfolgerung: Die Temperaturentwicklung bei der chairside Herstellung provisorischer Brückenversorgungen hängt maßgeblich von der Herstellungsart (Überabformung/Tiefziehschiene) und von dem verwendeten provisorischen Material ab.
11:45-11:50
Einleitung: Die Übertragung von Infektionskrankheiten birgt für die Patienten und die Behandler enorme Risiken. Daher müssen auch prothetische Werkstücke desinfiziert werden. Bisher sind keine speziellen Produkte zur Prothesendesinfektion im single-shot-Verfahren verfügbar. Es werden stattdessen Universaldesinfektionsmittel verwendet.
Zielstellung: Das Ziel dieser Studie war die Untersuchung eines möglichen Einflusses von Desinfektionsmitteln im single-shot-Verfahren auf wichtige werkstoffmechanische Parameter verschiedener Prothesenkunststoffe.
Material und Methoden: Es wurden 252 Prüfkörper aus unterschiedlichen Prothesenkunststoffen (PalaXpress, Paladon 65, Futura Gen, FuturAcryl 2000) hergestellt. Die Prüfkörper wurden prismatisch nach der DIN-EU-ISO-Norm 3167 konstruiert. Es wurden drei chemische Desinfektionsmittel (Impresept, D050 Instru-Gen, Stammopur DR) untersucht. Die Prüfkörper wurden in aqua dest. gelagert und in 5 Testgruppen unterteilt (2xKontrollgruppen, 3xTestgruppen). Die Parameter E-Modul und Biegefestigkeit wurden durch den 3-Punkt-Biegeversuch ermittelt.
Ergebnisse: Es konnte kein signifikanter Einfluss der Desinfektionsmittel auf den E-Modul gezeigt werden (PMMA vs. aqua dest. von (Futura Gen) 2688.80 ± 230.78 vs. 2766.60 ± 91.22 MPa,p=0.847 bis (PalaXpress) 3004.20 ± 26.40 vs. 2851.00 ± 95.23 MPa, p<0.001). Bei der Bestimmung der Biegefestigkeit konnte zwischen den Proben nach Lagerung in aqua dest. und den Proben nach Desinfektion kein signifikanter Unterschied nachgewiesen werden(PMMA vs. aqua dest. von (Paladon65) 27.28 ± 1.30 vs. 28.42 ± 0.84 N/mm2, p=0.216 bis (PalaXpress) 30.88 ± 0.25 vs. 29.68 ± 0.79 N/mm2, p<0.001).
Diskussion: Nach der Lagerung in aqua dest. und anschließender single-shot-Desinfektion konnte bei den Parametern Biegefestigkeit und E-Modul kein signifikanter Unterschied im Vergleich zum jeweiligen Standardversuchskörper festgestellt werden. Zur Infektionsvermeidung und zur Vereinheitlichung der Arbeitsabläufe kann nach den vorliegenden Ergebnissen eine single-shot-Desinfektion von Prothesenkunststoffen empfohlen werden.
11:55-12:00
Einleitung: Obwohl in der Literatur immer wieder von guten Erfolgen der enossalen Implantation im Kieferbereich berichtet wird, liegen nur wenige Langzeitstudien zur Überlebenswahrscheinlichkeit dieser Systeme vor. Aus diesem Grunde wurden die Ergebnisse dieses Therapiemittels aus einer spezialisierten Zahnarztpraxis vom 14.08.1991 bis 31.12.2011 retrospektiv untersucht.
Material und Methode: Die Berechnung der Überlebensraten erfolgte über Kaplan-Meier, die Signifikanztests mit dem LogRank-Test. Zusätzlich wurden der Implantattyp, der Standort des Implantates, der Belastungstyp unter Einfluss von Augmentationsverfahren als weitere Variablen betrachtet.
Die Auswertung stützte sich auf die Daten von 1328 Patienten (696 Frauen mit 2905 Implantaten und 632 Männern mit 2477 Implantaten), die ein Durchschnittsalter von 52 Jahren aufwiesen.
Ergebnisse: Gesamt-Überlebensrate aller Implantate lag nach einem Jahr bei 98,6 %, nach 10 Jahren bei 93,83 % und sank nach 15 Jahren auf 90,54 %. Implantate in der Region der Canini zeigten das beste Überleben, gefolgt von Molaren und Prämolaren. Ein Unterschied der Überlebensrate zwischen Ober- und Unterkiefer bestand hinsichtlich des Implantatortes nicht. Implantate, die nur eine Kaueinheit trugen, wiesen eine signifikant höhere Überlebensrate auf, als solche, die mit mehr als einer Kaueinheit belastet wurden. Implantate mit einem Durchmesser von 4,0 bis 4,5 mm waren solchen mit einem Durchmesser d< 3,5 und d> 5,0 mm überlegen. Erwartungsgemäß blieben lange Implantate länger in situ als kurze.
Kein signifikanter Unterschied bestand in der Überlebensrate von Implantaten, die im ortsständigen Knochen gesetzt wurden, gegenüber solchen im augmentierten Knochen. Auch fanden sich keine signifikanten Unterschiede bezüglich der verschiedenen Augmentationsverfahren. Implantate der Firma Friadent wiesen eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit als solche des Typs Camlog auf.
Diskussion: Die Ergebnisse bestätigen die Resultate anderer Studien in der Literatur. Dies gilt auch für das nicht so günstige Abschneiden der Implantate des Typs Camlog. Dies lässt sich möglicherweise auf die Schnittstelle zwischen Implantat und Abutment zurückführen.
12:00-12:05
Einleitung: Das frühzeitige Erkennen pathologischer Veränderungen am periimplantären Gewebe ist entscheidend für den langfristigen Implantaterhalt. In dieser Untersuchung sollte geklärt werden, wie eindeutig durch die Erhebung der Sondierungstiefen (ST) und der Sondierungsblutung (BOP) kranke und gesunde periimplantäre Strukturen in der unterstützenden Implantat-Therapie (UIT) unterschieden werden können. Außerdem sollte im Rahmen der Untersuchung die Korrelation zwischen dem Vorkommen von Plaque (PL) und dem BOP beobachtet werden.
Material und Methode: In einer zahnärztlichen Praxis wurden 20 Implantatpatienten einmalig im Rahmen der UIT untersucht. Die klinischen Parameter ST, PL, BOP und Rezessionen des periimplantären Weichgewebes wurden mit Röntgenaufnahmen der Implantate angeglichen und eine Diagnose gemäß den Empfehlungen der American Academy of Periodontology (AAP) gestellt.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 84 Implantate untersucht. Daraus ergab sich eine Anzahl von 504 Messpunkten (MP). Die Sondierungstiefen reichten von 1 - 8 mm. An drei Messpunkten (0,6%) lag die Sondierungstiefe > 4 mm, an vier Messpunkten ergab die ST zusammen mit vorhandenen Rezessionen einen klinischen Attachmentverlust von > 4 mm. An 66% der Messpunkte mit Sondierungsblutung (BOP +) war Plaque vorhanden. An den oral gelegenen Messpunkten waren häufiger Plaque und Sondierungsblutung (BOP +) zu finden, die Sondierungstiefen waren höher. Von den 84 untersuchten Implantaten wurden 30 als gesund eingestuft (36%). An 39 Implantaten (46%) wurde eine periimplantäre Mukositis, an 15 Implantaten (18%) eine Periimplantitis diagnostiziert.
Schlussfolgerung: Im Vergleich zum Parodontium zeigt die periimplantäre Situation eine größere Variabilität besonders bezüglich der biologischen Breite und damit auch der nicht pathologischen Sondierungstiefen. Es besteht eine Korrelation zwischen dem Vorkommen von Plaque und einem positiven BOP-Index. Eine sichere Diagnose des periimplantären Status ist nur anhand eines engmaschigen Monitorings der klinischen und röntgenologischen Parameter möglich.
12:05-12:10
Hintergrund: Die Verwendung von Schnullern kann zu Fehlentwicklungen wie frontal offener Biss, vergrößerter overjet und Kreuzbiss führen.
Ziel: Ziel war es, den Einfluss der Umstellung von einem herkömmlichen auf einen speziellen Schnuller mit besonders dünnen Saugerhals auf Schnuller-assoziierte Fehlentwicklungen zu beurteilen.
Material & Methoden: In einer prospektiven randomisierten klinischen Studie wurden 86 Kinder im Alter zwischen 16 und 24 Monaten, die bereits einen frontal offenen Biss oder overjet≥2 mm vorwiesen, zufällig 3 Gruppen zugeordnet:Gruppe I (n=28), Interventionsgruppe, wechselte vom vorher verwendeten Schnuller auf den speziellen Schnuller; Gruppe II (n=30) benutzte weiterhin den Schnuller, der auch schon vor Beginn angewendet wurde; und Gruppe III (n=28), Kontrollgruppe, wurde versucht während des Studienzeitraums vom Schnuller zu entwöhnen. Die Kinder wurden nach 12 Monaten untersucherblind beurteilt und die Daten statistisch ausgewertet.
Ergebnisse: Es wurden Daten von 63 Kindern (Durchschnittsalter 33.1±5.0 Monate) analysiert (I: n=24; II: n=22; III: n=17). Die Unterschiede zwischen den Gruppen in Bezug auf overjet (p=0.002; Kruskal-Wallis) und frontal offenen Biss waren statistisch signifikant (p<0.001; Kruskal-Wallis). Die Unterschiede zwischen Gruppe I und II hinsichtlich vergrößertem overjet (3,1 ± 0,2 mm vs. 3,6 ± 0,3 mm, p<0.001; Mann-Whitney) und Ausmaß des frontal offenen Biss (1,2 ± 0,3 mm vs. 2,2 ± 0,3 mm, p<0.001; Mann-Whitney) waren statistisch signifikant. Die Gruppe III erzielte die besten Ergebnisse (overjet: 3,1 ± 0,1mm; frontal offener Biss: 0,8 ± 0,8mm).
Schlussfolgerungen: Die Verwendung des speziellen Schnullers mit besonders dünnem Saugerhals minimiert im Vergleich zu herkömmlichen Schnullern das Risiko der Entwicklung von frontal offenen Bissen und vergrößerten Überbissen. Die Abgewöhnung des Schnullers ist die beste Methode um Zahnfehlstellungen zu verhindern.
12:10-12:15
Ziel:
Die Einführung skelettaler Verankerungselemente führte zu einer Erweiterung des
Behandlungsspektrums in der Kieferorthopädie. In der Praxis stehen akuell weitgehend etablierte
Systeme zur Verfügung. Weiterhin stellt aber insbesondere bei Jugendlichen und jungen
Erwachsenen im Unterkiefer die skelettale Verankerung eine Herausforderung dar. Am Beispiel der
C-Platte sollen klinisch relevante Daten nachvollzogen werden.
Material und Methoden:
In Zusammenarbeit mit Kieferorthopädie und Oralchirurgie wurden in Lokalanästhesie bei 25 Patienten, im Alter von 11-20 Jahren, 44 C-Platten im Unterkiefer inseriert. Die Indikation umfasste den Lückenschluss bei uni- bzw. bilateralen Aplasien der unteren Prämolaren, den Lückenschluss bei Zahnverlust und die Distalisierung der unteren Molaren. Über den gesamten Zeitraum der Behandlung wurden die Parameter Plattenverlust, postoperative Komplikationen, Zahnbewegungen und Mundhygiene erhoben.

Ergebnisse:
Von insgesamt 44 inserierten C-Platten kam es bei 7 zu einer Lockerung und in Folge zur frühzeitigen Explantation. Davon waren 4 Plattenverluste auf eine zu stark okklusale Orientierung bei der Insertion zurückzuführen. Die Erfolgsrate lag somit bei 84,1%, was den Ergebnissen anderer Studien in etwa entspricht. Die Zahnbewegungen der 1.Molaren beliefen sich auf etwa 1mm/Monat. Zusätzlich zeigte sich als nicht erwarteter, positiver Nebeneffekt, eine Mesialisierung der 2.Molaren. Die Mundhygiene war besonders bei jugendlichen männlichen Patienten mit einem durchschnittlichen Plaque-Index von 54% mäßig. Typische postoperative Komplikationen wie Nachblutungen, Wundinfektionen, Wundheilungsstörungen, Nervläsionen oder Zahnschädigungen wurden nicht beobachtet.

Schlussfolgerung:
Kieferorthopädisch zeigt sich, dass eine skelettale Verankerung über C-Platte im Unterkiefer, insbesondere bei jugendlichen Patienten, eine im Hinblick auf Stabilität, Patientenkomfort und Erfolgsrate gute Alternative zu Minischrauben darstellt. Aus chirurgischer Sicht ist es das Ziel postoperative Komplikationen und Verlustraten beherrschbar zu machen. Vor allem in Hinblick auf letztere scheinen sich weitere relevante Parameter zu ergeben die abzuklären sind.
12:15-12:20
Ziel: Die Versorgung eines Frontzahntraumas fordert oft interdisziplinäre Zusammenarbeit. Bei subgingivaler Wurzelfraktur stellt die Extrusion des Zahnstumpfes mit Hilfe von Magneten eine vielversprechende, präprothetische Therapie dar. Ziel dieses Fallberichtes ist die detaillierte Darstellung der interdisziplinären Versorgung eines Zahnes 21 mit komplizierter Kronen-Wurzel Fraktur.
Patient und Methode: Bei einem 16-jährigen Patienten bestand nach vorangegangenem Frontzahntrauma, die Notwendigkeit der interdisziplinären Versorgung des Zahnes 21. Der Zahn wies nach dem Frontzahntrauma multiple Schmelz-Dentin-Frakturen mit Pulpabeteiligung auf. In einer Erstversorgung wurden die multiplen Zahnfragmente mittels Dentinadhäsivtechnik versorgt und es erfolgte eine Wurzelkanalbehandlung. In einem weiteren Schritt wurde der Zahn 2 Jahre später für eine Kronenversorgung präpariert, wobei die subgingivale Frakturlinie und fehlende biologische Breite ersichtlich wurde, weshalb eine forcierte Magnetextrusion des Zahnstumpfes 21 mit anschließender Gingivektomie notwendig wurde.
Ergebnisse: Die kieferorthopädische Extrusion des traumatisierten Zahnes 21 erfolgte mit Hilfe von Magneten (2 Scheibenmagnete, Samarium Kobalt 5, 2 x 3 mm, Fa. Fehrenkemper Magnetsysteme, Lauenau) und einer Tiefziehschiene (Fa. Erkodent, Platzgrafenweiler). Einer der beiden Scheibenmagnete wurde adhäsiv am Zahnstumpf befestigt. Eine 1 mm-dicke Wachsplatte diente als Platzhalter, auf die der andere Scheibenmagnet gesetzt und anschließend am provisorischen Füllmaterial Regio 21 in der Tiefziehschiene fixiert wurde. Prinzipiell werden bei der so resultierenden Extrusion auftretende Kräfte von 0,13-0,3 N beschrieben. Die aktive Extrusionsphase betrug 4 Wochen. Der Magnet in der Tiefziehschiene wurde wöchentlich umgesetzt. Insgesamt konnte der Zahnstumpf um 3 mm extrudiert und nach 12-wöchiger Retentionsphase erfolgreich prothetisch versorgt werden.
Zusammenfassung: Die Erstversorgung sowie die forcierte Magnetextrusion zur präprothetischen Versorgung eines Zahnes nach komplizierter Kronen-Wurzel Fraktur ermöglichte die Kronenversorgung, sowie mögliche weitere Therapieoptionen zu einem späteren Zeitpunkt.
12:20-12:25
Einführung: Die Extraktion aller 8er in einer Behandlung erfolgt häufig unter Sedierung [1]. Untersucht wurde, ob Lachgas mit oder ohne Zugabe von oralem Midazolam Behandlungsbedingung und Patientenzufriedenheit verbessert.
Methode: Eingriff bei 47 Pat., 18 - 21 Jahre (♀:21, ♂:26) in 2 Praxen. Zahnärzte waren nach DGfdS Standards in beiden Verfahren ausgebildet worden. Pat. wurden in 2 Gruppen (LG & MI) eingeteilt. MI erhielt 30 min. vor OP 7.5 mg Midazolam p.o. und Lachgas bis max. 50%. LG erhielt Lachgas bis zu 70%. Kontinuierliches Monitoring: Sedierungstiefe (minimal, moderat, tief) und SpO2. Vor Sedierungsbeginn und am Ende wurde der Angstpegel nach VAS (1-keine, 10-maximal) erfragt. Ärzte beurteilten die OP-Bedingungen auf einer Skala von 1 bis 4 (1-optimal, 2-gut, 3-ausreichend, 4-inadäquat).
Ergebnisse: Alle Patienten: ASA-PS 1, Sedierungsstufe: minimal, SpO2 >98%. Behandlung: 30-65 min., keine resp., CV od. andere Komplikationen. LG: 23 Pat., Angst VAS präOP MW:5,2 (SD 2,1), postOP: 2,4 (SD 1,3). OP Bedingungen: 1:43,5%, 2: 34,8%, 3:17,4%, 4:4,3%. MI: 24 Pat., Angst VAS präOP MW:5,0 (SD 2,2), postOP: 1,6 (SD 0,6). OP Bedingungen: 1:66,7%, 2: 25,0%, 3:8,3%, 4:0%.
Diskussion: Lachgas als Monosubstanz sowie Lachgas plus Midazolam führen zu einer signifikanten Reduktion des Angstpegels. Die präOP Angstscores zeigten keinen statistischen Unterschied (p=0,880), postOP Angstscores waren signifikant niedriger bei MI (P=0,022). Die OP Bedingungen waren bei MI besser (91,7% optimal od. gut) als in der LG Gruppe (78,3% optimal od. gut), wobei der Unterschied nicht statistisch signifikant war (P=0,245).
Schlussfolgerung: Lachgas bis zu 70% als Monopharmakon bietet eine hohe Patientenzufriedenheit und gute Operationsbedingungen bei Jugendlichen, die sich einem Eingriff zur Entfernung aller 4 Weisheitszähne unterziehen müssen. Die Einmalgabe von 7.5 mg Midazolam p.o. und max. 50% Lachgas erbrachte niedrigere Angstscores als Lachgas alleine.
1. Dhuvad, J.M., R.A. Kshisagar, and M.M. Dhuvad, Comparative Evaluation of Vital Parameters During Third Molar Surgery Under Local Anaesthesia with and without Sedative Agents. J Clin Diagn Res, 2014. 8(12): p. ZC57-60.
12:25-12:30
Einleitung: Die zahnärztliche Behandlung im bolivianischen Hochland zeigt Herausforderungen. Aufgrund der reduzierten zahnmedizinischen Infrastruktur ist die Kariesprävalenz in der Bevölkerung massiv erhöht.
Zielstellung: Ziel der Pilot-Studie war es, die allgemeine Mundgesundheitssituation bei zahnärztlichen Patienten in einer ländlichen Region Boliviens zu erfassen und auszuwerten.
Material und Methoden: An der Studie nahmen 174 Patienten im Alter von 3-80 Jahren (mittleres Alter 24,64 ± 16,42 Jahre) teil (65,36% weiblich). Die Patienten wurden in der zahnmedizinischen Station Huancarani (betrieben durch den FCSM) untersucht und stammten aus 4 unterschiedlichen Orten. Es wurden der dmft-Index (0-6 Jahre) und DMF/T-Index, Lückengebisssituationen, Ernährungsgewohnheiten, Mundhygienegewohnheiten und sozioökonomische Faktoren erhoben. Infektionskrankheiten wurden anamnestisch erfasst.
Ergebnisse: Der dmft-Index der untersuchten Patienten betrug 7,00. Der DMFT-Index lag bei 8,02. 37,94% der Untersuchten zeigten eine generelle und 60,34% eine isolierte mikrobielle Plaque. 1,72% hatten keine mikrobielle Plaque. Mundhygieneartikel waren 35,63% der Untersuchten bekannt. 4,02% der Studienteilnehmer hatten eine akut behandlungsbedürftige Okklusionsstörung. Bei 2,8% der Patienten wurde anamnestisch eine Parasitose (südamerikanische Trypanosomiasis) erkannt.
Diskussion: Die Mundgesundheitssituation der Untersuchten zeigt einen großen konservierenden und prothetischen Behandlungsbedarf. Zusätzlich muss die Aufklärung über eine suffiziente Mundhygiene und die Verbreitung von Mundhygieneartikeln forciert werden. Bei dem Verbreitungsgrad der südamerikanischen Trypanosomiasis, die besonders für Kinder tödlich verlaufen kann, muss von einer erheblichen Dunkelziffer ausgegangen werden. Ein Hauptziel weiterer Studien ist die Entwicklung einer interdisziplinären Infektions- und Mundgesundheitsprophylaxe.
Kurzvorträge Parodontologie & Prothetik (Agenda) , PD Dr. Moritz Kebschull
13:30-13:45
Die moderne Zahnmedizin wird immer umfangreicher. Neue Materialien, neue Techniken und neue Erkenntnisse stellen den Kliniker ständing vor neue Herausforderungen. Eine erfolgreiche und vorhersagbare Behandlung komplexer Patientenfälle ist daher häufig nur im interdisziplinären Team möglich. Hierbei kommt es entscheidend darauf an, dass alle Behandler bereits präoperativ eine sehr genaue Diagnostik durchführen und das gleiche postoperative Behandlungsziel vor Augen haben.
Die interdisziplinäre Entscheidung über Zahnerhalt oder Implantatversorgung hängt von vielen Parametern ab. Diese Parameter werden in diesem Beitrag aus parodontologischer Sicht ausführlich interdisziplinär beleuchtet. Besonderes Augenmerk wird hier den interdisziplinären Entscheidungsfindungen bei Paro-Endo-Läsionen, dem Zusammenspiel zwischen parodontalen Erkrankungen und craniomandibulären Dysfunktionen (CMD) sowie dem Konzept der kieferorthopädisch unterstützten regenerativen Therapie der Parodontitis geschenkt. Jedes Szenario wird durch kurze klinische Fallpräsentationen praxisnah dargestellt.
Im Vordergrund steht hierbei, ein praxistaugliches, interdisziplinäres Behandlungskonzept zu präsentieren, das die Entscheidungsfindung in der täglichen Praxis zum Wohle des jeweiligen Patienten erleichtert.
13:45-14:00
Ziel: Untersuchung des Effektes der operativen Weisheitszahnentfernung auf die Sondierungstiefen (ST) und das Attachmentlevel (AL) und die Identifizierung möglicher einflussnehmender Kofaktoren.
Material und Methoden: Es wurden 78 Patienten (49 Frauen; 29 Männer; Durchschnittsalter: 16,0 ± 2,0) mit 78 asymptomatischen retinierten oder impaktierten unteren Weisheitszähnen in diese Studie eingeschlossen. Der Plaque- und der Gingivaindex, sowie ST und AL wurden präoperativ und sechs Monate nach der chirurgischen Entfernung dokumentiert. Der Retentionsgrad der Zähne wurde als "impaktiert" (allseitig im Knochen liegend) oder "retiniert" (unter der Schleimhaut liegend) klassifiziert.
Ergebnisse: Die mittlere ST zur Baselineuntersuchung lag bei 3,3 mm, das AL lag bei 3,0 mm. Zum Follow-Up nach sechs Monaten lagen die mittlere ST bei 2,6 mm (p < 0,05) und das AL bei 2,5 mm (p < 0,05), was einer signifikanten Reduktion an allen gemessenen Stellen entspricht. Als positiv beeinflussende Kofaktoren konnten präoperative ST ≥ 4 mm an der distobukkalen (ST: p = 0,11; AL: p = 0,31) und distolingualen (ST: p = 0,26; AL: p = 0,26) Stelle (nahe der Zugangsinzision gelegene Stellen) identifiziert werden. Der Retentionsgrad wurde als weiterer Kofaktor für die ST (ST: p ≤ 0,039), aber nicht für das AL (AL: p > 0,05), identifiziert.
Schlussfolgerung: Junge Patienten können möglicherweise von einer vorzeitigen Weisheitszahnentfernung beim Vorhandensein positiver Kofaktoren profitieren.
14:00-14:15
Das exponentielle Wachstum des Erkenntniszugewinns in den Naturwissenschaften, insbesondere in der Medizin und auch Zahnmedizin, sowie die anwachsende Zahl wissenschaftlicher Veröffentlichungen stellen die Behandler in zahnärztlichen Praxen zunehmend vor die Frage, wie dieser immense Wissenszuwachs im Rahmen organisierter Prozesse zum Nutzen für Patient und Behandler in die klinischen zahnärztlichen Entscheidungen integriert werden kann.
Die Anwendung wissenschaftlicher Evidenz auf die individuelle patientientenorientierte Therpaie stellt den Behandler vor vielfältige Herausforderungen auf fachlicher ebenso wie auf persönlicher Ebene.
Anhand relevanter Entwicklungen in der Implantologie und Parodontologie wird aufgezeigt, welche Massnahmen ergriffen werden können, um den Wissenstransfer von der Wissenschaft in die tägliche Praxis anhand individueller Parameter zu organisieren.
Die Entscheidungskriterien einer parodontologischen Fachpraxis werden an einem exemplarischen klinischen Beispiel nachvollziehbar dargestellt.
Es wird aufgezeigt, welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen um Kriterien für die Implementierung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die therapeutische Entscheidungsfindung festzulegen.
Dabei wird ebenso auf die Bewertungsmaßstäbe wissenschaftlicher Arbeiten, wie auf die Wertigkeit von Langzeitstudien und die wachsende Problematik von drittmittelfinanzierten Untersuchungen eingegangen.
Dem klinisch tätigen Zahnmediziner wird eine Handreichung gegeben, um den wissenschaftlichen Erkenntniszuwachs anhand von organisierten Prozessen in seine täglichen klinischen Entscheidungen einzubinden.
14:15-14:30
Vergleich von Attachment an chairside (CEREC® 3D) hergestellten Keramik-Abutments mit einzeitigem (one step) und zweizeitigem (two steps) Vorgehen in einer Human-Pilotstudie in der zahnärztlichen Praxis: Elektronenmikroskopische Untersuchungen
Ziel dieser prospektiven Human-Pilotstudie war es, mehr Zellanhaftungen (Attachment) bei dem einzeitigen (one step) Vorgehen der Freilegung von gedeckt eingeheilten Implantaten und der anschließenden Versorgung mittels dem definitivem Abutment, welches mittels CEREC 3D chairside hergestellt wurde, zu finden, als bei einem zweizeitigem Vorgehen (two steps).
Material und Methoden
Insgesamt wurden 16 Abutments von 8 Patienten analysiert. Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 54,3 Jahren. Es waren 3 Frauen und 5 Männer im Patientenkollektiv. Die Patientenauswahl erfolgte aufgrund der zu diesem Zeitpunkt noch nicht freigelegten Implantate.
Nach Freilegung der Implantate (Camlog Promote Plus) wurde die Implantatposition mittels CEREC 3D eingescannt, das Abutment designt, ausgefräst und gesintert. Die Abutments wurden in 2-facher Ausführung hergestellt. Dadurch waren die Abutments ident. Binnen 3 Stunden wurde das Implantat mit diesem definitiven Abutment versorgt. Dieses okklusal nicht belastete Abutment verblieb vier Wochen im Patientenmund. Danach erfolgte der Wechsel mit dem bereits in der ersten Sitzung hergestellten Abutment. Dieses Abutment verblieb wieder vier Wochen im Mund des Patienten. Die Proben wurden bildgegenüberstellend verglichen.
Alle Proben wurden mittels einem Feldemissionsrasterelektronenmikroskop (FESEM - DSM 982 GEMINI Zeiss) untersucht.
Ergebnisse
An allen Proben konnte Attachment gefunden werden. Sowohl auf der Titanklebebasis als auch an der Keramik-Mesostruktur. Die Unterscheidung zwischen epithelialen und bindegewebigen Attachment kann aufgrund der Untersuchungsmethode nicht differenziert werden.
Schlussfolgerung
Es gibt keinen Unterschied zwischen dem einzeitigen Verfahren und dem zweizeitigen (two steps) Verfahren im Rahmen der Studie hinsichtlich mehr Zellanhaftung (Attachment) am Abutment. Die Klebefuge zwischen Titanklebebasis und Keramik-Mesostruktur ist ein limitierender Faktor.
14:30-14:45
Ziel: In der Studie wurde das Bruchverhalten verschiedener zirkonverstärkter Lithiumsilikatkeramiken (ZLS) in Abhängigkeit der Schichtstärke nach vorangeganger Kausimulation untersucht.
Material und Methode: Als ZLS CAD/CAM Material wurde Celtra Duo (Dentsply DeTrey, Konstanz) und Suprinity (Vita, Bad Säckingen) verwendet. Die Lithiumdisilikatkeramik e.max CAD (Ivoclar Vivadent, Schaan) diente als Kontrolle. Es wurden 5 unterschiedliche Gruppen entsprechend der Endbearbeitung (Politur/Brand) und der Befestigungsart (adhäsiv/konventionell) der Restauration gebildet: Gruppe (A): Celtra Duo, Politur, adhäsiv; Gruppe (B) Celtra Duo, Wärmebrand, adhäsiv; Gruppe (C) Suprinity, Kristallisationsbrand, adhäsiv; Gruppe (D): Suprinity, Kristallisationsbrand, konventionell; Gruppe (E): e.max CAD, Kristallisationsbrand, adhäsiv.
Pro Gruppe wurden jeweils 8 Kronen mit den Schichtstärken 0,5mm, 1,0mm und 1,5 mm angefertigt (Schleifmaschine CEREC MC XL, Sirona Bensheim) und auf SLA gefertigten Stümpfen auf Metacrylatbasis (E-Modul 2,5 GPa) verklebt (Flusssäure 5%, Syntac, Variolink II, Monobond Plus, Heliobond, Ivoclar Vivadent) bzw. konventionell zementiert (Ketac Cem, 3M Espe, Seefeld). Nach einer Kausimulation (1,2 Mio. Zyklen, Thermocycling 5°-55°C) erfolgte die visuelle Untersuchung auf initiale Frakturen im Durchlicht. Die unbeschädigten Kronen wurden dann weiter in einer Universalprüfmaschine auf ihre Bruchlast getestet.
Ergebnis: Die Angabe der Bruchlastwerte erfolgt als Mittelwert MW in der Einheit Newton, s bezeichnet die Anzahl der überlebenden Kronen nach Kaumsimulation.
Gruppe (A): 0,5mm (s=0), 1,0mm (s=1,MW=533N), 1,5mm (s=8,MW=702N), Gruppe (B): 0,5mm (s=1,MW=600N), 1,0mm (s=0), 1,5mm (s=8, MW=755N, Gruppe (C): 0,5mm (s=3,MW=660N), 1,0mm (s=6,MW=614N), 1,5mm (s=8,MW=1092N), Gruppe (D): 0,5mm (s=0), 1,0mm (s=8,MW=651N), 1,5mm (s=8,MW=1129N), Gruppe (E): 0,5mm (s=1,MW=608N), 1,0mm (s=8,MW=774N), 1,5mm (s=8,MW=1240N).
Schlussfolgerung: Unter Annahme einer maximalen Kaubelastung von 600-800N erscheinen sämtliche CAD/CAM Materialien der Schichtstärke 1,5mm für den klinischen Einsatz geeignet. Bei der Schichtstärke 1,0mm gibt es signifikante Unterschiede je nach Material.
14:45-15:00
Ziel:Ziel dieser Pilotstudie war die Entwicklung einer neuen Methode zur Genauigkeitsbestimmung digitaler Scansysteme bei Ganzkieferaufnahmen ohne "best-fit-Überlagerung" der Modelldatensätze.
Methode: Basis der In-vitro-Studie war ein Polyurethanmodell mit einem DIN-geprüften absolut geraden Referenzkörper aus Edelstahl zwischen rechtem und linkem Quadranten in Molarenregion. Der Referenzkörper wurde zur Generierung des Referenzdatensatzes mittels Koordinatenmessmaschine vermessen. Die Erhebung der Testdatensätze erfolgte mittels 1.) direkter Digitalisierung mit einem Intraoralscanner (True Definition: TRD; n=12) und 2.) indirekter Digitalisierung mit einem Laborscanner (D810: CON; n=12) nach Abformung/Gipsmodellherstellung. Die resultierenden Geometrien des Referenzdatensatzes sowie die der Testdatensätze wurden anhand derselben Methodik mittels Geomagic Qualify vermessen. Analysiert wurden lineare räumliche Abweichungen in X-, Y-, und Z-Achse, sowie Rotationsparameter (Gesamtrotation sowie frontal/transversal) in Form von Winkelabweichungen der beiden Enden des Referenzkörpers zueinander.
Ergebnisse: Bezüglich der Länge zeigte CON mit einem Mittelwert von 0,077 (±0,036)mm keinen signifikanten Unterschied zu TRD 0,089 (±0,048)mm. Hinsichtlich der linearen räumlichen Abweichung zeigten sich signifikante Unterschiede in der Y-Achse (CON: 0,154 (±0,304)mm; TRD: -0,185 (±0,064)mm; p=0,003) sowie der Z-Achse (CON: 0,042 (±0,076)mm; TRD: -0,027 (±0,078)mm; p=0,040). In der X-Achse zeigten sich keine signifikanten Unterschiede (CON: 0,068 (±0,037)mm; TRD: 0,099 (±0,048)mm). Bezüglich der Gesamtrotation (p=0,006) sowie speziell in frontaler Ebene (p=0,005) zeigte TRD signifikant kleinere Werte als CON, wohingegen in transversaler Ebene keine Unterschiede gefunden werden konnten.
Schlussfolgerung: Die vorliegende Studie stellt eine innovative Methode ohne "best-fit-Überlagerung" zur Bestimmung der Genauigkeit intraoraler digitaler Scansysteme bei Ganzkieferaufnahmen dar. Hierbei zeigte die direkte Digitalisierung mittels True Definition bezüglich des Referenzkörpers eine geringere räumliche Abweichung und somit eine höhere Genauigkeit als die indirekte Digitalisierung.
Kurzvorträge Zahnerhaltung (Substanz 1+2) , Prof. Dr. Roland Frankenberger
09:00-09:15
ZIEL: Bewertung eines neuen Therapieansatzes zur Behandlung von Glattflächen-Karies in primärem klinisch erkennbaren Stadium (White Spots) mittels Anwendung von selbstorganisierenden Peptiden (self-assembling peptides [SAPs])
MATERIAL UND METHODE: Vergleich der zu bewertenden Therapiemethode mit dem "Goldstandard"
Definition "Goldstandard": mehrfache Applikation von Fluorid haltigem Lack; Inhibition des Schmelzdegenerationsprozesses durch Remineralisation.
Die Anwendung von SAPs zielt auf die Regeneration demineralisierten Zahnschmelzes ab.
35 Probanden wurden für die Studie vorgesehen und erklärten sich bereit zur Teilnahme.
Studienprotokoll: monozentrisch, kontrolliert, randomisiert, verblindet, split-mouth design
Dauer: 1 Jahr; Messungen anTag 30/90/180/365
Test: Anwendung von CurodontTM Repair, Wirkstoff SAPs P11-4
Kontrolle: Anwendung von DuraphatTM Lack, Wirkstoff Natriumfluorid
Einschlusskriterien:
• Vorhandensein von mindestens 2 kariösen Läsionen -bukkal/labial- je Proband, welche noch nicht invasiv behandlungsbedürftig waren.
• Alter: ≥ 10 Jahre und ≤ 65 Jahre
• Gute orale Hygiene vorhanden
Ausschlusskriterien:
• Patienten mit einer zweiten kariösen Läsion am zu untersuchenden Zahn
• Schmelzabrasion, Erosionen, Initialkaries nach vorausgegangener kieferorthopädischer Behandlung
• Auffälligkeiten im Speichelfluss oder Xerostomie
Auswertungskriterium:
Veränderung der Läsions-Fläche, Messung mittels standardisierter fotografischer Dokumentation und Vermessung mit ImageJ-Softwaren (Version 1.47m, Wayne Rasband, National Institutes of Health, USA). Statistische Auswertung mit Statistik-Programm SPSS (Ver. 18.0, SPSS Inc., Chicago, USA)
RESULTAT: Die Anwendung von SAPs führt zu Größenreduzierung vestibulärer Glattflächenläsionen.
SCHLUSSFOLGERUNG: Aktuell (Mai 2015) haben 2/3 der Teilnehmer die Studie vollständig absolviert. Daher kann auf die voraussichtlichen Ergebnisse, welche im November 2015 vorliegen werden, Bezug genommen werden.
Die Anwendung von SAPs zur Therapie primärer Glattflächenläsionen ist erfolgreich und - nach den vorliegenden Zwischenergebnissen - mindestens gleichwertig oder überlegen mit der Anwendung von Fluorid haltigem Lack.
09:15-09:30
Füllungsmaterialien mit dem Zusatz von Dimethylaminododecyl-methacrylat (DMADDM) weisen biofilminhibierende Eigenschaften auf. Die Zielstellung der Untersuchung war die Bestimmung der Wirkstofffreisetzung von DMADDM aus Glasionomerzement (GIZ) und die Prüfung des Materials im In-vitro-Kavitätenmodell.
DMADDM wurde einem kommerziell verfügbaren GIZ zu Anteilen von 1,1 und 2,2 Gew.% zugesetzt. GIZ ohne Zusatz von DMADDM diente als Kontrolle. Die Messung der DMADDM-Freisetzung erfolgte an Prüfkörpern (d: 5 mm, h: 1 mm) mittels LC-MS/MS. Die Prüfkörper wurden in 100 μl Wasser, das stündlich erneuert wurde, für 24h gelagert. Weitere Prüfkörper wurden für 6 Monate in 500 ml Wasser gelagert.
Randschlussverhalten und Verschleißfestigkeit wurden im In-vitro-Kavitätenmodell geprüft. Nach Präparation von Klasse-I- und Klasse-V-Kavitäten in Oberkiefer-Molaren (jeweils n = 8) und Applikation der Füllungen erfolgten thermische Belastung (5000 Zyklen, 5 °C / 55 °C, je 30 s) und Kaudrucksimulation (100.000 Zyklen, 55 N). Nach Legen der Füllungen, thermischer sowie mechanischer Belastung wurden Silikonabformungen vorgenommen. Die Abformungen wurden zur Herstellung von Repliken mit einem Kunststoff ausgegossen, die Oberflächen der Repliken besputtert und im Rasterelektronenmikroskop untersucht.
Für frisch präparierte Prüfkörper waren für 1,1 und 2,2 Gew.% DMADDM enthaltende GIZ nach einer Stunde 12 bzw. 140 µg DMADDM /l Wasser nachweisbar. Die DMADDM-Konzentrationen des Wassers sanken kontinuierlich bis zu Werten nahe der Nachweisgrenze (1 μg/l) nach 12 h. Nach Lagerung der Prüfkörper für 6 Monate in Wasser, war der Nachweis von DMADDM nicht mehr möglich. Die Ergebnisse der Randanalyse und Verschleißfestigkeit unterschieden sich weder hinsichtlich des DMADDM Gehalts noch bezüglich der Kavitätenklasse. Unabhängig vom DMADDM Gehalt kam es sowohl zu Baseline als auch nach thermo-mechanischer Belastung zu lokalisierten Randspaltformationen.
Die kurzzeitig nachweisbare Freisetzung von DMADDM führte für die experimentellen GIZs im In-vitro-Kavitätenmodell unter den gewählten Bedingungen nicht zu einer Zunahme von Randspaltformationen.
Forschungsgemeinschaft Dental e.V. (05/2013)
09:30-09:45
Zielstellung: Studien zur Erfolgsbewertung von direkten Überkappungen liefern sehr heterogene Ergebnisse. Ziel der vorliegenden Untersuchung war es daher, den Erfolg direkter Überkappungen in einer großen Stichprobe unter Praxisbedingungen zu untersuchen.
Methode: Zur Analyse standen Abrechnungsdaten einer großen deutschen gesetzlichen Krankenkasse zur Verfügung. Nur Versicherte, die über den gesamten Beobachtungszeitraum von drei Jahren dort versichert waren, wurden in die Analyse einbezogen. Alle Zähne dieser Versicherten, die im entsprechenden Zeitraum eine direkte Überkappungsbehandlung erfuhren, wurden im Rahmen einer Überlebenszeitanalyse nach Kaplan und Meier auf das Zielereignis "Initiierung einer Wurzelbehandlung" hin untersucht. Potenzielle Zusammenhänge zu Alter und Zahnart wurden untersucht und mittels Log-Rank-Test auf Signifikanz hin überprüft (p = 0,05).
Ergebnisse: 148.312 Zähne entsprachen den Einschlusskriterien. Die kumulative Erfolgsrate zum Dreijahreszeitpunkt betrug 71,6 %. Sehr junge und sehr alte Patienten zeigten deutlich höhere Erfolgsraten. Einwurzelige Zähne zeigten signifikant bessere Ergebnisse als mehrwurzelige.
Konklusion: Mehr als zwei Drittel der direkt überkappten Zähne mussten im Rahmen der Beobachtungszeit keine endodontische Behandlung erfahren. Die direkte Überkappung kann daher auch im Praxisalltag als eine einfache Methode zur Vitalerhaltung mit gutem Erfolgspotenzial angesehen werden. Im Hinblick auf die methodischen Limitationen der Analyse sollten die Ergebnisse der Altersverteilung der Erfolgsraten mit Vorsicht interpretiert werden.
09:45-10:00
Einleitung
Erfolgreiche Wurzelkanalbehandlung wird durch genaue Kenntnis der Morphologie des Wurzelkanalsystems verbessert.
Material/Methode
Wurzelkanal-Konfiguration und Anzahl an Haupt-Foramina von 179 ersten und 123 zweiten Oberkiefermolaren wurde mittels Micro-Computer Tomographie untersucht. In einem 4-stelligen numerischen Code wurde die Wurzelkanal-Konfiguration über das koronale, mittlere und apikale Drittel und die Anzahl an Haupt-Foramina beschrieben. Die Daten wurden statistisch ausgewertet.
Ergebnisse
Die Wurzeln der ersten Oberkiefer-Molaren zeigten, dass die apikale Wurzelkanal-Konfiguration meist der Anzahl der Haupt-Foramina entsprach oder selten geringer war (mb = 16,9%; db = 1,2%; p = 0,6%). Die am häufigsten beobachteten Wurzelkanal-Konfigurationen/Anzahl an Haupt-Foramina in der mesio-bukkalen Wurzel waren 1-1-1/1 (45,8%), 2-2-2/2 (25,1%), 2-2-1/1 (10,1%) und 2-1-1/1 (3,9%); 1-1-1/1 (97,2%) in der disto-bukkalen Wurzel und 1-1-1/1 (98,9%) in der palatinalen Wurzel. Die Wurzeln der zweiten Oberkiefer-Molaren zeigten, dass die apikale Wurzelkanal-Konfiguration der Anzahl an Haupt-Foramina meist auch entsprach oder dass die Anzahl der Foramina etwas niedriger war (mb = 27,6%; db = 0,8% db und p = 0,0%). Die am häufigsten beobachteten Wurzelkanal-Konfigurationen/Anzahl an Haupt-Foramina in der mesio-bukkalen Wurzel waren 2-2-2/2 (19,5%), 2-2-1/1 (14,6%) und 2-1-1/1 (13,0%); 1-1-1/1 (93,5%) in der disto-bukkalen und 1-1-1/1 (96,7%) in der palatinalen Wurzel.
Schlußfolgerung
• Die Wurzelkanal-Konfiguration der oberen Molaren variiert sehr;
• die mesio-bukkale Wurzel des ersten oberen Molaren hat in 53,7, 42,2 und 4,1% ein, zwei und drei Wurzelkanaleingänge
• zweite obere Molaren haben überwiegend zwei Wurzelkanaleingänge;
• 61,0% und 28,4% des ersten bzw. zweiten Molaren haben nur ein Haupt-Foramen
• die Morphologie der apikalen Wurzelkanal-Konfiguration/Anzahl an Haupt-Foramina war 2/2 in 33,0% (erste) und 39,8% (zweite) in den mesio-bukkalen Wurzeln.
10:00-10:15
Das Ziel dieser In-vitro-Untersuchung war es, ein alternatives Verfahren zum Entfernen frakturierter endodontischer Instrumenten mit einer Tube-Technik zu bewerten. Dabei wurde lichthärtendes Kompositmaterial anstelle von den derzeit favorisierten Materialien (dualhärtendes Komposit oder Sekundenkleber) verwendet.
Von zwei verschiedenen Arten von Edelstahl-Wurzelkanalinstrumenten (Hedström-Feilen / K-Feilen; VDW, München, Deutschland) wurden standardisiert die Enden bei einem Durchmesser von 0,4 mm abgetrennt. Die Fragmente wurden so in einen Schraubstock eingespannt, dass ein definierter Teil des Instruments herausragte (1 mm / 2 mm). Danach wurden Edelstahl-Kanülen (= Tube, N'Durance, Septodont, Saint-Maur, Frankreich) mit Sekundenkleber (Instant Fix, Henry Schein Dental, Melville, USA), dualhärtendem Komposit (Rebilda DC, VOCO, Cuxhaven, Deutschland) oder lichthärtendem Komposit (SureFil SDR, Dentsply, York, USA) vorbereitet. Diese wurden über den freien Teil des Fragments gestülpt und dort fixiert, bis die Polymerisation des jeweiligen Materials abgeschlossen war. Im Anschluss folgten Zugversuche, die zu einem Versagen der Verbindung zwischen der Tube und den darin fixierten Fragmenten führen sollten. Die dafür notwendige Kraft wurde digital gemessen. Mit Hilfe des Kruskal-Wallis-Tests gefolgt vom Dunn-Test für den paarweisen Vergleich wurden die Daten statistisch analysiert.
Die mittlere Versagenslast betrug 62,5 N für SDR, 35,8 N für Rebilda und 14,7 N für Sekundenkleber. Beide getesteten Komposite ließen signifikant höhere Zugkräfte zu als der Sekundenkleber. Die Trennkraft war am höchsten, wenn SDR zur Fixierung verwendet wurde.
Bei der Verbindung zwischen den Fixierungsmaterialien und Hedström-Feilen wurden signifikant höhere Werten erzielt als zwischen den Materialien und den K-Feilen. So lag die Kraft im Median bei 79,7 N (IQR: 66,0 N - 86,8 N) für Hedström-Feilen und bei 53,3 N (IQR: 47,1 N - 58,5 N) für K-Feilen bei der Verwendung von SDR.
Innerhalb der Grenzen dieser Studie konnte beim Verwenden des lichthärtenden Komposit "Surefil SDR" die größte Abzugskraft erzielt werden, womit es den gängigen Materialien überlegen zu sein scheint.
10:15-10:30
Introduction The dietary pigment curcumin is a natural polyphenol extracted from the Curcuma longa rhizomes native of South Asia. The antioxidative, antimicrobial and anti-inflammatory activities besides its unknown side effects suggest that curcumin could be a promising antiresorptive agent to prevent replacement resorption in replanted teeth following traumatic avulsion. Piperine, an alkaloid present in black pepper, seems to enhance the bioavailability and activity of curcumin. Therefore, this study evaluated the biocompatibility of curcumin and piperine in cultures of periodontal ligament cells as well as theirs effects in an in vitro osteoclastogenesis model of RAW 264.7 macrophages. Methods The cytotoxicity in human periodontal ligament fibroblasts (hPLF), human osteogenic sarcoma cells (SAOS-2) and murine osteoclastic precursors (RAW 264.7) was analyzed using cell number determination and proliferation assays. The ability of curcumin and its conjugate to suppress the RANKL-induced osteoclastogenesis was assessed by TRAP staining and activity as well as real-time PCR. Results Curcumin at concentrations ≥ 10 µM was cytotoxic in all cell types tested, whereas piperine showed only slight cytotoxicity at 30 µM in RAW and SAOS cultures. Although curcumin caused already significant effects, the combination with piperine completely suppressed the osteoclastogenesis by decreasing the TRAP activity and inhibiting the expression of the specific osteoclast markers TRAP, cathepsin K and calcitonin receptor. Conclusions We demonstrated that curcumin combined with piperine suppressed the osteoclastogenesis in vitro without causing cytotoxic effects in periodontal ligament cells. These findings suggest its potential therapeutic application for the prevention and treatment of replacement resorption in replanted avulsed teeth.
Kurzvorträge Freie Themen II (Substanz 1+2) , PD Dr. Anne Wolowski
11:00-11:15
Ziel: Bisphosphonate (BP) können zu einer Hemmung der Angiogenese sowie einer gestörten Wundheilung führen. Diese Faktoren können mit der Entstehung der BP-assoziierten Kiefernekrose in Zusammenhang stehen. Die vorliegende Studie untersucht die Änderungen des Genexpressions-Profils humaner Endothelzellen (HUVEC) durch strukturell unterschiedliche Bisphosphonate.
Material und Methoden: HUVEC wurden für 48 h in vitro mit einem nicht-stickstoffhaltigen BP (Clodronat) und drei stickstoffhaltigen BP (Ibandronat, Pamidronat und Zoledronat (ZOL)) in Konzentrationen von 0,5-100 µM kultiviert. Die mRNA-Expression repräsentativer Gene für die Angiogenese (VEGFR-1, VEGFR-2), die extrazelluläre Matrix-Reorganisation (MMP-2, TIMP-1, TIMP-2) sowie für die leukozytäre Zelladhäsion und -migration (PECAM-1, ICAM-1 und VCAM-1) wurden anschließend mittels Real-time PCR quantifiziert.
Ergebnisse: Stickstoffhaltige BP induzierten einen konzentrationsabhängigen Anstieg der Genexpression des VEGFR-1 (2.6-fach, 100 μM ZOL) und VEGFR-2 (2.7-fach, 100 μM ZOL). Clodronat hatte keine Auswirkung auf die VEGFR-1- und -2-Genexpression. Alle BP führten ab einer Konzentration von 5 µM zu einem reduzierten MMP-2/TIMP-1 (0.4-fold, 5 μM ZOL) sowie MMP-2/TIMP-2 Verhältnis (0.3-fach, 5 μM ZOL). Die stickstoffhaltigen BP induzierten einen konzentrationsabhängigen Anstieg der Genexpression aller untersuchter Adhäsionsmoleküle-1 (ICAM-1: 3.3-fach, 100 μM ZOL), Clodronat hatte keinen signifikanten Einfluss.
Schlussfolgerung: Der antiangiogenetische Effekt der BP konnte in vitro nicht auf eine verringerte Genexpression des VEGFR-1 und -2 zurückgeführt werden. Die Änderungen in der extrazellulären Matrix-Degradation sowie die erhöhte Expression von Adhäsionsmolekülen zur Leukozytenmigration könnten eine Ursache für die beeinträchtigte Wundheilung bei der BP-assoziierten Kiefernekrose darstellen.
11:15-11:30
Zielsetzung:
Für die klinische Anwendung ist es bedeutend einfache und gleichzeitig effektive Therapiekonzepte zu entwickeln. Ziel dieser Studie war es die Gewebeantwort auf zwei unterschiedliche i-PRF-Protokolle, die sich in der Zentrifugationszeit- und stärke unterschieden, in Kombination mit einer Kollagenmembran (Mucograft®) in vivo zu untersuchen.
Material und Methoden:
Die beiden i-PRF Matrices wurden aus peripher entnommenem humanen Blut durch Zentrifugation gewonnen und die Membran darin getränkt. Das Komposit wurde dann für 10 Tage subkutan in SCID-Mäuse implantiert. Zur Beurteilung der resultierenden Vaskularisierung und zur Erstellung des Zellprofils wurden immunhistochemische Färbungen mit CD3 (T-Lymphozyt), CD20 (B-Lymphozyt), CD31 (Endothelzelle), CD34 (Blutstammzelle) und CD68 (Makrophage) durchgeführt. Des Weiteren erfolgte eine histomorphometrische Auswertung der Gefäß- und Zellverteilung in der Kollagenmatrix und im Implantationsbett.
Ergebnisse:
Die histologische Auswertung zeigt Unterschiede bzgl. des Zellprofils sowie der Gefäßdichte in Abhängigkeit der beiden i-PRF-Protokolle. Während sich in den Schnitten von i-PRF A) sowohl B- als auch T-Lymphozyten und Makrophagen innerhalb der Membran vorfinden lassen, zeigen die Schnitte von i-PRF B) keine Positivität für die untersuchten Zelltypen. Eine Gemeinsamkeit der Protokolle besteht in der Negativität für Blutstammzellen. Die Gefäßmenge betreffend lässt sich ebenfalls eine Diskrepanz zu Gunsten von i-PRF A) erkennen.
Schlussfolgerung:
Durch die Kombination von i-PRF und Mucograft® erhält man eine volumenstabile und mit Blutzellen sowie den von ihnen produzierten Wachstumsfaktoren angereicherte Kollagenmembran. Diese Kombination führt sowohl zu einer verlängerten Persistenz des i-PRF im Wundgebiet als auch zu einer gesteigerten Vaskularisierung. Diese Annahme wird unterstützt durch die Tatsache, dass die Präsenz von Leukozyten im i-PRF A) mit einer erhöhten Gefäßdichte korreliert im Vergleich zu i-PRF B), dem diese Zellen fehlen. Somit kann durch Leukozyten und den von ihnen freigesetzten Faktoren eine verstärkte Angiogenese und damit gesteigerte Progression der Wundheilung erreicht werden.
11:30-11:45
Unter dem Begriff "Zahnärztliche Ergonomie" scheint ausschließlich die Einnahme und konsequente Beibehaltung einer korrekten Arbeitshaltung am zahnärztlichen Behandlungsplatz zur Vermeidung von muskuloskelettalen Beschwerden verstanden zu werden. Jeder weiß allerdings wie schwierig dies unter den gegebenen Umständen der Geräteausstattung, insbes. im Zusammenspiel mit der Stuhlassistenz und Berücksichtigung der Patienten ist. Ein tägliches schlechtes Gewissen ist oft die Folge - Schmerzen gehören halt dazu! Diese Sicht ist allerdings zu eng und muss erweitert werden.
Zahnärztliche Ergonomie betrifft alle Aspekte einer effektiven und effizienten Patientenbehandlung ohne dass dadurch das Zahnarztteam und seine Patienten einen gesundheitlichen Schaden erleiden. Nach Hokwerda (2014) sind drei Domäne zu verzeichnen, die sich gegenseitig beeinflussen aber gleichzeitig Grundstein für eine ausgewogene Work-Life-Balance, für eine gesunde, motivierende und somit erfolgreiche Berufsausübung sind.
1. Die Physische Ergonomie betrifft die physischen und visuellen Aspekte aller Arbeitsvorgänge und inhärenter Gesundheitsprobleme, wie Arbeitshaltung, Instrumentenhandling, Bewegungsabläufe, Sehqualität und Sehlinien, optische Hilfsmittel, Arbeitsplatzlayout und eine sichere und gesunde Arbeitsweise.
2. Die Kognitive oder Mentale Ergonomie beschäftigt sich mit mentalen Prozessen, wie Informationsverarbeitung, Perzeption, Gedächtnis, Begründung von Behandlungsschritten, Ansteuern von psychomotorischen Handlungen und Umgang mit einer akzeptablen Arbeitsbelastung.
3. Die Sozial-organisatorische Ergonomie ist die Domäne der gesunden Arbeitsweise durch Organisation und Zusammenarbeit. Ziel der Praxisorganisation ist es, eine gute medizinische Dienstleistung zu erbringen, die Sicherstellung einer ausreichenden Produktivität und die Förderung der Gesundheit und des Wohlbefindens des Praxisteams. Dazu gehören Management, Organisation, Kommunikation und Beratung, Managementinformationssysteme und Personalführung.
11:45-12:00
Fragestellung: Die Plastische Wiederherstellung von Körpergewebsverlusten durch Tumor, Unfall oder Fehlbildung war in der Chirurgie schon lange eine Herausvorderung, die bislang jedoch häufig nicht zuriedenstellend gelöst werden konnte. Besonders die Planung und die evidenzbasierte Dokumentation des Plastischen Resultats liess auch in der jüngsten Vergangenheit noch Wünsche zur Verbesserung offen. Deshalb wurde vor 40 Jahren ein interdisziplinärer Ansatz initiiert, Gewebsdefekte zunächst auf der Basis der Plastischen Kunst, der Chirurgie, der Zahnmedizin, der Implantologie und schliesslich auch des Tissue Engineering wieder herzustellen.
Methode: Zunächst wurden Methoden und Materialen entwickelt, Defekte mittels weichbleibenden Materialien plastisch und ästhetisch in Form und Farbe wieder herzustellen. Kamen bis dahin hauptsächlich harte Kunststoffe zum Einsatz, so wurden seit 1970 vermehrt weichbleibende Silikone zur medizinischen Anwendung entwickelt. Im speziellen wurden aus künstlerischer und prothetischer Sicht ästhetische Epithesen und Exoprothesen hergestellt, sowie auch neue Methoden zur Retention dieser Hilfsmittel für die Wiederherstellungschirurgie und die angrenzenden Fachbereiche entwickelt.
Resultate: Neuartige Implantatsysteme und Silikonepithesen, neue Fixierungselemente mit neuartigen prothetischen Konstruktionen sowie auch künstlerisch ästhetische Mammaepithesen machten den grossen Bedarf an Soft Tissue und die plastische Wiederherstellung klar und führten schliesslich zur Produktion und medizinischen Anwendung eines Mineralischen Granulats zur Wundregeneration und zum Tissue Engineering in situ.
Schlussfolgerung: Die Vergesellschaftung von Plastischer Kunst, zahnärztlicher Prothetik und Implantologie in interdisziplinärer Kooperation mit allen chirurgischen Fachbereichen führte zur Entwicklung einer Reihe neuartiger Rehabilitationsmethoden und schliesslich zu einer neuen Methode zur Gewebsregeneration, die auch bei multiresistenten Keimen erfolgreich eingesetzt werden konnte. Können die Resultate aus dieser klinischen Entwicklung künftig klinisch relevant und konstruktiv zum Einsatz kommen?
12:00-12:15
Einleitung:
Seit der Beteiligung der Bundeswehr in Afghanistan ist auch der zahnärztliche Dienst mit seinen Zahnärzten in Afghanistan vertreten. Dabei sind sie für die zahnärztliche Versorgung der beteiligten Truppen zuständig und in ausgewählten Fällen auch für die zahnmedizinische Versorgung der zivil Bevölkerung.
Material und Methode:
Untersucht wurde das Patientenaufkommen aus dem letzten Kontingent. Dabei wurden nicht nur die absoluten Zahlen erfasst, sondern auch die Art und Weise der Behandlung mit erfasst und ausgewertet. Dabei wurde Wert auf eine Betrachtung der gesamten Zahnheilkunde gelegt und nicht ein Schwerpunkt auf ein Teilgebiet gelegt.
Ergebnisse:
Die Zahnmedizin gewährt nach wie vor eine Behandlung auf einem Niveau welches den Vergleich mit Deutschland nicht scheuen braucht. Die materielle Ausstattung steht mit der maschinellen Wurzelkanalbehandlung und dem digitalem Röntgen auf einem sehr hohen Standard. Aufgrund der Vielschichtigkeit der beteiligten Nationen und der Vielschichtigkeit der zahnmedizinischen Versorgung in deren Länder, ist ein hohes Maß an Improvisationsvermögen gefragt und ein entsprechend weit aufgestelltes Wissen.
Diskussion:
Die Beteiligung der Zahnmedizin an den Auslandseinsätzen der Bundeswehr erfüllt mehrere Aufgaben. Zum einen, und das ist sicherlich der wichtigste Punkt, sichert sie die zahnmedizinische Versorgung und Behandlung der eigenen Soldaten und damit auch die Auftragserfüllung des einzelnen Soldaten. Das gleiche wird auch bei den beteiligten Nationen erreicht, vor allem bei den Nationen, welche über keinen oder einer nur sehr vereinzelt vorhandenen militärzahnärztlichen Dienst verfügen. Weiterhin sichern die Einsätze auch die Erweiterung der zahnärztlichen Erfahrung, zum einen für den einzelnen, aber zum anderen auch über den Rückfluss in die Streitkräfte, die Erfahrung für alle.
12:15-12:30
Der Markt für den Verkauf und Kauf von Zahnarztpraxen befindet sich aktuell in einer Umbruchphase. Seit dem Jahr 2007 ist die Anzahl der zahnärztlichen Existenzgrün-der rückläufig. Binnen acht Jahren sank die Anzahl der in eigener Praxis niederge-lassenen Zahnärzte um mehr als 2.800 bzw. um 5,1 Prozent (KZBV, 2014). Parallel nahm die Anzahl der angestellten Zahnärzte um mehr als 6.800 bzw. 107 Prozent spürbar zu (BZÄK, 2014). Für die Veräußerung von Zahnarztpraxen bedeutet dies, dass aus dem bis zum Jahr 2006 erkennbaren Nachfrageüberhang mittlerweile ein Angebotsüberhang geworden ist. Trotz der aktuell günstigen Angebotssituation für die Erwerber bestehender Praxen ist bis dato keine Trendumkehr erkennbar.
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