Hauptpogramm Freitag, 7. November

Freitag, 07.11.2014
Kongresseröffnung (Saal Harmonie)
08:15-09:30
Die diagnostische molekulare Pathologie ist ein wesentlicher Teil der gewebebasierten Diagnostik und des klinischen Managements sowohl von Infektionskrankheiten und Tumoren als auch für die pharmazeutische Entwicklung neuer antitumoraler Medikamente. Das "ganz intensive Lesen" im Gewebe eines Patienten und das Erzielen kombinierter Informationen über die Morphologie, Genetik, Proteomik sowie die Epigenetik sind eine Herausforderung und eine Chance für die moderne anatomische Pathologie.
Im Routineprozess der gewebebasierten Diagnostik und in der translationalen Krebsforschung erlangt die Anwendung neuer Techniken eine immer größer werdende Bedeutung. Die bedeutendsten anstehenden Herausforderungen sind
• der direkte Nachweis eines breiten Spektrums von Mikroorganismen in Operationspräparaten,
• die präzise und reproduzierbare Diagnose maligner Tumoren - einschließlich seltener Läsionen - und die Aufstellung international anerkannter diagnostischer Algorithmen,
• die Bestimmung der individuellen Prognose des betroffenen Patienten,
• die Beurteilung der Wahrscheinlichkeit von Metastasen, beispielsweise im klinischen Stadium M0 zum Zeitpunkt der Tumordiagnose, und
• die Vorhersage des Ansprechens bzw. der Resistenz einzelner Tumoren.

Aufgrund der immer weiter fortschreitenden technischen Entwicklungen im Bereich der Immunohistochemie und der In-situ-Hybridisierung im Verbund mit unterschiedlichen molekularen und rechnergestützten Techniken hat die Bedeutung der diagnostischen Histopathologie in den vergangenen zehn Jahren dramatisch zugenommen. Die neuen Techniken werden bei standardisierten operativen Verfahren und unter kontinuierlicher Qualitätskontrolle angewandt. Die kombinierte Anwendung der unterschiedlichen Herangehensweisen wird die Wichtigkeit histologischer Diagnosen und ihre prädiktive Genauigkeit weiter verbessern.
In der Onkologie werden in den Kliniken durch die Anwendung neuer zielgerichteter Wirkstoffe, wie zum Beispiel therapeutische Antikörper oder Kinasehemmer, vielversprechende Ergebnisse erzielt. Allerdings sind diese zielgerichteten Präparate nur bei einer begrenzten Zahl von Tumoren, die die Zielmoleküle exprimieren, wirksam. Eine neue, Erfolg versprechende diagnostische Technologie basiert auf Multi-Gen-Analysen, mit deren Hilfe beispielsweise der Erfolg bzw. das Ansprechen auf eine Chemotherapie prognostiziert werden kann.
Schlussendlich sollten alle Bemühungen darauf zielen, die gewebebasierte Diagnose und ihre prädiktive Bedeutung zu verbessern und den Klinikern alle für eine optimale Behandlung benötigten Informationen zur Verfügung zu stellen.
Zahnerhaltung/Kinder-Zahnheilkunde/Kieferorthopädie (Saal Harmonie) , Prof. Dr. Ulrich Schiffner
09:30-10:00
Erkrankungen der Zähne sind im Wesentlichen prinzipiell vermeidbare Erkrankungen. Als Konsequenz wird gerne deren Vorbeugung der individuellen Verantwortung übertragen. Dass dieses Denken zu kurz greift, zeigen insbesondere die epidemiologischen Daten für die Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen. Hier sind einerseits unsere oralpräventiven Erfolge am deutlichsten, andererseits sehen wir hier aber auch die stärkste Polarisierung der Karies. 70% der Zwölfjährigen haben ein naturgesundes Gebiss, während 10% etwa 60% aller kariösen Schäden zu tragen haben. Dass diese 10% im Wesentlichen aus schwierigen sozialen Lagen stammen, ist kein Zufall. Kinder, die in einem solchen Umfeld aufwachsen, haben auch in der Oralprävention nicht die gleichen Chancen wie ihre Altersgenossen aus gut situierten Schichten. Wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen auch, muss das Prinzip "Eigenverantwortung und Solidarität" lauten. Wer also noch nicht, nicht mehr oder aufgrund seiner körperlichen oder geistigen Konstitution grundsätzlich nicht im Stande ist, selbst für seine Gesundheitsvorsorge Verantwortung zu übernehmen, braucht die Unterstützung des Gemeinwesens. Neben gesellschaftlichen Risikogruppen betrifft das vor allem Pflegebedürftige sowie Menschen mit Behinderungen. Aber auch die, die nicht zu diesem Personenkreis gehören, wissen aus eigener Erfahrung, dass sie ohne unterstützende Strukturen gerade in der Prävention nicht das erreichen, was erreichbar wäre. Deshalb brauchen wir in der Prävention, aufbauend auf dem bereits Erreichten, ergänzende neue Ansätze und zwar in vielerlei Hinsicht. Viel muss über die stärkere Mobilisierung des individuellen präventiven Engagements geleistet werden, denn Eigenverantwortung kommt vor der Solidarität. Aber wir brauchen auch mehr präventiv ausgerichtete Strukturen für Risikogruppen, in der Pflege und bei Menschen mit Behinderungen. Möglichkeiten bieten z.B. die betriebliche Prävention sowie Elemente der kollektiven bzw. Verhältnisprävention.
10:00-10:30
Die zahnmedizinische Prävention kann auf beispiellose Erfolge zurückblicken: Die Kariesprävalenz bei Jugendlichen konnte um 90% reduziert werden. Auch im Milchgebiss konnten Kariesreduktionen von über 50% in den letzten 3 Jahrzehnten festgestellt werden. Allerdings fällt der Kariesrückgang im Milchgebiss deutlich geringer aus als in der permanenten Dentition und hier scheint auch schon eine Stagnation einzutreten, in einigen Bundesländern sogar ein leichter Anstieg.
Somit sind bis zum Alter von 12 Jahren in Deutschland ungefähr 3fach so viele Milchzähne wegen Karies zu therapieren wie permanente Zähne.
Im Vortrag werden der Kariesrückgang bei Kindern und Jugendlichen für die permanente Dentition und das Milchgebiss beleuchtet, die potentiellen Gründe die deutlichen Unterschiede herausgearbeitet und Lösungsstrategien für eine weitere Absenkung der Kariesraten im Milchgebiss entwickelt.
10:30-11:00
Im Rahmen einer kieferorthopädischen Therapie können funktionelle, dentale sowie skelettale Ansätze erforderlich werden. Skelettale Ansätze setzen natürliches Wachstum voraus. Da eine schuldunabhängige und somit nicht immer ursachenspezifische Vorgehensweise bei Kreuzbissen und Anomalien des progenen Formenkreises aufgrund der potentiellen Gefahr einer Schädigung der Kiefergelenke indiziert ist, gilt es maximale Wachstumsimpulse auf die häufig auch unterentwickelte Maxilla zu geben. Das physiologische maxilläre Wachstum läuft zu größten Teilen bereits vor einer kieferorthopädischen Normalbehandlung ab. Aus präventionsorientierte Sicht muss daher eine maxilläre Nachentwicklung bereits im Rahmen der kieferorthopädischen Frühbehandlung erfolgen, um Kreuzbiss und progene Entwicklungen dauerhaft erfolgreich zu harmonisieren. Dieser frühe skelettale Ansatz besitzt neben skelettalen Effekten auch funktionelle, die wiederum physiologisches Wachstum unterstützen.
11:00-11:30
Pause
Zahnerhaltung (Illusion) , Prof. Dr. Michael J. Noack
09:30-10:00
Minimalinvasive Restaurationstechniken sollen verhindern, dass bereits vorhandenen Zahnschäden weitere hinzufügt werden. Fälschlicherweise wird der Begriff "minimalinvasiv" oft auf die Präparation kleiner Kavitäten bei primären Kariesläsionen reduziert, was aber paradoxerweise dazu führen kann, dass kariöse Läsionen (minimal)invasiv angegangen werden, die gar keiner restaurativen Therapie bedürfen. Der Vortrag fasst deshalb den Begriff "minimalinvasive Restaurationstechnik" deutlich weiter, zumal damit im Grunde nichts anderes gemeint ist, als eine schonende Vorgehensweise in jeder einzelnen Phase der Restauration: von der Kavitätenpräparation und Kariesexkavation, über die Versorgung der Dentinwunde bis zur Defektfüllung. Dank der Fortschritte bei Adhäsiven und Kompositwerkstoffen, aber auch bei den Füllungstechniken, ist die Indikation für Inlays zugunsten direkter Restaurationen erheblich zurückgegangen. Bei der Kavitätenpräparation gilt das Hauptaugenmerk dem Schutz der Nachbarzähne, sei es durch Verwendung nicht-rotierender Präparationsinstrumente oder den Einsatz spezieller Hilfsmittel. Im Zusammenhang mit der Schonung gesunder Zahnhartsubstanz soll auch die kontroverse Frage diskutiert werden, wie viel kariös verändertes bzw. infiziertes Dentin exkaviert werden muss, und wie dies möglichst selektiv geschehen kann. Zu einer minimalinvasiven Vorgehensweise gehört neben der Schonung intakter Zahnhartsubstanz auch die Schonung der Pulpa. Der Vortrag wird daher die Möglichkeiten einer schonenden Behandlung der Dentinwunde aufzeigen, und auch, wie mithilfe geeigneter Füllungsmaterialien Zahnhartsubstanzschäden beim Legen der Füllung vermieden werden können. Anzustreben ist eine insgesamt hohe Qualität der Restaurationen, um erneute Eingriffe und damit verbundene Hartsubstanzverluste so lange wie möglich überflüssig zu machen. Schließlich soll das Potenzial von Teilkronen als Substanz schonende Alternative zu Vollkronen hervorgehoben werden.
10:00-10:30
Die Lebensdauer von Restaurationen wird in der Regel von drei Hauptfaktoren beeinflusst: dem Patienten, dem Behandler und dem Material. Bezüglich der Restaurationsmaterialien sind die Fehlerursachen und -häufigkeiten bei den verschiedenen Materialgruppen zwar unterschiedlich, am häufigsten aber sind Sekundärkaries und Frakturen.

Bis noch vor wenigen Jahren wurden defekte Restaurationen fast immer vollständig ausgetauscht, eine Reparatur wurde oft als Pfusch angesehen. Heute gibt es wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass Reparaturen häufig der bessere Weg sind mit Schonung von Zahnhartsubstanz und Pulpa im Vergleich zur Erneuerung.

Im Falle der Diagnose einer nicht perfekten Restauration stehen dem Zahnarzt prinzipiell vier Optionen zur Auswahl: Monitoring (ohne Behandlung), Überarbeitung/Politur, Reparatur und komplette Erneuerung.

Welche Vorgehensweise gewählt wird, hängt v.a. vom Defektausmaß und der Zugängigkeit ab, des Weiteren vom Zustand von Zahn und Restauration und der gesamten Mundhöhle (Karies- und Parodontitisrisiko, allgemeinmedizinische Faktoren etc.).

Der Vortrag gibt eine Übersicht über die möglichen Techniken und wie der Verbund zu den verschiedenen Materialtypen (Gold, Keramik, Komposit) hergestellt werden kann. Eine Analyse zur Lebensdauer und der Misserfolge zur Vermeidung von Fehlern rundet den Vortrag ab.
10:30-11:00
Ein wichtiger Merksatz in der Zahnerhaltung ist "mit dem vitalen Zahn kann man (fast) alles machen, mit dem avitalen nicht". Was ist das Besondere an der postendodontischen Versorgung? Dies wird bereits beim Blick auf die (sehr wenigen) klinischen Studien mit postendodontischen Restaurationen deutlich - die Erfolgsrate ist hoch signifikant niedriger als bei vitalen Zähnen. Dieses Referat beschäftigt sich auf dieser Grundlage mit folgenden Fragen:
• Welche Regeln gelten für die postendodontische Versorgung nach erfolgter Wurzelkanalbehandlung?
• Welche Rolle spielt die Kontamination mit Spülflüssigkeiten?
• Sind minimalinvasive Grundsätze auch bei postendodontischen Restaurationen gültig?
• Brauchen wir noch Wurzelstifte?
• Was ist die beste postendodontische Restauration?
Parodontologie & Kieferorthopädie (Saal Harmonie) , Prof. Dr. Jörg Alexander Lisson
11:30-12:00
Nicht bei jedem Patienten kann die Kariesentstehung und -progression durch lokale Fluoridierungsmaßnahmen allein aufgehalten werden. Deshalb stellt sich immer häufiger die Frage, ob es zusätzliche bzw. alternative Mittel zur Kariesprävention gibt. Zur Beantwortung dieser Frage muss man die Kariesaktivität, die Karieslokalisation und die Gründe für die Kariesentstehung berücksichtigen. So lassen sich, mit Verfahren zur chemischen Plaquereduktion, Wurzelkaries und Karies in den Fissuren durchbrechender Zähne verhindern. Neu entstandene approximale und okklusale initiale Kariesläsionen können in ihrer Progression durch Kariesinfiltrationsverfahren aufgehalten werden. Für Patienten mit Mundtrockenheit können zusätzlich zu Fluoridpräparaten kalziumphosphathaltige Produkte zum Einsatz kommen. Auch Speichelstimulation kann hier ein probates Mittel sein. Für eine alleinige, mechanische Biofilmentfernung ist die Evidenz bezüglich der kariesreduzierenden Wirkung aus klinischen Studien schwach. Allerdings zeigt sich beim Einsatz von fluoridhaltigen Zahnpasten zur Mundhygiene eine gute Evidenz für einen kariespräventiven Effekt. Für andere Verfahren, wie zum Beispiel den Einsatz xylithaltiger Präparate, nanopartikelhaltiger Zahnpasten bzw. Mundspüllösungen usw., gibt es keine ausreichende Basis hinsichtlich einer kariespräventiven Effektivität.
12:00-12:30
Karies, Gingivitis, Parodontitis und Periimplantitis gehören sowohl in Deutschland als auch weltweit zu den am weitesten verbreiteten Krankheiten. Trotz einiger Verbesserungen beim Mundgesundheitszustand unserer Patienten besteht weiterhin ein erhöhter Bedarf an Maßnahmen zur Vorbeugung dieser Erkrankungen - insbesondere bei den parodontalen sowie periimplantären Erkrankungen.
Da es bisher nicht möglich ist, selektiv die für die jeweilige Erkrankung pathogenen Keime zu eliminieren, ist die wichtigste Prophylaxestrategie für alle oben genannten Erkrankungen die regelmäßige und möglichst vollständige Entfernung des oralen Biofilms - sowohl häuslich als auch regelmäßig professionell im Rahmen von Prophylaxe-Sitzungen. Im professionellen Bereich stehen sowohl Handinstrumente als auch maschinelle Verfahren zur Biofilmentfernung zur Verfügung.
Auch die häusliche Mundhygiene erfordert wiederholtes Training und Anleitung von professioneller Seite. Elektrische Zahnbürsten sowie Zahnpasten können das Zähneputzen unterstützen, häufig wird die mechanische Mundhygiene aber nicht adäquat (unregelmäßig, zu kurze Putzdauer, falsche Technik) durchgeführt. Antibakteriell wirksame Substanzen können die mechanische Mundhygiene chemisch unterstützen, wobei prinzipiell Zahnpasten ideale Träger für solche Wirkstoffe sind. Da Zahnpasten sehr komplex zusammengesetzt sind und es zu Inkompatibilitäten kommen kann, ist es sehr viel einfacher, antibakterielle Wirkstoffe in Mundspüllösungen einzubringen. Daher stellen Mundspüllösungen in zahlreichen Fällen ein zusätzliches Hilfsmittel zur umfassenden Mundhygiene, aber auch für die professionelle Anwendung dar.
Im Vortrag werden klassische und neue Verfahren sowie bewährte Wirkstoffe zum mechanischen und chemischen Biofilmmanagement angesprochen.
12:30-13:00
Durch die Entwicklung neuer Materialien, Nutzung moderner Technologien, Übertragung von Grundlagenforschung zur orthodontischen Zahnbewegung in die Klinik sowie Weiterentwicklung interdisziplinärer Therapieverfahren gibt es heute keine Altersgrenze für eine kieferorthopädische Behandlung.
Unsichtbare Apparaturen erhöhen die Akzeptanz, insbesondere älterer Patienten, gegenüber kieferorthopädischen Maßnahmen. Im Vortrag werden präventionsorientierte kieferorthopädische Konzepte bei Erwachsenen vorgestellt: Therapie des Engstandes zur Verbesserung der Hygienefähigkeit, orale Bewegung ektopisch stehender Zähne um Rezessionen zu reduzieren, Intrusion von Zähnen um Wurzelexpositionen zu eliminieren, Tiefbißbehandlung zur Prävention von CMD und traumatischem Einbiß in die palatinale Mukosa, Aufrichtung gekippter Molaren als präprothetische und parodontalprophylaktische Maßnahme.
13:00-14:00
Mittagspause
Zahnerhaltung & Medizin (Illusion) , Prof. Dr. Stefan Zimmer
11:30-12:00
Die Parodontitis ist eine komplexe multifaktorielle Erkrankung, deren Entstehung und Verlauf entscheidend von einer Reihe von Risikofaktoren wie z.B. Rauchen, Diabetes und genetischer Disposition mitbestimmt wird. Es stellt sich die Frage, ob sich die Prävention dieser hochprävalenten Erkrankung durch Identifikation dieser Risiken im Sinne einer personalisierten Medizin verbessern lässt, und so beschränkte Resourcen für die Prävention zielgerichteter eingesetzt werden könnten. Aktuelle Studien zeigen in der Tat, dass Zahnverluste bei Patienten einer Hochrisikogruppe durch häufigere Prävention reduziert werden konnten, während dies bei Patienten mit niedrigem Risiko nicht der Fall war. Auch in der Prävention des Wiederauftretens parodontaler Erkrankungen durch unterstützende Parodontitistherapie spielt ein System zur parodontalen Riskoerfassung (PRA = Periodontal Risk Assessment) mittlerweile eine wichtige Rolle und sein Wert ist durch Langzeitstudien belegt.
12:00-12:30
Lückenschluss, aber wie? Vor dieser Frage steht ein Patient und sein behandelnder Zahnarzt nach dem Verlust eines Zahnes sehr oft. Für die Lösung des Problems gibt es in der modernen Zahnarztpraxis unterschiedliche implantologische Optionen, von der Sofort-, über die frühzeitige bis zur Spätimplantation,somit stehen per se mehrere Behandlungswege zur Verfügung. Auch der konservative Lösungsansatz einer kronengetragenen Brücke darf natürlich nicht unberücksichtigt bleiben. Immer geht es jedoch darum, möglichst eine ästhetische, funktionelle und dauerhafte Lösung für die Lückenversorgung zu finden.
Darüberhinaus kommt grundsätzlich kommt heute dem Kieferkammerhalt eine entscheidende Bedeutung zu. Spätestens seit den tier-experimentellen Arbeiten aus der Arbeitsgruppe von J. Lindhe (1;2) oder auch den humanen Untersuchungen von Schropp (3) ist bekannt, dass es nach einer Zahnextraktion zu dreidimensionalen Volumenänderungen des Kieferkamms kommen kann. Mehrere Konsensus-Statements und Systematic Reviews-Artikel (4 bis 7) bestätigen aber auch, dass durch rechtzeitige Augmentation zwar die Resorption des Bündelknochens nicht verhindert, jedoch im besten Fall durch eine Augmentation mit einem geeigneten volumenstabilen Knochenersatzmaterial kompensiert werden kann (8). So lässt sich postulieren, dass durch frühzeitige augmentative Intervention in vielen Fällen größere invasive Kammaufbauten verhindert werden können (9 bis 11).
Bei der präventiven Augmentation kommt es dabei weniger auf die Vermehrung des mineralischen Lagers an, sondern eher tatsächlich auf den langfristigen Erhalt des Kieferkammes (12;13). Deshalb rückt hier u.a. die präventive Augmentation auch bei brückenprothetischen Versorgungen immer mehr in den Fokus der Behandler. Eine weichgewebige Deckung des Augmentates durch ein freies Schleimhaut- oder ein kombiniertes Schleimhaut-Bindegewebetransplantat bzw. auch mit einer geeigneten Collagenmatrix kann zur Volumenvermehrung und -erhalt klinisch sinnvoll sein (14). Eine Implantation als ultima ratio ist nach den vorgenannten Therapiekonzeptionen sicherlich auch sehr erfolgreich.

Quellen:
1. Cardaropoli 2003 JCP
2. Araujo 2005 JCP
3. Schropp 2003 PRD
4. Hämmerle 2012 COIR
5. Chen 2009 JOMI
6. Weng 2012 EJOI
7. Tan 2012 COIR
8. Araujo 2008 PRD
9. Schakibaie 2009 ZZI
10. Keweloh 2011 Impl.
11. Rasperini 2010 PRD
12. Heberer 2011 JOMI
13. Cardaropoli 2012 PRD
14. Jung 2013 JCP
12:30-13:00
Antibiotika gehören wie selbstverständlich zu unserem Therapiearsenal. Die Tatsache zunehmender Resistenzen, sowie die fehlende Entwicklung neuer Substanzen erfordert jedoch ein Umdenken beim Umgang mit diesen kostbaren Medikamenten. Nutzen-Risiko Abwägungen haben schon heute ihren Platz bei der Behandlung lebensbedrohlicher Infektionen und sollten diesen auch bei der Prophylaxe und Behandlung von Infektionen in der Zahnmedizin haben.
So spielt die rechtzeitige Gabe und sinnvolle Auswahl einer Antibiotikaprophylaxe eine maßgebliche Rolle bei der Vermeidung postoperativer Infektionen. Eine prolongierte Prophylaxe hingegen, über eine Einmalgabe hinaus, bedarf einer echten Notwendigkeit und muss als Therapie angesehen werden. Die Antibiotikaanwendung im Rahmen der Behandlung der marginalen Parodontitis und auch Periimplantitis darf nur eingebettet in ein therapeutisches Gesamtkonzept, auf Basis solider Daten, erfolgen.
Nur durch einen verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika heute, werden auch zukünftige Generationen den Nutzen dieser Medikamente erfahren können.
Funktionsstörungen (Illusion) , Prof. Dr. Ingrid Peroz
14:00-14:30
Funktionstherapeutische Behandlungen sollten heutzutage nach Möglichkeit mittels reversiblen Behandlungsmitteln erfolgen (AADR Policy Statement 1996, DGFDT/DGZMK-Stellungnahme 2005). Nur wenn nach erfolgreicher initialer Funktionstherapie eine Veränderung der Kieferrelation verbleibt oder sich zeigte, dass eine Instabilität der Okklusion individuell wesentlich zur Dysfunktion beitrug bedarf es eines dauerhaften Okklusionsausgleichs. Dieser kann mittels kieferorthopädischer oder restaurativer Maßnahmen erfolgen. Sofern dabei eine Anpassung mittels subtraktiver Einschleifmaßnahmen nicht möglich sind additive Verfahren einzusetzen. Hierfür kommen anstelle invasiver (Teil-) Kronen heute neue "Repositions-Onlays" und "Repositions-Veneers" in Betracht. Schon 1989 konnten Lundh et al. zeigen, dass eine solche Behandlung mittels testweise eingegliederten Repositions-Onlays aus Metall klinisch erfolgreich ist. Die Weiterentwicklung des Referenten (Ahlers 2003) und anderer Autoren überführt die Idee auf moderne Adhäsivtechnik und zahnfarbene Restaurationen. Diese werden im indirekten Verfahren nach schädelbezüglichen Übertragung der Oberkieferposition im individuellen Artikulator gefertigt, unter gelenkbezüglicher Zuordnung des Unterkiefermodells nach dem erfolgreich umgesetztem Registrat ohne oder per minimalinvasiver Präparation; die Befestigung erfolgt adhäsiv durch Befestigungscomposite, ggf. mittels tribochemischer Adhäsivtechnologie. Wesentliche Vorteile sind der Verzicht auf invasive Präparationsmaßnahmen, die Übertragung der therapeutischen Kieferposition in einem Schritt und die Vermeidung von Präparations- und Zementierungstraumata. Das ehemalige mehrschrittige Vorgehen mit Eingliederung semipermanenter Repositions-Onlays aus hierfür zugelassenem Dentalkunststoff (New Outline, Fa. Anaxdent) wurde zwischenzeitlich ergänzt bzw. ersetzt durch definitive Repositions-Onlays aus Lithiumdisilikat-Dentalkeramik. Die klinische Bewährung und Überlebensdauer dieser Restaurationen ist mittlerweile wissenschaftlich belegt.
14:30-15:00
Bereits seit vielen Jahrzehnten versuchen Zahnärzte über die Manipulation der Okklusion funktionelle Aspekte des stomatognathen Systems zu optimieren. Noch in den 1970ern waren beispielsweise das systematische Einschleifen oder die (Teil-) Überkronung von gesunden (Seiten)zähnen zur "Verbesserung" der Okklusion und damit zur Therapie bzw. zur Prophylaxe von (kiefergelenkspezifischen) Funktionsstörungen geläufige Behandlungsverfahren. Später wurde die Rolle der Okklusion bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von funktionellen Störungen mehr und mehr in Frage gestellt und durch andere Faktoren, wie z. B. psychosoziale Aspekte, ersetzt. Seit einigen Jahren können nun aufgrund der rasant voranschreitenden Computertechnik/Simulation biomechanische Aspekte im stomatognathen System genauer untersucht werden. Somit wird es auch möglich, den Einfluss der Okklusion auf andere Strukturen des stomatognathen Systems zu analysieren und es zeigt sich, dass die Okklusion zweifellos, insbesondere im Zusammenspiel mit dem Kiefergelenk, eine zentrale Rolle einnimmt. Neuere klinische und klinisch-experimentelle Studien zeigen diese Zusammenhänge ebenfalls auf. Der Vortrag möchte die Rolle der Okklusion aus biomechanisch-numerischer und aus klinischer Sicht vorstellen und mögliche Konsequenzen für die Therapie aber auch die Prophylaxe kiefergelenkspezifischer Beschwerden diskutieren.
15:00-15:30
Es ist unstrittig, dass psychosoziale Einflüsse im Sinne zentraler Faktoren im Kontext craniomandibulärer Dysfunktionen eine Rolle spielen. Im Rahmen der Diagnostik bei bestehender Symptomatik müssen auch diese Aspekte zuverlässig abgeklärt werden. Standardisierte Fragebögen sind als Screeningverfahren zum Aufzeigen erster Hinweise psychosozialer Einflussfaktoren sinnvoll. Sie ersetzen jedoch nicht ein ärztliches Gespräch. Der Zahnarzt als erster Ansprechpartner dieser Patienten muss im strukturierten Gespräch ein umfassendes Bild der Beschwerden vor dem biographischen Hintergrund erstellen und ein Einsehen für psychosoziale Einflussfaktoren beim Patienten erwirken. Erst auf dieser Basis lässt sich ein erfolgversprechendes Therapiekonzept erarbeiten. Das Wissen um psychosoziale Einflussfaktoren bietet darüber hinaus die Möglichkeit, auch frühzeitig Patienten adäquat aufzuklären, Lösungsmodelle gemeinsam zu erarbeiten und somit die Entstehung oder Eskalation einer klinischen Manifestation zu vermeiden.
15:30-16:00
Pause
Implantologie & Kieferorthopädie (Saal Harmonie) , Prof. Dr. Heike Korbmacher-Steiner
14:00-14:30
Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake
Prävention von Alveolarkammverlusten durch Implantate
14:30-15:00
Neben dem Verlust permanenter Zähne, stellen vor allem Nichtanlagen eine häufige Indikation für dentale Implantate dar. Nichtanlagen permanenter Zähne sind nicht ungewöhnlich - sie stellen, mit einer Prävalenz von 1,5 bis 11,3 %, vielmehr die häufigste Malformation im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich dar. Von den Weisheitszähnen abgesehen, sind am häufigsten untere zweite Prämolaren, gefolgt von den oberen lateralen Inzisiven betroffen.
Um erfolgreich, auch im Hinblick auf die Ästhetik, implantieren zu können ist ausreichend Knochen, Weichgewebe und ein abgeschlossenes vertikales Alveolar-Wachstum wichtig. Da permanente Implantate erst nach Wachstumsabschluss inseriert werden sollten, muss zwingend einer Knochen- und Weichgewebs-Atrophie entgegengewirkt werden.
Hier hat die Kieferorthopädie eine wichtige Rolle, denn neben dem sogenannten "Implant-site-development" bzw. der biologischen Augmentation kommt auch der kieferorthopädische Lückenschluß als Behandlungs-Alternative in Frage.
Der Vortrag stellt Grundprinzipien und klinische Leitlinien zum kieferothopädischen Lückenschluss vor. Hier wird u.a. auch auf Gingivaverlauf, Veneers oder Komposite-Versorgung und Okklusion eingegangen. Desweiteren werden kieferorthopädische Techniken gezeigt, wie durch die Zahnbewegung bei Lückenöffnung Knochen und Weichgewebe kieferorthopädisch gewonnen und beeinflusst werden kann. Die Indikationen und Kontraindikationen, sowie das therapeutische Vorgehen werden diskutiert.
15:00-15:30
Film: Kommunikation der Zellen - Die Parodontale Regeneration (» mehr Infos)
Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie & Röntgen (Saal Harmonie) , Prof. Dr. Dr. Henning Schliephake
16:00-16:30
Die dentale digitale Volumentomographie (DVT) ist mit geschätzten 3000 in der BRD aufgestellten Geräten zu einer der boomenden neuen Techniken der modernen Zahnheilkunde geworden. Fachgerecht und nach rechtfertigender Indikation eingesetzt hat die neue Technik in einigen Bereichen unzweifelhafte Vorteile im Vergleich zur zweidimensionalen Röntgenbildgebung. Allerdings haben sich, auch bedingt durch den Hype und die rasante Verbreitung der neuen Geräteklasse, nicht wenige mythenhafte Behauptungen um das Potential der DVT verbreitet, die jeglicher wissenschaftlicher Grundlage entbehren. Der Vortrag beleuchtet einige typische derartige Aspekte im Licht der verfügbaren wissenschaftlichen Datenlage und soll somit zu einer realistischeren Einschätzung des diagnostischen Potentials dieser Aufnahmetechnik beitragen.
16:30-17:00
Einleitung: Bei etwa 13.000 Menschen wird in Deutschland jedes Jahr die Diagnose Tumor in der Mundhöhle und im Rachenraum gestellt. Die Mehrheit der Betroffenen stellt sich nach wie vor erst in einem fortgeschrittenen Tumorstadium vor. Eigene Ergebnisse einer ersten repräsentativen Stichprobe und eine weiterführenden Zielgruppenanalyse innerhalb Schleswig-Holsteins zeigten, dass der Tumor der Mundhöhle bei der Bevölkerung nahezu unbekannt ist. Daher wurde eine zeitlich und inhaltlich aufeinander aufbauende umfassende Bevölkerungskampagne mit wissenschaftlicher Begleitevaluation in Schleswig-Holstein als Modellprojekt für Deutschland im April 2012 gestartet. In der Kampagne werden settingbezogene und interpersonale Kommunikation eng mit (massen-) medialen Kommunikationswegen verzahnt.
Methoden: Im März 2012 vor Kampagnenstart (Nullmessung) und im November 2012 und 2013 (Zwischenmessungen) erfolgte im Rahmen einer Prozessevaluation die Ziehung einer für die Bevölkerung ab 50 Jahren (Kampagnenzielgruppe) repräsentativen Stichprobe (N=500) in Form eines computergestützte telefonische Interviews. Der Fragenkatalog umfasste neben verhaltens- und wissensbezogenen, soziodemographischen und sozioökonomischen Fragen zielgruppengerichtete Fragen zur verschiednen Bereichen der Wahrnehmung. Die Kampagnenbotschaften, Kommunikationsmittel und klinische Parameter sowie deren Wirksamkeit werden prozessbegleitend systematisch evaluiert und abschließend nach Kampagnenende nach dem Konzept der summativen Evaluation ausgewertet. Im Rahmen des Vortrages werden Ergebnisse der Prozessevaluation vorgestellt.
Ergebnisse: In der Prozessevaluation zeigten sich eine Steigerung der Wahrnehmung der Erkrankung und des Themas Mundkrebs als Medienthema. Innerhalb der Zielgruppe war diese Veränderung der Wahrnehmung am stärksten ausgeprägt. Die klinischen Parameter und die Ergebnisse zur Einbindung der Berufsgruppen werden nach dem Stand der Auswertbarkeit im Rahmen einer Prozessevaluation vorgestellt.
Schlussfolgerung: Die Prozessevaluationen zeigten eine deutlich höhere Aufmerksamkeit für das Thema Mundkrebs. Der Vergleich innerhalb der soziodemografischen und sozioökonomischen Subgruppen zeigte die stärkste generelle und medienbezogene Steigerung der Aufmerksamkeit innerhalb der Zielgruppen.

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